Schwellenländer verlieren Status als sichere Häfen

Weil die Währungen der Schwellenländer immer weniger wert sind, verlieren Investoren das Interesse an den einst so lukrativen Märkten. Die Staatsverschuldung und ungedeckte Kredite werden zunehmend zum Problem in den BRIC-Staaten.

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Investoren schränken ihr Engagement in Schwellenländer stark ein, weil die Währungen der BRIC-Staaten massiv an Wert verlieren. Die Geldentwertung in Brasilien, Russland und Indien war zuletzt vor 13 Jahren so stark wie aktuell: „Man hat keine Ahnung, wo das enden wird. Die Unsicherheit und die Volatilität ist die größte Sorge“, sagte ein Investor dem Nachrichtendienst Bloomberg.

Real, Rubel und Rupie werteten zuletzt sogar stärker ab als die meisten Währungen von Entwicklungsländern. Der chinesische Yen ist mit der stärksten Geldentwertung seit 1994 ebenfalls von dieser Entwicklung betroffen. Aufgrund des Wertverlusts rechnen internationale Unternehmen, die in diesen Märkten vertreten sind, mit erheblichen Gewinneinbußen.

Beobachter gehen davon aus, dass die Währungen von Brasilien, Russland und Indien bis zum Jahresende mindesten um weitere 15 Prozent an Wert verlieren werden. Am stärksten davon betroffen ist der brasilianische Real, der alleine im ersten Quartal um 12 Prozent entwertet wurde. Beim Rubel waren es 11,5 und der Rupie 10 Prozent. Der Kurs des Yen, der selbst die Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 gut überstanden hatte, sinkt seit März ebenfalls.

Für die BRIC-Staaten haben die schwachen Währungen zwar den Vorteil, dass ihre Exporte stark steigen werden. Doch entwickelten Volkswirtschaften wie etwa den USA schadet die Entwicklung, weil die Schwellenländern damit einen Vorteil beim Export in Entwicklungsländer haben.

Großkonzerne wie Coca Cola hielten bisher Geldbeträge in Schwellenländern, um von den höheren Zinsen zu profitieren. Nun verlieren diese Anlagen an Wert, die Zinsen werden gesenkt.

Nicht nur die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff sieht sich mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen konfrontiert: Die Schwellenländer stehen vor erheblichen Herausforderungen. (Foto: Renato Araújo/ABr)

Nicht nur die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff sieht sich mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen konfrontiert: Die Schwellenländer stehen vor erheblichen Herausforderungen. (Foto: Renato Araújo/ABr)

In Brasilien fallen inzwischen immer mehr Kredite aus: Im April stieg die Quote der ungedeckten Privatkredite auf 7,6 Prozent: „Was wir erleben werden, ist im Grunde ein ausgewachsenes Kreditproblem“, sagt der Fondsmanger Amit Rajpal. Er rechnet damit, dass die Kreditausfälle in Brasilien ähnlich heftig sein werden wie die Kreditblase in den USA vor fünf Jahren.

Unternehmen aus den BRIC-Staaten, die Forderungen im Ausland zu erfüllen haben, leiden ebenfalls unter den schwachen Währungen. Der Export wird zwar billiger, gleichzeitig sinkt aber der Ertrag: Die Preise für den Ölexport waren in Russland zuletzt so niedrig wie seit 18 Monaten nicht mehr.

Indien könnte schon bald das erste Schwellenland sein, dessen Kreditwürdigkeit aufgrund der Währungsprobleme herabgestuft wird. Seine Staatsverschuldung erreicht inzwischen 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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