Hollande: EZB soll Kredite direkt an Staaten vergeben

Francois Hollande will eine radikale Erweiterung des EZB-Mandats. Die EZB soll Kredite nicht mehr nur an die Banken, sondern direkt an notleidende Staaten vergeben. Er räumt ein, dass die Deutschen das nicht gerne hören werden.

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Die EZB sollte das Wachstum anregen, sagte der Nicolas Sarkozys Herausforderer Francois Hollande am Montag bei Europe Radio 1, nachdem die erste Runde im Wahlkampf an ihn ging (hier). Eine Möglichkeit sieht Francois Hollande in einer erneuten Senkung des Leitzins, der bereits bei lediglich einem Prozent liegt. Er wäre dafür, „es liegt also an der EZB, in diese Richtung zu gehen“. So könne die Wirtschaft angekurbelt werden.

Francois Hollande weiß scheinbar ganz genau, wie die Lösung der Krise aussieht: Die EZB soll nicht nur in Banken sondern auch in Staaten Milliarden pumpen (Foto: Flickr/Parti socialist)

Francois Hollande weiß scheinbar ganz genau, wie die Lösung der Krise aussieht: Die EZB soll nicht nur in Banken sondern auch in Staaten Milliarden pumpen (Foto: Flickr/Parti socialist)

Doch seiner Meinung nach würde es auch noch einfacher gehen. Nämlich durch unmittelbare Darlehen von der EZB an die „Mitgliedsstaaten, anstatt wie bisher über die Banken“. „Ich weiß, dass Deutschland dem völlig feindlich gegenüber steht“, aber es wäre „intelligenter, schneller und effizienter für die EZB, wenn sie der erste und letzte Kreditgeber“ der Regierungen wäre. Es sei völlig paradox, dass die EZB die Märkte mit Liquidität flute, Kredite zu einem Prozent an die Banken vergebe und diese das Geld wie etwa im Falle Spaniens zu einem Zinssatz von sechs Prozent an die Staaten weiterverleihen.

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Kommentare

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  1. Wutbürger sagt:

    Warum so umständlich, Monsieur Hollande? Einfach ab sofort jedem Finanzminister eine Notenpresse in den Keller! Was sonst! Das wäre der effektivste Weg! Nebenwirkungen? Ach, wer wird sich denn mit sowas abgeben! Grosse Zeiten erfordern grosszügige Entscheidungen! Auf Gehts!

  2. Enno sagt:

    Keine Sorge, der Michel rettet alle und zahlt für alles und ist an allem Schuld.

  3. papperlapap sagt:

    Es sei völlig paradox, dass die EZB die Märkte mit Liquidität flute, Kredite zu einem Prozent an die Banken vergebe und diese das Geld wie etwa im Falle Spaniens zu einem Zinssatz von sechs Prozent an die Staaten weiterverleihen.

    Das ist nicht paradox, sondern systematische widerrechtliche Zweckentfremdung von Steuergeld. Aber man muss sich heute die Frage stellen, ob man der EZB soviel mehr trauen kann als den parasitären Banken? Die EZB hat doch mit ihren Rechts- und Wortbrüchen längst gezeigt, dass sie nicht souverän ist, sondern im Auftrage (von wem?) handelt.

    Außerdem mangelt es dem an sich guten Ansatz noch an elementaren Überlegungen: Wie sieht der Mechanismus zur Begrenzung der Neuverschuldung aus? Worin liegt der Anreiz für die Politik, keine zusätzlichen Schulden zu machen? Warum sollte es sinnvoll sein, überhaupt Zinsen für neues Geld zu fordern?

    Kurz gesagt, es wird herumgedocktert, aber wie plant man einen stabilen sich selbst regulierenden Geldkreislauf? Die Politiker können auf alles Know-How der Welt zugreifen, warum tun sie es nicht?

