EZB bereitet sich auf den Kauf von spanischen Anleihen vor

Seit mehr als vier Wochen hat die EZB keine Staatsanleihen mehr am Sekundärmarkt gekauft. Nachdem jedoch die Zinssätze für spanische und italienische Anleihen erneut drastisch steigen, bereitet sich die EZB darauf vor, wieder einzugreifen.

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Spanien wird zum größten Sorgenkind der Eurozone. In den vergangenen Tagen sind die Zinssätze für Staatsanleihen des Landes massiv gestiegen und auch die Kreditausfallversicherungen für diese haben wieder angezogen (mehr hier). Und das, obwohl die spanische Regierung versucht, mit Haushaltseinsparungen von über 27 Milliarden Euro in diesem Jahr die Märkte vom Reformwillen des Landes zu überzeugen. Selbst die Ankündigung, weitere 10 Milliarden Euro im Gesundheits- und Bildungsbereich einzusparen, änderte am Mittwoch nichts an der Skepsis am Staatsanleihenmarkt.

Nun sorgt das EZB-Vorstandsmitglied Benoit Coeuré für Spekulationen rund um Spanien. Die „Marktbedingungen sind nicht gerechtfertigt“, sagte er bei einer Veranstaltung in Paris. „Wird die EZB intervenieren? Wir haben ein Instrument, das Wertpapiermarkt-Programm, das kürzlich nicht genutzt wurde, aber noch immer existiert.“ Damit spielt Benoit Coeuré auf den Anleihenkauf der EZB am Sekundärmarkt an. Bereits vergangenes Jahr griff die EZB damit massiv in den Anleihenmarkt ein, um die Zinssätze für Staatsanleihen zu drücken. Seit dem zweiten Tender Ende Februar hatte die EZB nach eigenen Angaben keine Anleihen mehr gekauft. Mit einer Wiederbelebung des Programms könnte die EZB erneut auf interne Kritik stoßen. Vor allem die Mitglieder der nordeuropäischen Länder rügten es als politisches Instrument.

Erste Vermutungen, dass Spanien nun doch ein Rettungspaket benötigen könnte oder zumindest die spanischen Banken, sind in der vergangene Woche laut geworden (hier). Spaniens Situation und Zukunft ist auch für Italien entscheidend. Die Angst vor einer Ansteckung sorgte bei einer Auktion von italienische Anleihen am Mittwoch für eine Verdoppelung der Renditen (hier). „Wir erwarten, dass in diesem Quartal eine sehr bedeutende Verschärfung der Schuldenkrise im Euro-Währungsgebiet zum Tragen kommt“, sagte Silvio Peruzzo von der Royal Bank of Scotland der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die EZB sollte sich auf eine Rückkehr bedeutender Spannungen an den Finanzmärkten vorbereiten, fügte er hinzu.

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