Wegen Bailout: Spanische Banken stoßen Unternehmens-Beteiligungen ab

Spanische Banken, die Hilfsgelder von der EU bekommen sollen, müssen ihre Beteiligungen an Unternehmen verkaufen. Durch den erzwungenen Verkauf drohen die Assets zu Schleuderpreisen vergeben zu werden. Unternehmen erwarten Wertverlust und ungeliebte Investoren.

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Das 100-Milliarden-Bailout für die spanischen Banken wird die Unternehmenslandschaft Spaniens stark durcheinander wirbeln. Banken, die tatsächlich die Finanzhilfe in Anspruch nehmen, unterstehen besonderen EU-Regeln für staatliche Hilfen, die beinhalten, dass die Finanzinstitute auch Unternehmensanteile verkaufen müssen. Die spanischen Banken sind eng mit den nationalen Unternehmen verknüpft, viele Banken besitzen große Mengen an Unternehmensanteilen, etliche Bankmitarbeiter sitzen in den Vorstandsgremien der Unternehmen und bestimmen die Politik dieser mit.

Die UBS schätzt, dass Beteiligungen an spanischen Unternehmen in Höhe von 22 Milliarden Euro durch das Bailout zum Verkauf stehen könnten, wovon das meiste sich bei den Sparkassen befindet. Das entspricht 9 Prozent der Kapitalisierung des spanischen Bluechip-Index, in dem die großen nationalen, hochbewerteten Unternehmen aufgeführt sind. Die Verschlechterung der Schuldenkrise lässt bereits die Preise für die Unternehmens-Beteiligungen sinken und wird wahrscheinlich zu einem immensen Verkauf von großen Beteiligungen starker und wichtiger spanischer Unternehmen führen.

„Sie werden verkaufen müssen“, sagt Flemming Barton von CM Capital Markets, sie können nicht darauf warten, bis sie die Anteile zu besseren Preisen loswerden, das ist „Wunschdenken“. Bankia beispielsweise, die im vergangenen Monat um 19 Milliarden Euro gefragt hat, wird zuerst seine Verbindungen in die spanischen Unternehmen aufgeben müssen. Die Bank hält unter anderem einen Anteil von 20 Prozent am Technologieunternehmen Indra, 12 Prozent der Internationale Airlinse, rund 5,3 Prozent am Energie-Unternehmen Iberdola und weitere Beteiligungen im Tourismus und Beauty-Sektor. „Bankia wird nahezu alle seine Beteiligungen verkaufen müssen. Und das wird den Druck auf andere Sparkassen erhöhen – auch auf das Industrie-Imperium La Caixa“, berichtet eine ungenannte Bankenquelle der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Prüfung der Gesundheit der spanischen Banken von den zwei unabhängigen Beratungsfirmen hat, so Reuters, jedoch versäumt, diese potenziellen Verluste, die durch den Verkauf der Unternehmens-Beteiligungen zu billigen Preisen entstehen, mit in die Beurteilung einzubeziehen. Dies könnte zu einem weiteren Finanzierungsbedarf bei den Banken führen. Zwar benötigen Santander, BBVA und La Caixa bisher keine staatlichen Hilfen, aber Analysten gehen davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch diese Banken Unternehmens-Beteiligungen veräußern. Einerseits müssen auch sie Wege finden, die Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen und andererseits müssen sie dann damit rechnen, dass die Preise, die sie für die Anteile erhalten, aufgrund der vielen Verkäufe dieser Beteiligungen deutlich geringer sein werden, als das, was sie dafür einst gezahlt haben.

Entsprechend warten bereits etliche Fonds auf die kommende Marktbereinigung – in der Hoffnung, dass sich hier letztlich mit dem Verkauf von Vermögenswerten zu Spottpreisen eine Goldgrube auf tun werde. Führungskräfte in spanischen Unternehmen, an denen Bankia beteiligt ist, unternehmen bereits Schritte, Käufer zu finden bzw. Aktien selbst zurückzukaufen, damit diese nicht in unerwünschte Hände geraten. Selbst die spanische Regierung ist nervös und unternahm im Juni Schritte, um strategische Unternehmen wie Repsol vor ungeliebten Übernahmen zu schützen, indem sie vorschlug, eine Beschränkung der Stimmrechte wieder einzuführen.

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