    • Wutbürger sagt:

      Es ist schlichtweg kriminell, die Erträge der nächsten Generation auszugeben, ohne dieser entsprechende, damit aufgebaute Vermögenswerte zu hinterlassen (Bilanzgleichgewicht). Dabei ist es gleichgültig, woher dieses Geld stammt. Die nächste Generation wird gezwungen, Rechnungen von Lieferungen/Leistungen zu bezahlen, von denen nichts mehr existiert. Deren Wut ist garantiert und berechtigt.

  4. Bernhard Gärmer sagt:

    Ein Sozialist, null Leitsungsdenken und maximale Verteilungsvorstelllungen.
    Was wenn keine das Papier mehr haben will? Man sollte den Euro auf Seidenpapier drucken, im Ernstfall wäre er dann für sanitäre Zwecke geeignet!

    Alle denken in DM und zahlen in Euro, das sind Preise die wir in DM nicht bezahlt hätten. Da die Franzosen eher auf die Straße gehen wird es da krachen und hier schäumen mittlerweile nicht nur dei “Wutbürger”

  5. D-Mark 2.0 sagt:

    Was will Hollande als Sicherheit für EZB-Kredite stellen?

    Seine Millionen überflüssiger Staatsdiener???

  6. Silverager sagt:

    Klar! Immer raus mit der deutschen Kohle.
    Schließlich haben wir am meisten profitiert. Und darum haben wir’s dicke.
    Hauptsache, die alternativlose Friedenswährung Euro bleibt unserem sprechenden Hosenanzug und ihrem Finanzminister erhalten.

  7. Sozialdemokraten gegen den Fiskalpakt sagt:

    Hollandes Vorschlag wuerde das Ende der Steuergeld-Subventionierung des Finanzsektors bedeuten. Das sind allein in Deutschland 40 Milliarden EUR im Jahr, oder 12% bis 15% des Bundeshaushalts. Frau Merkel, Bruessel und die Finanzmaerkte werden das nie zulassen. Ein Ende der Schuldknechtschaft wird es nicht geben. Hollande hat mit diesem Vorschlag wohl sein eigenes Todesurteil gesprochen. Niemand legt sich mit der Finanzoligarchie an, ohne den Kampf zu verlieren.

    • papperlapap sagt:

      Es gibt Gegenbeweise: Jackson, Lincoln, u.a.

    • Wutbürger sagt:

      Hollandes Vorschlag würde die Büchse der Pandorra öffnen, denn dann fehlt zwischen der Notenpresse und dem gierigen Politiker die begrenzende Kontrollinstanz, die mit bankrott gehen würde. Man sieht es aktuell bei den spanischen Banken. Die haben es jetzt geschnallt, dass sie mit der politischen Kaste über den Jordan gehen falls sie munter weiter deren Anleichen kaufen, egal mit welchem Geld.

      • papperlapap sagt:

        “begrenzende Kontrollinstanz”

        Na. wo ist sie denn, die begrenzende Kontrollinstanz. EFSF, ESM und andere Unverschämtheiten sind wohl kontrollierte Größen?

        “die mit bankrott gehen würde”

        Absoluter Schwachsinn, als Kontrollinstanz private Banker zu installieren, deren Geschäftmodell darin besteht, Staaten um ihre Besitztümer zu erleichtern. Die daraus resultierende schwache Bonität als Fortschritt zu preisen ist völliger Unfug.

        Politiker müssen diszipliniert werden, damit sie für ihre Beliebtheit nicht zu viele Schulden machen, aber doch nicht durch Strauchdiebe.

        Vieleicht mal in Ruhe darüber nachdenken: http://www.youtube.com/watch?v=JXt1cayx0hs

        • Wutbürger sagt:

          Nein, diese von Politikern gesteuerten Fonds sind gerade keine kontrollierenden Instanzen, gerade deshalb werden sie ja erfunden, um solche bei Banken geltenden Fesseln wie Basel 2 zu umgehen.

  8. eli sagt:

    Dafür hätte es ja nicht gedacht sein sollen, dass die Banken indirekt mit dem EZB-Geld die Staaten stützen. Die hätten es der Wirtschaft geben sollen, Monsieur Hollande.

