EZB-Entscheidung bringt Euro zum Absturz, macht Banken-Rettung teurer

Die europäischen Institutionen arbeiten nicht mehr koordiniert: Die EZB-Entscheidung, nicht mehr jedes Papier als Sicherheit zu akzeptieren, hat den Druck auf die gemeinsame Währung beträchtlich erhöht.

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Der Euro-Kurs am Tag, an dem Mario Draghi vor die Presse trat. (Chart: EZB)

Der Euro-Kurs am Tag, an dem Mario Draghi vor die Presse trat. (Chart: EZB)

Mario Draghi ist weit von seiner Bestform als Super-Mario entfernt (hier). Ob dies damit zusammenhängt, das die Deutsche Bundesbank wieder seine Kreise stört, ist nicht eindeutig festzustellen. Gefallen dürfte Draghi jedoch nicht an den Aussagen von Jens Weidmann gefunden haben, der ihm wenige Stunden nach der EZB-Pressekonferenz widersprach und eine Bankenunion zwar eine nette Idee, aber kein wirksames Mittel zur Krisenbekämpfung bezeichnete.

Am Donnerstag stürzte der Euro unter 1,24 Dollar ab – und Marktteilnehmer erwarten einen weiteren Sinkflug. Der Grund ist die neue Regelung bei den Sicherheiten. Am Mittwoch gab die EZB bekannt, nicht mehr jeden bedruckten Zettel als Sicherheit für Kredite akzeptieren zu wollen. Damit fällt die Bank wiederum den EU-Staaten in den Arm, die sich gerade darauf vorbereiteten, die Banken gemeinsam zu retten. Durch die Entscheidung der EZB werde, so sagte Marc Chandler von Brown Brothers Harriman dem Sender CNBC, die Bankenrettung für die Staaten signifikant teurer. Denn die Banken können nun nicht mehr in dem Maß Kredite bei der EZB aufnehmen, wie sie es erhofft hatten. Die Lücke wird der Steuerzahler schließen müssen.

So kann es durchaus sein, dass durch die neuen EZB-Richtlinien die spanische Bankenrettung, die ursprünglich von der EU auf 100 Milliarden Euro eingeschätzt wurde, deutlich teurer wird. Die Berechnungen der Unternehmensberatung Oliver Wyman haben ohnehin ergeben, dass die Spanier im Grunde eher das Doppelte brauchen werden. Spanien hatte Oliver Wyman überoptimistische Erlösannahmen geliefert (mehr zu diesen atemberaubenden Projektionen hier). Bis Herbst sollen weitere Wirtschaftsprüfer die Banken durchleuchten. Sie müssen nun die Schrottpapiere in den Büchern neu bewerten, weil die EZB in diesem Segment zur Mülltrennung zurückgekehrt ist.

Damit hat die Realität die Retter des Euro-Gipfels schneller als erwartet eingeholt. Und die Realität wird mit jedem Tag härter, an dem die europäischen Regierungen nicht in der Lage sind, ihre desolaten Banken zu sanieren und die Schuldenlast in ihren Haushalten zu reduzieren.

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