Athen bezahlt keine Rechnungen mehr: 6,3 Milliarden Euro Schulden bei Firmen

Der griechische Staat weigert sich, seine Schulden bei der Privatwirtschaft und Privatpersonen zu begleichen. Nun werden die Unternehmen auf die nächste Troika-Tranche vertröstet. Viele laufen Gefahr, davor in die Pleite zu schlittern.

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Es war eine Auflage der Troika und ein Versprechen an die Privatwirtschaft und die Privatleute, dass der Staat mit der ersten Tranche des zweiten Rettungspakets seine Schulden begleicht. Doch der Anleihentausch in Verbindung mit dem Schuldenschnitt hat alle guten Absichten verschwinden lassen. Nichts wurde zur Rückzahlung der staatlichen Schulden genutzt. Nun wurde die Rückzahlung auf die die nächste Tranche gegen Ende des Sommers vorschoben. Statt dessen haben sich die Parteien Extrazahlungen zur Finanzierung des Wahlkampfs genehmigt (mehr hier).

Die Schulden des griechischen Staates gegenüber der Privatwirtschaft und Privatleuten beliefen sich im Februar 2012 auf 6,3 Milliarden Euro. Im Januar waren es noch 5,93 Milliarden Euro. Schuldner sind beispielsweise Krankenhäuser, Ministerien, öffentliche Träger, lokale Regierungen aber auch Sozialversicherungsträger. Sowohl ausländische Unternehmen als auch griechische Unternehmen und Privatleute müssen also weiterhin auf ihr Geld warten. Dies verschlimmert die Situation der griechischen Wirtschaft, die bereits von den Sparmaßnahmen getroffen ist, dramatisch.

Allein Herstellerfirmen aus dem In- und Ausland warten auf 1,5 Milliarden Euro vom Fiskus und Exportunternehmen haben noch immer keine Mehrwertsteuer-Erstattung für das vergangene Jahr erhalten – auch hier beläuft sich dies auf rund 1,5 Milliarden Euro. Ähnliches spielt sich im Bereich der Konstruktionsfirmen ab, wo diese nicht getilgten Schulden wie in anderen Branchen immer häufiger zu Insolvenzen und Stilllegungen von wichtigen Infrastrukturprojekten führen. Jeder vierte Arbeiter im griechischen Produktionsbereich ist arbeitslos – zwischen 2008 und 2010 verloren rund 80.000 Beschäftigte ihre Anstellung. Banken und Pharmaunternehmen sind ebenfalls betroffen.

Gerade die Verbindlichkeiten, die sich aus der Rückerstattung der Mehrwertsteuer ergeben haben, werden schnellstmöglich zurückgezahlt, versprach das Finanzministerium kürzlich. Bei Beträgen von bis zu 30.000 Euro sollen sie ohne Überprüfung von statten gehen, bei Rückzahlungen zwischen 30.000 und 100.000 Euro soll es Stichproben geben. Liegen die zu erstattenden Beträge sogar über 100.000 Euro müsse eine ausführliche Überprüfung unternommen werden. Doch an eine wirklich zügige Abwicklung dieses Sachverhalts glaubt die Privatwirtschaft nicht mehr.

Gleichzeitig will der griechische Staat jedoch bei der Steuerzahlung der Unternehmen und Bürger in Griechenland härter durchgreifen. In den letzten Monaten ging der griechische Staat intensiver gegen Steuerzahler vor, auch wenn das System der Steuerprüfer alles andere als effektiv ist: Von den wünschenswerten 1,2 Milliarden Euro wurden lediglich 945,8 Millionen Euro eingetrieben. Abgesehen von abgebrühten Steuersündern gibt es aber viele Unternehmen und Privatleute, die ihre Steuern tatsächlich einfach nicht zahlen können, weil der Staat ihnen noch nicht das Geld gezahlt hat, was er ihnen schuldet. Diese sind doppelt gestraft.

Kommentare

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    • anne sagt:

      Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht!
      Den Anfang könnte Frankreich machen, wenn man Schmeichler Sarkozy auf die Insel schießt, Griechenland in 14 Tagen. Wenn da nicht noch manipuliert wird, hat diese jetzige Übergangregierung auch abgedankt.
      Einige Schlafschafe werden hier dann sehr unsanft geweckt werden, um zu kapieren, was hier zum Himmel stinkt. Spätestens wenn man Ihnen alles unterm Hintern wegpfändet, weil Angie Money braucht.

    • landbewohner sagt:

      ja im abgreifen ist rosa-oliv spitze

    • Oma sagt sagt:

      Kinder, es spitzt sich zu.