    Könnt Ihr außer betrügen auch noch was?

  9. Bley, Wulf E. sagt:

    Hollande hat völlig recht. Welchen vernünftigen Grund gibt es, den notleidenden Staaten durch die EZB nicht direkt das Geld zu geben, sondern Banken dazwischenzuschalten? Man weiß doch: Wer das Geld hat, hat die Macht!
    Die Staaten werden finanziell geschwächt, wenn sie sich das Geld auf dem Kapitalmarkt für mehr als 5% Zinsen leihen müssen (und sich dabei noch in die Hände der Ratingagenturen begeben), während die Banken es für weniger als 1% erhalten und dorthin lenken oder investieren, wo es ihnen am meisten Profit verspricht!
    Wieso lässt man so einen Unsinn zu?
    Dies bestätigt doch nur eines: Nicht die Politiker haben die Macht, sondern die Banken!

  10. Bley, Wulf E. sagt:

    Hier auch eine Antwort zu diesem Thema:

    Warum habe ich das Gedicht „WIR BANKER“ (zur Finanzkrise 2009/20010) geschrieben und erstmals veröffentlicht am 6.05.2010? (rote Schrift kennzeichnet neuen Beitrag)

    Von Wulf E. Bley

    Politik, Wirtschaft, Medien und zuletzt das Volk diskutieren derzeit vehement die weltweite Wirtschaftskrise, insbesondere aber auch darüber, wie sie, vor allem im nationalen Eigeninteresse, bewältigt werden kann. Am Beispiel Griechenland heißt die Lösung derzeit: Haushaltsdefizit verringern, öffentliche Ausgaben reduzieren, also sparen und höhere Steuern für die Bürger.
    Auch in Deutschland sind die möglichen Lösungsansätze nahezu gleichermaßen umstritten. Auch hier diskutiert man über Einsparungen auf der einen Seite aber auch Steuersenkungen auf der anderen Seite. Nahezu alle Vertreter der politischen Ressorts schwirren, besonders vor dem Hintergrund der bevorstehenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen, wie ein aufgewühlter Ameisenhaufen rat- und ziellos durcheinander und kündigen in wildem Aktionismus völlig an der eigentlichen Ursache vorbeigehende Lösungswege an.
    (Heute geht es der Regierungskoalition darum, vor der kommenden Bundestagswahl Griechenland und andere Krisenstaaten so reichlich (und zwar unbegrenzt) mit Milliardenkrediten vor einem Finanzkollaps zu schützen.)
    Sie bekämpfen aber nach wie vor nur die Symptome der Krise und nicht die eigentlichen Ursachen.
    Diese Ursachen sind die Banken und das mit ihnen fest verwurzelte gesamte Wirtschaftssystem. Was muss geschehen?

