Analysten: Merkel ist die eigentliche Siegerin des EU-Gipfels

Nachdem sich die ersten Rauchschwaden der italienischen Sieges-Feuerwerke verzogen haben, kehrt Ernüchterung ein: Die meisten Analysten halten wenig bis gar nichts von den EU-Gipfelergebnissen.

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Die meisten Finanzanalysten sehen – überraschenderweise – Angela Merkel als Siegerin des EU-Gipfels. Sie sind der Meinung, dass die „Zugeständnisse“ Merkels (hier dazu mehr) einen politische Finte sind. Das Wall Street Journal analysiert: „Deutschland grinst vermutlich immer noch“. Der Grund für diese Einschätzung: Nach Ansicht des WSJ hat der Gipfel überhaupt nichts gebracht. Angela Merkel habe ein Zugeständnis gemacht, das ihr überhaupt nicht wehtut: Die EU-Kommission wurde beauftragt, bis zum Jahresende eine gemeinsame europäische Bankenregulierung zu entwerfen. Bis es die einmal gibt, müssten noch viele rechtliche und politische Hürden genommen werden. Es ist also durchaus fraglich, in welcher Form diese Regulierung kommt.

Außer diesen vagen Zusagen hat Merkel in der Tat nichts gegeben: Der Wachstumspakt ist eine Luftnummer: Hier wird Geld verteilt, das schon verteilt ist, vornehmlich aus Töpfen von anderen, wie der Europäischen Investitionsbank. Die Eurobonds, die Mario Monti für sich reklamiert, gibt es nicht. Und der ESM ist mit seinen 700 Milliarden Euro viel zu klein, um etwa Italien und Spanien mit 2,5 Billionen Euro an den Bond-Märkten zu helfen.

Daher reagieren auch die Analysten der großen Banken eher zurückhaltend auf die zufriedenen Einschätzungen der Südländer (hier) – und sehen eher Angela Merkel als Siegerin. Die niederländische ING schreibt: „Die einzig konkrete Entscheidung beim Gipfel ist der Start einer gemeinsamen Bankenregulierung.“ Société Générale spricht von einem „weiteren Notpflaster“, die Commerzbank sieht die Entscheidungen als „problematisch“ an, wenn es um die mittel- und langfristige Perspektive geht. Schließlich die Mitsubishi-Bank, die zu dem Ergebnis kommt: „Dieser Deal wird keine Wende im Spiel bringen.“

Es könnte also gut sein, dass Angela Merkels Konzept aufgeht: Dass es nämliche eine Vertiefung der Währungsunion nur mit der Forderung nach strenger Haushaltsdisziplin geben wird. Weil diese bei den Südstaaten kaum durchzusetzen ist, hätte diese Lösung für Deutschland den Vorteil, dass Berlin sagen könnte, man habe ja alles versucht – und sei daher nicht schuld, wenn der Euro zerbricht.

Wie das WSJ sind auch die meisten Analysten der Auffassung: Spätestens wenn das Problem Griechenland wieder auf der Tagesordnung steht, werden die Märkte zu verstehen geben, wie wenig sie von den Gipfel-Ergebnissen halten.

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