      Bringt Eure Spargroschen in Sicherheit und zieht Lumpen an.
      Esst viel Zwiebeln und Knoblauch, damit Ihr gegen alle anstinken könnt und jeder vor Euch Reissaus nimmt!

      Grabt den Garten um und pflanzt Kartoffeln.
      Räumt alles Gerümpel aus dem Keller und schafft es fort, damit es Platz zum Lagern gibt.

      Gruss von der Oma.

      • Cuzco sagt:

        Liebe Oma,

        die Kartoffeln hab ich heute gelegt, der Keller ist ausgeräumt und Vorräte angeschafft!

        Den Altkleidersack hab ich nicht an die Strasse gestellt, sondern wieder ausgeräumt und Knoblauch mag ich sowieso.

        LG Cuzco. ;-)

    • shobozenzo sagt:

      warum haben die Firmen ihre Lieferungen nach GR nicht schon lange eingestellt?
      Weil sie die Gesamtsituation einfach nicht wahrhaben wollen. Export um jeden Preis
      anstatt im Fall von GR nur gegen Vorkasse zu liefern. Dann wäre der Spuk sofort
      zu Ende. Das gilt auch für Spanien und demnächst auch für Italen und ggf. FR/B
      etc.

    • eli sagt:

      Das ist sicher gut für die Arbeitsplätze. Mein Gott, Barosso und Rompuj, schleichts euch.

    • möhre sagt:

      die eu wird gewaltsam durch den verfassungwidrigen esm und brüsseldiktat zusammenghalten- eigentlich gehört die kanzlerin vor ein gericht gestellt, wegen rectshbruch gegenüber der verfassung und veruntreuung von geldern des staates und des volkes. ein ende der euro-zone und die einführung von unabhängigen parlamenten sind notwenig, damit jeder staat selbstverantwortung übernimmt.
      den banken muß außerdem die macht genommen werden. volksentscheid versus ermächtigungsgesetz. aber die entwicklung ist so gewollt und geplant. bis zum bankrott des volkes und die restgelder in händen weniger.
      dann wird es bald EINEN NEUE WELTORDNUNG geben, die allein und zentral entscheidet, wer das sagen hat. kz’s werden auch schon gebaut, für jeden der seine bürgerlichen rechte verteidigen will…
      der jetzt bevorstehende esm- ist praktisch nicht mehr auflösbar , wenn nicht alle eu-staaten vollständig in ihrer anzahl dagegen sind. es gibt also keine über 50 prozent hürde mehr zu überwinden, und damit ist die absolute narrenfreiheit gegenüber derm volk und die neuverschuldung dessen auf ewig garantiert.

      • Margrit Steer sagt:

        Diese Volksverräter-Kanzlerin und stramme FDJ-Jule sowie die gesamten antideutshen Grünen gehören schon lange vor Gericht

      • walter schneider sagt:

        “eigentlich” deutet an, dass nichts, aber auch gar nichts passieren wird.

      • gast sagt:

        ich stimme Ihnen zu und es ist sehr schade, dass unsere Parteienpolitik, der wir uns nicht entziehen können, uns auf diesen unglückseeligen Weg geführt hat auf dem vor allem das gefühlte Recht nicht mehr vorhanden ist.
        Aber auf ewig hat noch nie etwas gehalten.
        Diese junge, künstlich, undemokratisch und erpresserisch zustande gekommene EU mit einem Maoisten an der Spitze wackelt bereits nach verhältnismäßig kurzer Zeit erheblich. Ich glaube nicht, dass der Versuch, durch eine aggressive und mutwillige Überschuldung eine Situation herbeizuführen, in der endlich der Staat Europa ausgerufen werden kann, gelingen wird.
        Ich denke immer noch, dass eine Überschuldung immer über einem zusammenfallen muss und das finanzielle Aus bedeutet. Schön ist das nicht aber es ist nicht ewig.

    • angerhans sagt:

      Aus, Schluß, Raus…

    • M Jochmann sagt:

      Also wirklich, es reicht doch wenn das Geld für beamte und Banken verwendet wird! Ist doch bei uns genauso, wenn wieder eine Kriese kommt, dann werden zuerst die Rechnungen mit den Bösen Privatunternehmen nicht bezahlt. Trotzdem werden dann im ÖD und bei den Beamten die Gehälter erhöht!

      • Margrit Steer sagt:

        Zuerst einmal wrden die Diäten erhöht.
        War doch heir in NRW auch so.
        Schulden übr die Halskrause udn kaum war Rot-Grün an der Regierung wurde mal eben ein Schluck aus der Pulle genommen udn die Diäten um 500 € erhöht

    • Wutbürger sagt:

      Ach was soll man da noch sagen, alles läuft wie erwartet. Nämlich nichts.