    1. Banken sollten auf ihre eigentlichen Kerngeschäfte beschränkt werden. Das wäre die Vergabe, oder besser noch die Verteilung von Krediten und die gesamte Verwaltung des nationalen und internationalen Zahlungsverkehrs, also reine Verwaltungs- und Verteilungsgesellschaften.
    2. Sämtliche Börsengeschäfte, also der Handel mit Aktien, Fonds, Anlagezertifikate, Anleihen, Hebelprodukten und Derivaten, Rohstoffen, Währungen, Rohstoffe, Kreditausfallversicherungen („Credit Default Swaps“), und sonstigen Finanzprodukten, müssten ihnen verboten werden. Banken dürften keine Spielkasinos sein!
    3. Derartige Geschäfte dürften nur noch von hierauf spezialisierten und staatlich autorisierten bzw. zertifizierten Handelsgesellschaften vorgenommen werden.
    (In dieser Hinsicht scheint heute eine gewisse Einsicht an Boden zu gewinnen. Doch wenn Peer Steinbrück aus wahltaktischen Gründen die Aufspaltung der Banken fordert, die dann allerdings, und dieser Nebensatz scheint im allgemeinen Meinungsgetümmel leicht unterzugehen, unter einer Holding zusammengefasst werden, haben wir ja doch in Wahrheit nichts verändert, sondern nur weiter verschleiert, wie die Bildung und Existenz von sogenannten „Schattenbanken“ beweisen.
    4. In diesem Handelsbereich sollten Sondersteuern auf Spekulationsgewinne erhoben werden, die dann den Staaten zugutekommen.
    5. Die Regierungen müssten weltweit den Handel mit derartigen Finanzprodukten überwachen. Verboten werden sollte jedoch der spekulative Börsenhandel mit Rohstoffen und Währungen, gleich welcher Art, weil sie die Mechanismen der freien Marktwirtschaft außer Kraft setzen und ganze Volkswirtschaften ruinieren können. Preisentwicklungen müssen wieder den Marktgesetzen von Angebot und Nachfrage unterliegen.
    (Man denke besonders an die Verbrennung von Nahrungsmitteln für die Biokraftstoffproduktion und deren Auswirkungen auf die Lebensmittel wie Mais, Soja, Weizen u.a. mit verheerenden Auswirkungen auf die hungernden Menschen der Länder der sogenannten „Dritten Welt“.
    6. Die Ansicht, Griechenland nicht durch neue Kredite zu unterstützen, oder die griechische Regierung zu überreden, aus dem Währungsverbund auszuscheiden, ist die einzige vernünftige Ansicht von namhaften Wissenschaftlern (wie Prof Sinn). Wenn eine Person hoch verschuldet ist, hilft ihr auch kein neuer Kredit, im Gegenteil, die Verschuldung steigt. Das Verhalten der EU-Staaten zur Rettung Griechenlands ist paradox. Aber man rettet ja auch nicht das betroffene Land, sondern ausschließlich die Profiteure der Devisen- und Staatsanleihenspekulationen, also wieder die Banken und Spekulanten.
    Die Finanzwelt gibt nach wie vor den Ton an und die Politiker (übrigens fast aller Europäischen Staaten sind lediglich Bauern und unbedeutende Schachfiguren im Spiel der Finanzelite (man denke an die Bedeutung der zwölf Herrschenden in der sogenannten „City of London“. Lesen Sie doch einmal den folgenden Beitrag zu diesem Thema:
    http://www.weltkrieg.cc/articles/read-alles-marionetten-der-city-of-london_171.html
    Dies sind nur einige der wichtigsten Maßnahmen und Anregungen die global und darüber hinaus auch noch schnellstens durch die Politiker gegen die Finanz- und Bankenwelt um- und durchgesetzt werden müssten.
    Das nächste Spekulationskarussell dreht sich ungebremst und immer schneller hinter den Kulissen der Öffentlichkeit.
    Die nächste Krise könnte schon sehr bald ausgelöst werden. Island oder Griechenland sind nur die ersten Opfer der Spekulationen. Spanien, Portugal, Italien, Frankreich, etc. könnten sehr schnell in ihren Sog geraten.
    Eine weltweite Kettenreaktion wäre die Folge. Die Spekulanten haben den Angriff auf den Euro bereits erfolgreich begonnen!
    Die Politik des Neoliberalismus oder des Ordoliberalismus, der nämlich eine marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung, einen Ordnungsrahmen für ökonomischen Wettbewerb und die Freiheit der Bürger auf dem Markt gewährleisten soll, ist in der derzeitigen Form gescheitert, weil die Politiker (weltweit) die Banken unkontrolliert gewähren lassen und ihre Hausaufgaben nicht machen.
    Statt zu regieren, beschränken sie sich auf bloße Absichtserklärungen, verteidigen und verwalten sie ihre Pfründe und schauen ohnmächtig dem werdenden Untergang ganzer Volkswirtschaften zu.
    Joseph Schumpeter (von 1925 bis 1932 Professor für „wirtschaftliche Staatswissenschaft“ der Universität in Bonn, von 1932 bis 1950 an der Harvard University) stellte schon vor mehr als einem halben Jahrhundert fest:
    „Die Marktwirtschaft – damals noch „Kapitalismus“ geheißen – habe die Tendenz, die sie „schützenden Schichten zu zerstören, ihre eigenen Verteidigungsanlagen niederzureißen und die Besatzungen ihrer Schutzwälle zu zerstreuen.“

