Kommunalwahl Italien: Stand-Up-Comedian sorgt als EU-Gegner für Furore

Ein TV-Komiker könnte bei den Kommunalwahlen in Italien der große Sieger am Wochenende werden: Beppe Grilla lehnt die EU ab und bekommt bei den Umfragen auf Anhieb 7 Prozent der Stimmen. Nicht einmal mehr die Hälfte der Italiener will dagegen etwas mit jenen Parteien zu tun haben, die Mario Monti unterstützen.

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Cercasi Gesù: Beppe Grillo, hier als Jesus, will Italien von der EU befreien. (Foto: wikipedia)

Cercasi Gesù: Beppe Grillo, hier als Jesus, will Italien von der EU befreien. (Foto: wikipedia)

Die Italiener wollen am Wochenende der Technokraten-Regierung um Mario Monti einen Denkzettel verpassen. Am Sonntag und Montag sind in rund 1.000 italienischen Gemeinden Kommunalwahlen. Neuesten Umfragen zufolge genießt Montis Regierung nicht einmal mehr die Unterstützung von der Hälfte der Nation. Angesichts der Rezession, der Sparmaßnahmen und der Arbeitsmarktreform fürchten die Abgeordneten der zwei größten italienischen Parteien, dass die Wähler sich bei den Kommunalwahlen gegen ihre Partei entscheiden werden.

Die größte Überraschung im Wahlkampf ist ein neuer Euroskeptiker: Der Stand-Up-Comedian Beppe Grillo tritt als Gegner der EU an. Er plädiert für einen Austritt Italiens aus der Eurozone und käme bis jetzt in den Gemeinden, in denen er antritt auf sieben Prozent. 15 Prozent der italienischen Wählerschaft sind am Wochenende berechtigt, in rund 1.000 Gemeinden ihre Stimme abzugeben. Rechnet man also die möglichen sieben Prozent von Beppe Grilla auf die nationale Ebene hoch, würde seine Protestbewegung „Movimento 5 stelle“ (Fünf-Sterne-Bewegung) die drittstärkste politische Kraft im Lande werden.

Die Demokratische Partei (PD) unter Pier Luigi Bersani Führung und Silvios Berlusconis PDL (Volk der Freiheit) haben neben der Unterstützung Mario Montis auch Schwierigkeiten, viele

Stimmen bei den Kommunalwahlen zu erhalten, weil sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene in der vergangenen Zeit etliche Korruptionsfälle zum Vorschein kamen. Doch auch die Lega Nord, der ehemalige Verbündete von Silvio Berlusconis Partei, die sich gegen Mario Montis Politik aussprach, wird nicht wie Marine Le Pens Front National in Frankreich von der Anti-EU-Politik profitieren können. Denn ausgerechnet die Partei, die sich immer als Kreuzfahrer gegen ein „diebisches“ Rom bezeichnete, wurde unter Umberto Bossi selbst in einen Korruptionsskandal verwickelt worden.

Zeigt sich am Wochenende tatsächlich, dass die Wahlberechtigten zu Protestwahlen greifen und die großen italienischen Parteien abstrafen, hat dies auch Folgen für die nationalen Wahlen im nächsten Jahr. Einerseits müssten die PD und die PDL versuchen, sich möglichst schnell von Mario Montis Sparpolitik zu distanzieren, um überhaupt eine Chance zu haben. Dass diese Strategie aufgeht, ist allerdings sehr fragwürdig: Zu viel Vertrauen auch hinsichtlich der Korruption haben die Parteien verspielt. Andererseits könnte dies die Sorge der Investoren antreiben, welche Regierung überhaupt im nächsten Jahr auf die Technokraten folgen könnte, und wie instabil diese sein würde. Und so könnte ausgerechnet der Unmut der Bevölkerung grotesterweise dazu führen, dass Mario Monti noch eine weitere Amtszeit im Amt bleibt, weil ansonsten keine regierungsfähige Koalition zustande kommt.

Kommentare

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  1. Dagmar sagt:

    “Und so könnte ausgerechnet der Unmut der Bevölkerung grotesterweise dazu führen, dass Mario Monti noch eine weitere Amtszeit im Amt bleibt, weil ansonsten keine regierungsfähige Koalition zustande kommt”

    Das glaube ich nicht. Der Unmut der Bevölkerung wird sich verstärken und die Bevölkerung lässt sich nicht noch eine Wahlperiode einen Technokraten vor die Nase setzen. Ein Italiener ist eben kein Deutscher, der sich ewig verarschen lässt.

  2. Fortuna sagt:

    Cooler Typ, dieser Beppe Grillo.
    Jesus würde sowieso alle Politiker aus dem EU-Tempel vertreiben …
    wir sollten es ihm nach tun!

  3. donnerbalken sagt:

    Italien gräbt schon mal das Loch für den € in welches dieser von F + D versenkt werden wird. TINA wird die Grabrede halten und Alles wieder mal für alternativlos erklären, weil mehr kann sie ja auch nicht, weil mehr kappiert sie ja auch nicht und über allem weht der Wind der Dekadenz.

  4. l'ex compositore sagt:

    Hab Ihr niemanden, der mal Korrektur lesen kann?

    3 mal heißt der gute Mann im Text FALSCH Beppe Grilla, in der Bildunterschrift dann jedoch einmal richtig Beppe Grillo.

    http://www.beppegrillo.it/

    Das gezeigte Bild stammt aus dem Jahr 1982, ist also erst 30 Jahre alt und somit topaktuell.

    Was ist dem Einleitungstext zugestoßen?
    “Nicht einmal mehr die Italiener will dagegen etwas mit jenen Parteien zu tun haben, die Mario Monti unterstützen.”

  5. l'ex compositore sagt:

    Hallo,

    ihr habt den falschen Namen zwar einmal im Text korrigiert, ihn in der Einleitung und im Text aber je einmal falsch drin gelassen…

    ;-)

    • Fortuna sagt:

      Darüber können wir ja großzügig hinwegsehen, denn die DWN leistet eine großartige Arbeit, die gar nicht hoch genug geschätzt werden kann.

      Bravo und danke, ein Lichtblick im düsteren Mainstreamwald!