Griechenland-Regierung: Nach Scheitern der Linken will nun Venizelos ran

Der Chef der linksextremen Syriza-Partei gestand am Mittwoch sein Scheitern bei der Bildung einer Koalition ein. Nun meldete sich Evangelos Venizelos beim Staatspräsidenten und bat ihn, ihn mit der Bildung einer EU-freundlichen Koalition zu beauftragen.

Ihren XING-Kontakten zeigen
Evangelos Venizelos: Er hat die besten Nerven von allen beim Machtpoker in Griechenland. (Foto: Albanews)

Evangelos Venizelos: Er hat die besten Nerven von allen beim Machtpoker in Griechenland. (Foto: Albanews)

Der ehemalige griechische Finanzminister Evangelos Venizelos ist ein alter Fuchs: Obwohl er mit der sozialistischen PASOK als Dritter bei den Wahlen schwer für die Troika-Sparprogramme abgestraft worden war, könnte er nun doch der nächste griechische Ministerpräsident werden. Denn nach dem Konservativen Samaras gab am Mittwoch auch der Linke Alexis Tsipras zu, dass er keine Koalition zustande bringen werde. Tsipras verwendete die kurze Zeit, da er das Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit genießen durfte, für markige Sprüche gegen die korrupten griechischen Politiker und die unakzeptablen Sparvorschriften der Troika (hier).

Venizelos hatte Tsipras bei den Sondierungsgesprächen gekonnt auflaufen lassen – und wird nun vermutlich selbst mit der Regierungsbildung beauftragt. Er bot Staatspräsident Papoulias an, eine EU-freundliche Koalition schmieden zu wollen.

Die Chancen, das ihm das gelingt, stehen überraschenderweise gar nicht so schlecht. Denn Samaras und die gemäßigten, EU-freundlichen Parteien, haben bei der Wahl erlebt, dass es Erfolge nur für Linksextreme und Neonazis gibt. Daher könnte der ohnehin eher schwache Samaras nicht abgeneigt sein, seine Eitelkeit hintanzustellen und mit dem Posten eines Vizepremiers vorlieb nehmen. Natürlich hätte er der konservativen Familie gerne die Trophäe mit der Nummer 1 präsentiert. Aber vor die Wahl gestellt, bei einer neuerlichen Neuwahl noch weiter von den Radikalen verdrängt zu werden und am Ende gar wirklich von der Macht ferngehalten zu werden – die Entscheidung für ein angenehmes Leben als zweiter Mann mit sicheren Bezügen aus Brüssel dürfte ihm nicht allzu schwer fallen.

Der spektakuläre Auftritt von Tsipras (hier) dürfte im Grunde das Gegenteil von dem bewirkt haben, was er bezweckte: Seine Attacke gegen PASOK und Nea Demokratia könnte die traditionellen Platzhirschen enger zusammenschweißen. Auch die europafreundlichen Kleinparteien könnten angesichts der drastischen Worte von Tsipras zum Einlenken bereit sein. Ihnen allen ist ein von der EU alimentiertes Griechenland lieber als die Ungewißheit außerhalb der Eurozone.

Dass diese Haltung vermutlich nicht den Willen der Mehrheit der Griechen widerspiegelt, ist angesichts der Vetternwirtschaft, Korruption und Selbstaufgabe gegenüber der EU ohnehin schon seit langem nicht mehr ausschlaggebend für die politischen Prozesse in Griechenland.

Kommentare

Dieser Artikel hat 10 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. export sagt:

    Also wenn diese Subjekte das hinbekommen – tja dann weiß ich auch nicht mehr.Keiner kann eine Regierung stellen außer dieses korrupte , verkommene Subjekt.Wenn das nicht zum Himmel stinkt – WAS DANN????

  2. anne sagt:

    da hamerse wieder , Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.!
    das wollten die Griechen bestimmt nicht. Das wird dann wohl auf einen Bürgerkrieg hinaus laufen. Erst geschunden, beraubt und erpresst und nun das gleiche Spiel wie vor der Wahl ! Da muss der Brüssler Trog fur Pasok aber ziemlich groß sein ?

    liebe Redakteure von DMN , könntet Ihr bitte mal erklären, warum Belgien aus den Schlagzeilen rausgehalten wird ? Die kann man doch mit GR auf eine Stufe stellen, was Schulden angeht, Defizit, aber hören tut man da nichts. !
    Danke !

  3. Enno sagt:

    Es ist doch vollkommen egal welcher Politkomiker in G als Regierungschef bezeichnet wird. Politiker hierzulande drohen mit dem Zahlungsstop u. der ESF überweist derweil die nächsten Milliarden.Das ist doch nur noch Volksverarschung!

  4. Kommentator sagt:

    Es gibt weder bei uns, noch in anderen EU Ländern und schon gar nicht in Griechenland mehr eine Demokratie, ein Recht und Freiheit. Das sollte doch langsam selbst jedem hinrnverbrannten Fernsehgucker auffallen. Aber die ganze Medien-Gehrinwäsche ist so ausgeklügelt, dass sogar die vermeintlich gebildeteren Menschen es nicht mehr begreifen. Ich habe einen Kollegen (Akademiker), der doch allen Ernstes behauptet, dass wir von der Umwelt bestimmt werden, mit dem Strom mitschwimmen und schauen müssten an der “Wasseroberfläche” zu bleiben. Bei ihm hat die mediale Berieselung volle Arbeit geleistet.

    NEIN, WIR ALLE KÖNNEN BESTIMMEN WIE UNSERE WELT AUSSIEHT, WENN WIR ES WOLLEN.

    Der Bund der Steuerzahler Bayern hat in seiner Analyse des Änderungsantrages der Regierungsfraktionen zum ESMFinG ein schönes Zitat des Historikers Carl J. Burckhardt gebracht, das mir und ich denke bestimmt auch vielen anderen Kommentatoren hier bei den DMN oder DWN aus der Seele spricht:

    “Es gehört zum Schwierigsten, was einem denkenden Menschen auferlegt werden kann, wissend unter Unwissenden den Ablauf eines historischen Prozesses miterleben zu müssen, dessen unausweichlichen Ausgang er längst mit Deutlichkeit kennt. Die Zeit des Irrtums der anderen, der falschen Hoffnungen, der blind begangenen Fehler wird dann sehr lang.”

  5. Wutbürger sagt:

    Ist doch klar, alle da unten wollen an die Fleischtöpfe und die Milliarden anderer Laute Geld durch ihre Pfoten laufen lassen.

  6. iuh sagt:

    der kriegt das auch nicht hin und bei der nächsten wahl ist er ganz und gar zerlegt.

  7. phantom sagt:

    Venizelos wird das hinbekommen. Er wird wieder das Blaue vom Himmel versprechen. Das hat bisher immer funktioniert. Neue Milliarden werden fließen. GR wird in der Euro- Zone bleiben, bis der Laden auseinanderfliegt.

  8. Xyza sagt:

    Bleibt vernünftig Ihr Griechen, Ihr habt keine andere Wahl, als das “Joch” auf Euch zu nehmen.
    Nachdem Sie Grieche(in) sind, würde ich Ihnen gerne eine Geschichte erzählen, die ich im Umfeld der Königshochzeit 1964 erlebt habe. Das aber müßte wahrheitsgemäß sein, sonst wäre sie nicht verständlich und dann wird sie gelöscht.
    Schimpft nicht so viel auf die Deutschen, Ihr seid für die gleiche “Niete” auserwählt.