    BANKEN UND FINANZKRISE

    (zur Finanzkrise 2009/2011)

    Von Wulf E. Bley

    1. Banker leben schön

    Wir Banker sind ganz aus dem Häuschen,
    und lachen uns ins Fäustchen,
    haben selten so gelacht:
    Über uns hat keiner Macht!

    Das Volk findet es zwar unverschämt,
    doch wir sagen unverbrämt,
    was man sich nicht einfach nimmt,
    ist sonst für andere bestimmt.

    Lass die andern zahlen ihre Soli,
    wir nehmen weiter reichlich Boni,
    auch wenn man uns diese nicht gönnt:
    Wir haben eben nicht gepennt!

    Warum auch sollten wir verzichten?
    Der Steuerzahler wird´ s schon richten.
    Auch wir müssen sehen, wo wir bleiben
    und wollen nicht an Geldnot leiden.

    Das Leben als Banker ist doch schön,
    wir können feiern und auch lachen,
    was interessiert uns anderer Gestöh´ n,
    wir lassen es so richtig krachen.

    In dieser gnadenlosen, harten Welt,
    zählt bekanntlich nur das Geld,
    und wer davon sich reichlich besorgt,
    hat irgendwann auch ausgesorgt.

    Wir Banker sind meistens Gewinner,
    so war es und so ist´ s noch immer.
    Nach der Krise ist der Völker Leid
    wieder einmal der Banker Freud´!

    Geld zu machen ist unser einziges Ziel,
    und das wird uns auch nie zu viel.
    Denn sind wir erst einmal Millionär,
    geben wir uns staatsgetreu und fair.

    Unser Geld verlagern wir in die Schweiz,
    das hat so seinen Kick und Reiz.
    Da bleibt es geheim und sicher gebunden,
    unser Vermögen wird dabei gesunden.

    Wir Banker greifen gern in die vollen Kassen,
    solange Regierungen uns machen lassen.
    denn auch Politiker und Führungsspitzen
    geben sich laufend finanzielle Spritzen.

    2. Macht

    Die Bürger der Staaten fordern mehr Kontrollen,
    die Politiker scheinen sie aber gar nicht zu wollen,
    sonst hätten sie längst dafür Gesetze gemacht.
    Nein, nein, wir haben immer noch die Macht.

    Derweil die Kurse der Staatsanleihen sinken,
    werden wir auf freie Marktwirtschaften trinken.
    Wir haben schon immer als Letzter gelacht,
    denn Politik wird in Wahrheit von uns gemacht.

    Manche Medien halten dabei ihren Mund,
    und das hat auch einen guten Grund:
    Sie wollen nämlich kein Geld verlieren,
    darum werden wir sie weiter schmieren.

    Denn wenn wir keine Werbung machen,
    haben die Medien nichts mehr zu lachen.
    Sie schaufeln mit Politikern gemeinsam das Grab,
    denn sie lenken von den wirklichen Ursachen ab.

    Anstatt nämlich die Länder zu regieren,
    schauen sie ohnmächtig zu und diskutieren.
    Uns Banker kommen die Sozial- und Moraldebatten
    dabei schon lange nur allzu sehr zustatten.

    Es gibt Leute, die nennen uns „Bankster“,
    das klingt fast so, als wären wir Gangster.
    Nur weil die Finanzwelt gerät ins Wanken,
    verwünscht man uns und alle Banken.

    3. Ende des Euro

    Der Euro ist wahrscheinlich bald am Ende,
    es folgt dann vermutlich die Währungswende.
    Und wenn es in Europa mal so richtig kracht,
    haben wir ein Meisterwerk vollbracht.

