Analyst schlägt Alarm: „Belgiens Defizit ist nicht beherrschbar“

Belgien liegt mit seiner Verschuldung noch hinter Portugal und Irland. Aber allein der demografische Wandel könnte zu einer immensen Zunahme des Defizits beitragen. Ganz abgesehen von dem ESM und den Garantien für die Dexia Bank. Damit wird die Verschuldung nicht mehr „beherrschbar“.

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Die offiziellen Daten von Eurostat zeigten zum Ende des dritten Quartals 2011 für Belgien eine Verschuldung von 98,5 Prozent des BIP. Das entspricht 361,3 Milliarden Euro. Damit liegt Belgien hinsichtlich des Defizits knapp hinter Portugal (110 Prozent) und Irland (105 Prozent). Ökonomischen Untersuchungen zufolge ergeben sich bei einer Verschuldung von mehr als 90 Prozent erhebliche, negative Folgen für das Wirtschaftswachstum, die Arbeitslosenentwicklung und die öffentlichen Finanzen, analysiert der unabhängige belgische Wirschaftsjournalist Johan Van Overtveldt.

Belgiens Regierung würde also gut daran tun, sein Defizit abzubauen. In einer Untersuchung der Ökonomen Bernd Raffelhüschen und Stefaan Moog von der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg wurde deutlich, dass schon allein aufgrund des demografischen Wandels die Verschuldung Belgien in den kommenden Jahrzehnten enorm ansteigen werde. Würde also die Politik den Entwicklungen nicht entgegenwirken, läge das Defizit Belgien dann bei 426 Prozent des BIP. Grund hierfür sind die ausufernden Ausgaben für Renten und die Gesundheitsversorgung.

Der Studie zufolge würde auf Belgien entsprechend ein Konsolidierungsbedarf von 5,3 Prozent des BIP zukommen, um eine solche Negativentwicklung des Defizits zu verhindern. Was in etwa 19 Milliarden Euro entspräche, die jährlich mindestens drei Jahrzehnte eingespart werden müssten. Aber allein in den nächsten drei Jahren muss die belgische Regierung rund 12 Milliarden Euro einsparen, um einen ausgeglichenen Haushalt entsprechend der EU-Vorgaben vorzuweisen (hier). Hinzu kommt, dass diese Einsparungen eher auf Steuererhöhungen und anderen weniger nachhaltigen Maßnahmen basieren und dementsprechend keine Wirkungskraft über mehrere Jahre hinweg erreichen können, so Johan Van Overtveldt. Seiner Meinung nach, ist das Defizit Belgiens nicht beherrschbar.

Doch neben den demografischen Entwicklung, die das Defizit Belgiens massiv in die Höhe treiben könnten, kommen neben den neuen Instrumenten in der EU Staatsgarantien für die Dexia-Bank hinzu. Bei Dexia garantiert Belgien, obgleich Frankreich und Luxemburg ebenfalls Garantien geben, 54,5 Milliarden Euro. Zudem wurden die Rettungsschirme jüngst auf 800 Milliarden Euro ausgeweitet (hier). Noch stehen nicht alle Beiträge Belgiens dazu gänzlich fest, zumal der Gouverneursrat des ESM die Schlagkraft des ESM in Zukunft noch erhöhen kann. In jedem Fall aber, erklärt Johan Van Overtveldt muss Belgien zunächst einmal rund 30 Milliarden Euro in Form von Kapital und Garantien zur Verfügung stellen.

Kommentare

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    • Linearrechner sagt:

      Die Erfahrung der letzten Jahre und Jahrzehnte sollte die Auguren doch gelehrt haben, dass man Vergangenheit nicht linear in die Zukunft hineinregnen kann. Wie bitte will man halbwegs sicher eine Zukunft prognostizieren, wenn man nicht einmal ansatzweise zeitnah bevorstehende Verwerfungen vorhersehen kann.

      Hätte 1988 irgendwer die deutsche Einheit für 1989 prognostiziert, wäre er bestenfalls ausgelacht und schlimmstenfalls weg gesperrt worden. Trotzdem ist es passiert. Gleiches gilt für den Zusammenbruch der Sowjetunion, den arabischen Frühling etc. etc.

      Geht es weiter wie aktuell abzusehen, wird die Lebenserwartung wieder fallen, was letztlich die Rentenkassen entlastet. Nicht jede Therapie wird mehr bezahlbar und damit umsetzbar sein. Entsprechend werden 90-jährige keine neuen Hüften und Knie mehr bekommen können. 80-jährige vielleicht auch nicht mehr.

      Letztlich reguliert sich auch ein komplexes System langfristig selbst… In vielen Fällen kann man es somit mit Herrn Kohl halten und die Sache einfach aussitzen.

