Schweizer Schattenbanken geraten ins Visier der Libor-Ermittler

Schlüsselperson im Libor-Manipulationsskandal wurde noch bis Mittwoch als Mitarbeiter einer Schweizer Bank geführt. Seit Jahren ist er in der Schweiz tätig. Für die komplett unregulierten Hedge Fonds und anderen Investment-Firmen steigt der Druck auf die Schweizer Finanzregulierer.

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Die Manipulationen im Libor-Skandal erreichen nun auch die Schweiz. Im Mittelpunkt könnte eine der ältesten Privatbanken der Schweiz stehen: Lombard Odier. Nach Eigendarstellung bietet Lombard Odier einen „langfristigen Anlagehorizont, gekoppelt mit einem systematischen Risikomanagement“. Aktuell ist die Bank jedoch wegen eines Mannes in die Schlagzeilen geraten, der als Schlüsselperson im Libor-Manipulationsskandal gilt: Die Behörden überprüfen die Aktivitäten von Mickaël Zrihen, der noch bis zum Donnerstag dieser Woche als Mitarbeiter von Lombard Odier geführt wurde. Zuvor hatte Zrihen bei der französischen Credit Agricole gearbeitet – und soll dort nach Informationen der FT an den Libor-Manipulationen mitgewirkt haben.

Scharfer Gegenwind für Lombard Odier: Die Schweizer Privatbank muss sich plötzlich öffentlich mit dem Libor-Manipulationsskandal auseinandersetzen. (Foto:L`HYDROPTÈRE)

Scharfer Gegenwind für Lombard Odier: Die Schweizer Privatbank muss sich plötzlich öffentlich mit dem Libor-Manipulationsskandal auseinandersetzen. (Foto:L`HYDROPTÈRE)

Als die Lombard Odier davon erfuhr, wurde ihr der Einsatz des Experten offenbar zu heiß: Am Donnerstag teilte die Bank mit, dass Zrihen nicht mehr für Lombard Odier arbeite. Wohin er verschwunden war und warum überhaupt, wurde nicht gesagt. Er selbst ist offenbar abgetaucht, sein Telefon hob er jedenfalls nicht mehr ab. Lombard Odier sagte, dass sich die Libor-Ermittler noch nicht an die Bank gewandt hätte, man nun aber seitens der Bank Kontakt mit den Behörden aufgenommen habe, um herauszufinden, wie man mit den Behörden zusammenarbeiten könne.

Zrihen hatte bei der Credit Agricole die Abteilung für Zins-Derivate geleitet – also genau jene Produkte, die von den Zins-Manipulationen am effektivsten profitiert haben. Das Insider-Wissen dürfte der Trader auch zur Schweizer Privatbank mitgenommen haben. Dort heuerte er 2010 an. Die Vorwürfe gegen ihn reichen in die Jahre 2005 bis 2007 zurück. Zrihen war in die Schlagzeilen geraten, weil er offenbar zu einem Netzwerk von Tradern gehört, die in den Libor-Skandal verwickelt sind. Neben Zrihen ermitteln die Untersucher auch gegen Christian Bittar von der Deutschen Bank und Didier Sander von der HSBC.

Und auch Christian Bittar hat offenbar in der Schweiz einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Er arbeitet nach Informationen der Fachzeitschrift DerivatesWeek bei BlueCrest Capital Management, einer diskreten Investment-Firma in der Rue Vallin 2, 1201 Genève. BlueCrest scheint sich auf Zinsgeschäfte spezialisiert zu haben, wie der Finanzblog Zerohedge berichtet. Bittar wurde von der Deutschen Bank schon im Vorjahr verabschiedet und dürfte sein Insider-Wissen bei BlueCrest wertsteigernd für die Kunden des Unternehmens eingebracht haben.

Für die Schweiz stellt diese Entwicklung ein Problem dar: Denn während die großen Banken mit den Ermittlern aktiv zusammenarbeiten –Barclays hat schon kooperiert, die Deutsche Bank strebt den Kronzeugen-Status an – agieren die Schattenbanken der diskreten Schweizer Finanzindustrie komplett im Nirvana. Die Entscheidung von Lombard Odier, mit den Behörden Kontakt auzunehmen, zeigt, dass die Privatbank erkannt hat, dass es ihrem Ruf enorm schaden könnte, im Zusammenhang mit kriminellen Machenschaften genannt zu werden.

Für die komplett unregulierten Hedge Fonds und anderen Investment-Firmen steigt der Druck auf die Schweizer Finanzregulierer: Sie können den Finanzplatz Schweiz nicht verteidigen, indem sie mit dem Hinweis auf die freie Marktwirtschaft Aktivitäten decken, die im Visier weltweiter Ermittlungen stehen. Die globalen Verflechtungen im Libor-Manipulations-Skandal machen die aktive Mitwirkung der Schweizer Regulierer zwingend notwendig, wenn diese nicht in den Geruch der Komlizenschaft geraten wollen.

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