    Man kann das Volksvermögen drauf verwetten,
    dass die EU die Griechen und Iren nur ungern retten.
    Dann wird Portugal und Italien kalt erwischt,
    was nur eine Frage der nächsten Monate ist.

    Regierungen und Bundesbanken wissen Bescheid,
    sie sitzen schon längst in den Startlöchern bereit.
    Eine neue Währung muss her, so wird gedacht,
    die wird aber nur für ein paar Jahre gemacht.

    In Frankreich wird der „Gold-Franc“ vorbereitet,
    ein Schelm und Narr, wer das ernsthaft bestreitet.
    Hat unser Nachbar doch tonnenweise Gold
    in den letzten Jahren aus den USA geholt.

    Ist der Euro dann endlich von uns gewichen,
    wird das Volksvermögen einfach gestrichen.
    Damit tilgt auch Deutschland seine Schulden,
    wir müssen uns nur noch ein wenig gedulden.

    Wir Banker sind darauf bestens vorbereitet,
    dumm ist, wer das nicht sieht oder gar bestreitet.
    Wir sammeln Gold für uns und die Kunden ein,
    denn Papiergeld wir bald wertlos sein.

    Wir nehmen gerne Abschied vom Euro,
    er war bisher ohnehin nichts als ein Teuro.
    Am liebsten lassen wir uns unseren Sold
    bezahlen in Münzen aus Silber und Gold.

    Gold und Silber und auch der Schweizer Franken
    geraten dabei nicht so schnell ins Schwanken.
    Beide werden wir optimal stützen,
    denn sie werden unser Vermögen schützen.

    Man wird zwar den Euro zu retten versuchen,
    und das Volk die Regierungen verfluchen,
    doch jeder Versuch ist ohne Vernunft,
    denn wer pleite ist, hat fast keine Zukunft.

    Dabei rettet man aber nicht das marode Land,
    sondern fährt es erst richtig gegen die Wand.
    Vielmehr rettet man das Vermögen der Spekulanten,
    und das sind wir, die Zocker, Kunden und Banken.

    4. Wir zocken

    Wenn die Wirtschaft gerät aus den Fugen,
    sind wir aber nicht alleine die bösen Buben.
    Schuld ist vor allem die „Spekulantenbrut“,
    die in der Gier verzocken ihr Hab und Gut.

    Das reine Bankgeschäft ist uns nicht heilig,
    nur Geld zu verleihen, das ist langeweilig.
    Wir zocken wie im Casino, Stund` um Stund`,
    dabei stoßen wir uns erst richtig gesund.

    Ob Fleisch, edle Metalle, Getreide, Öl oder Gas,
    mit allem zu handeln, das macht uns Spaß.
    Dabei setzen wir Marktgesetze außer Kraft,
    und so schmort die Wirtschaft im neoliberalen Saft.

    Daneben verkaufen wir kräftig auch Aktien leer,
    das verstärkt den Kick noch wesentlich mehr.
    Hinsichtlich der Staaten wetten wir auf ihre Pleiten,
    niemand wird das wohl ernsthaft bestreiten.

    Und haben die Kunden einmal angebissen,
    haben wir Banker kein Gewissen.
    Allein der Profit ist für uns wichtig,
    nur wenn der stimmt, war alles richtig!

    Bleiben Kunden dabei auch auf der Strecke,
    machen wir sie am Ende ganz zur Schnecke,
    denn der Staat gibt ihnen nur wenig Rechte:
    Wir sind die Herren, sie bleiben die Knechte!

    Das Volk begreift recht schnell und immer wieder,
    dass die BaFin ist nichts als ein zahnloser Tiger.
    Doch wir Banker beraten die Kunden stets korrekt
    Gibt es mal Fehler, so werden sie gut versteckt.