      Was macht sich Herr Raffelhüschen Gedanken über die Zukunft in Jahrzehnten, wenn angeblich eine große Pandemie vor der Tür steht, die die Population um zig Millionen reduzieren kann. Trifft es dabei die Jungen, sind die Sozialkassen und Haushalte ad hoc ruiniert. Trifft es die Alten, sind die Sozialkassen saniert.

      Alle rechnen mit dem großen Kollaps und damit, dass Europa, USA, Japan und und und am finanziellen Abgrund stehen. Damit rechnete aber sogar schon Plato. Offenbar geht es trotzdem immer irgendwie weiter. Und wenn man die Schulden inflationieren muss. Nach 10 Jahren á 5 % Inflation schaut der Schuldenberg nämlich schon ganz angenehm aus… Und man könnte auch Inflationen wie in Russland oder Lateinamerika provozieren, die die Schulden dann marginalisieren.

      Immer mit der Ruhe, Füße still halten und auf keinen Fall sparen, denn sparen bedeutet sobald alle dies tun Geldvernichtung und das Ausbremsen der wirtschaftlichen Entwicklung. Im Gegenteil, die Kühe müssen saufen…

    • jerry sagt:

      sofort die Schuldenzahlungen einstellen und Austritt aus der Eurozone, Volksbefragung vorher durchführen, Komplementär-Währung–Regio-Geld sofort einführen,, (Währungsreform durchziehen-eigene Währung einführen…
      Dr.Wilhelm Hankel als Berater einsetzen,,,

      mit Freiwirtschaftlichen Grüßen

      http://www.humane -wirtschaft.de

    • bauagent sagt:

      Das müsste so langsam jeder begreifen. In unserem Geldsystem ist des Einen Schuld, des Anderen Guthaben.

      Soll also der Staat Schulden abbauen, muss zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts Vermögen bzw. Guthaben anderswo abgebaut werden.

      Bedeutet: Höhere Steuern.

      Höhere Steuern bedeutet aber geringerer Konsum und geringere Investitionen. Geringere Investitionen und Konsum bedeutet mittelfristig geringere Steuereunnahmen.

      Geringere Steuereinnahmen bedeuten höhere Verschuldung.

      Was lernen wir daraus?

      Das System braucht Schulden, wie der Junkie die Spritze. Bei beiden steht am Ende der Tod!!

    • Wutbürger sagt:

      “muss Defizit abbauen”. Hahaha, das will ich mal sehen, einen Politiker, der Defizit abbaut. Der letzte bei uns mit Überschuss war Kiesinger.

    • Fred Feuerstein sagt:

      Na schön langsam wird die Talfahrt der EU Mitgliedsländer flotter. Griechenland, Portugal, Spanien, Irland, Italien, jetzt noch Belgien. Auch Slowenien, Slowakei, Malta, Zypern sind auch nicht sehr standfest. Die Länder Ungarn, Lettland, Bulgarien, Rumänien und bald noch Kroatien kann die EU ja auch nicht verrecken lassen. Hilfen werden notwendig sein. Mindestens die Hälfte der EU Länder steht kurz vor der Insolvenz !!! Weitere Balkanländer stehen vor der Tür und wünschen sich nur noch den Eintritt zum Rettungsschirm, da ihre Wirtschaften auch am Ende sind. Wo soll das denn, aber wirklich alternativlos, hinführen ? Diese größenwahnsinnigen EU-Kommissare dürften ja nicht einmal einen Würstlstand betreiben. Dort wird ja nur noch Schwachsinn verbreitet. Die Kommunisten waren dagegen ja hochintelligente Wirtschaftsfachleute ! Die sollen mit ihrem eigenem Geld diese Trottulose weiter verfolgen, ohne uns.

    • dparvus sagt:

      “In jedem Fall aber, erklärt Johan Van Overtveldt muss Belgien zunächst einmal rund 30 Milliarden Euro in Form von Kapital und Garantien zur Verfügung stellen.”

      Und dann kommen Spanien, Italien, Frankreich und und und…

      Z.Zt. schwächeln vermutlich der US-$ und der Euro natürlich auch, wenn man die Kurse ansieht.

      Der US-$ ist heute fast schon 1% gefallen, gegenüber dem Neuseeland- Dollar, der als stabile Währung gilt.

      Der Euro gegenüber dem US-$ um ca. 0,5%.

      Gold ist um ca. 1% gestiegen, gegenüber US-$.

      Die Katastrophe ist bald da.

      Aber da müssen wir ohnehin durch, je früher wir mit dem Aufräumen anfangen, je eher haben wir Ordnung.