Schuldenkrise: Spanische Telefónica muss deutsche Tochter O2 abstoßen

Um die eigenen milliardenschweren Schulden zu bedienen, muss die spanische Telefónica ihre deutsche Tochter mit der Mobilfunkmarke O2 loswerden. Dazu wird auch ein Börsengang in Erwägung gezogen. Beobachter halten dies angesichts des Marktumfeldes für illusorisch.

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Die Schulden des Telefónica Konzerns sind immens. Bis 2015 muss der Konzern jährlich zwischen sieben und acht Milliarden Euro refinanzieren. Der heimische Markt des spanischen Unternehmens hat stark nachgegeben. Hier halbierte sich der Gewinn im ersten Quartal – nur mehr ein Überschuss von 748 Millionen Euro wurde erreicht. Aus diesem Grund muss die spanische Telefónica nun ausländische Assets abstossen. Das Unternehmen hat bekanntgegeben, sich von seinen Beteiligungen in Lateinamerika und Deutschland trennen zu wollen. Als Optionen werden Verkäufe oder auch die Möglichkeit Börsennotierung des Lateinamerika-Geschäfts und von Telefónica Deutschland mit seiner Mobilfunkmarke O2 genannt.

Die Vorbereitungen haben bereits begonnen, wie das spanische Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Acht bis zehn Milliarden Euro sei die deutsche Tochter Wert, schätzt der Analyst Carlos Winzer von der Ratingagentur Moody’s. Falls Telefonica einen Teil des Deutschland-Geschäfts an die Börse bringt, „können sie einen Mehrheitsanteil behalten und gleichzeitig viel Geld erlösen, um die Verschuldung zu verringern“, so Carlos Winzer. Das Unternehmen selbst wollte bis jetzt jedoch nichts über die Größenordnung und den Zeitplan des Börsengangs sagen. In jedem Falle, so Telefónica, trage dies zur Senkung der Verschuldung im Jahr 2012 bei.

Beobachter halten die Idee des Börsengangs für eine Flucht nach vorne: Im gegenwärtigen Marktumfeld erscheint ein Listing sehr unwahrscheinlich. Gerade Telefónica Deutschland hat es mit einem hart umkämpften, äußert preissensiblen Markt zu tun. Die Wachstumsphantasie ist hier sehr überschaubar. Außerdem hat sich Telefónica in Deutschland noch nie mit Ruhm bekleckert: Vielen ist noch das Scheitern der Marke Quam in Erinnerung, mit der Telefónica um die Jahrtausendwende den deutschen Markt aufrollen wollte.  Daher gilt ein Verkauf als wahrscheinlicher, unter Umständen an Finanzinvestoren, für die O2 wegen des positiven Cashflows von Interesse sein könnte.

Telefónica Deutschland belegt mit O2 bei den Handy-Netzbetreibern in Deutschland Rang vier hinter E-Plus, der Deutschen Telekom und Vodafone. 18,6 Millionen Mobilfunkkunden hat das Unternehmen. Mit der Mobilfunkmarke O2 konnte Telefónica im ersten Quartal 2012 in Deutschland den operativen Gewinn um 13 Prozent auf 295 Millionen Euro steigern. Darüber hinaus bietet die deutsche Telefónica auch Telefon- und Internetanschlüsse an.

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