Credit Suisse: Zerfall der Eurozone kostet Banken 370 Milliarden Euro

Ein Auseinanderbrechen der Währungsunion hätte für den europäischen Bankensektor dramatische Folgen, warnt Credit Suisse in einer Analyse. Schon der Austritt eines oder mehrerer Länder könnte verheerende Folgen haben.

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Seit mehreren Wochen versuchen sowohl Regierungen als auch Banken, der IWF und Think Tanks die Folgen für einen Austritt Griechenlands aus der gemeinsamen Währung zu evaluieren. Credit Suisse hat nun in einer Analyse die Auswirkungen auf den europäischen Bankensektor für drei mögliche Szenarien betrachtet: den Austritt Griechenlands, den Austritt mehrerer Peripherieländer unter Weiterführung der Währung und das Auseinanderbrechen der gesamten Währungsunion. „wir glauben, dass ein griechischer Austritt machbar wäre“, heißt es in der Analyse, „aber bei einem Austritt mehrerer Peripherieländer würden einige große, börsennotierte Banken der Eurozone auf der Strecke bleiben.“

Käme es zu einem Auseinanderbrechen der Währungsunion infolge des Austritts mehrerer Länder der Peripherie könnten bis zu 58 Prozent des Wertes der europäischen Banken verloren gehen, so die Analyse. Nur wenige große Banken würden erhalten bleiben und der Bankensektor würde vor Verlusten in Höhe von 370 Milliarden Euro stehen. Bliebe die Währungsunion dennoch intakt, könnten rund 1,3 Billionen Euro das Eurosystem verlassen, da die Banken sich zunächst nur auf ihren heimischen Markt beschränken würden, so die Credit Suisse. Das entspräche 10 Prozent des Kredits im Finanzsystem.

Sollte lediglich Griechenland die Eurozone verlassen, kämen auf die europäischen Banken Verluste in Höhe von 5 Prozent des Börsenwerts der Banken der Eurozone zu. Besonders stark wären in diesem Fall die französischen und die Investmentbanken betroffen. Crédit Agricole würde am meisten unter einem Austritt Griechenlands leiden, so die Credit Suisse in ihrer Analyse.

In dem Fall, dass alle drei Szenarien auf einmal geschehen, würde der europäische Bankensektor eine schnelle, erste Kapitalspritze von bis zu 470 Milliarden Euro benötigen. Nichtsdestotrotz unterstreicht die Credit Suisse in ihrer Analyse, dass sie weder von einem Zusammenbrechen der Währungsunion noch von einem Austritt Griechenlands ausgehe. Jedoch sei es wahrscheinlich, dass die Banken ihre grenzüberschreitenden Geschäfte weiter drastisch reduzieren werden. Was wiederum zu noch weniger Krediten an die Privatwirtschaft führen würde.

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