    Was eine Prüfung ergibt, ist ohnehin geheim.
    Im Grunde ist das zwar ziemlich gemein,
    doch wir haben die Gesetze nicht gemacht,
    aber über die Macher herzlich gelacht!

    Da kann sich die Opposition ruhig beschweren,
    wir wussten uns schon immer gut zu wehren.
    Wir werden Regierungen auch weiterhin schmieren,
    unsere Lobby kann somit auch nicht verlieren!

    Karl Marx sagte vor langer Zeit einmal:
    „Grenzen kennt kein Kapital“.
    Globalisierung nennt man heute das,
    da macht das Zocken erst richtig Spaß.

    Und ist euch noch so sehr zum Kotzen,
    wir kleckern nicht, sondern klotzen.
    Und so spekulieren wir immer weiter,
    das globale Zocken stimmt uns heiter.

    Sollte die Wirtschaft irgendwann kollabieren,
    werden die Menschen schnell kapitulieren.
    Wenn der Zahlungsverkehr zusammenbricht,
    ist das für viele so eine Art „Jüngstes Gericht“.

    Verstaatlichung der Banken, fordert eine Partei.
    Durchs ganze Land geht laut ein Geschrei.
    Dabei haben wir Banker den Staat in der Hand,
    denn Bankenpleiten schädigen das ganze Land.

    Solange Regierungen uns gewähren lassen,
    werden wir weiter zocken und sie erpressen.
    Und sollte man uns eines Tages auch dafür hassen,
    so wird man uns wenigstens nicht vergessen.

    5. Pleiten

    Doch die Länder, die dabei untergehen,
    werden mit neuen Krediten wieder auferstehen.
    Sie werden damit eine Weile weiterleben,
    zumindest solange, wie wir Kredite vergeben.

    Doch ihr Untergang ist nicht aufgehoben,
    er ist nur ein wenig aufgeschoben.
    Denn das weiß man, so auch wir Banker,
    mehr teure Kredite machen nur kränker.

    Das Beste an unseren einträglichen Taten
    ist vor allem der Handel mit Derivaten.
    Puts oder Calls verlangt man im jedem Land
    und reißt sie uns gierig aus der Hand.

    Doch statt uns das Handeln damit zu verbieten,
    drucken die Notenbanken neue Blüten.
    Die Gewinne bleiben uns dabei ganz privat,
    Verluste kauft dann irgendwann der Staat.

    Geld war schon immer ein munterer Wanderer,
    es ist ja nicht weg, es hat nur ein anderer.
    Wir sehen es freudig und sagen ungeniert,
    die Hauptsache ist, dass es oft und viel zirkuliert.

    Und während wir weiter gegen den Euro wetten,
    versuchen die Europäer ihre Währung zu retten.
    Doch hat das noch niemandem etwas gebracht,
    denn wir haben und behalten weiter die Macht.

    Europas Länder haben eine Verschuldungskrise,
    wir machen daraus gern eine Währungskrise.
    Der Eurorettungsschirm soll zwar den Euro stützen,
    er wird aber vor allem uns und die Banken schützen!

    Wir Banker wissen es ja lange schon,
    Europa ist notwendig und bleibt Transferunion.
    Und diese Sicherheit beruhigt uns sehr,
    denn eine Bankenpleite will niemand mehr.

    Der Rettungsschirm ist weit und permanent gespannt,
    drum leben wir Banker auch ganz entspannt.
    Auch wenn die Schulden wachsen immer weiter
    Uns Banker trifft es nicht, uns stimmt es eher heiter!

    Auch eine Bankenabgabe kann uns nicht erschrecken
    Mag sie heißen: Transaktions- oder Börsenumsatzsteuer,
    nicht wir, sondern die Regierungen sind die Ungeheuer,
    denn wir werden alle Kosten weitergeben und verstecken.

    Mögen auch einzelne Länder zusammenkrachen,
    wenn wir Banker nur zusammen lachen,
    handeln, kämpfen und fest zusammenstehen,
    werden wir reicher und können nicht untergehen.

    Ende