Wegen Steuerabkommen: Die Schweiz erwartet Banken-Sterben

Die neuen Steuerabkommen der Schweiz mit den USA und anderen europäischen Ländern wird den Bankensektor des Landes umkrempeln. Kunden werden vorsichtiger und werden vermutlich bis zu 135 Milliarden Euro aus der Schweiz abziehen. 30 Prozent der Arbeitsplätze in der Vermögensverwaltung sind gefährdet.

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Durch die verschiedenen Steuerabkommen mit den USA und anderen Ländern wie Deutschland werden sich viele Kunden aus der Schweiz aus Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen zurückziehen oder gar nicht erst den Weg in die Schweiz suchen. Herbert Hense von der Cap Gemini SA geht davon aus, dass allein die Westeuropäer 15 Prozent ihrer in der Schweiz angelegten Gelder in naher Zukunft abziehen werden. Das entspricht etwa einem Geldabfluss von rund 135 Milliarden Franken. Die Sarasin & Cie AG berichtete vergangene Woche, dass innerhalb der letzten 12 Monate bis Juni, die Privatkunden 3 Milliarden Euro aus ihren Schweizer Standorten zurückgezogen haben. Und der Vorsitzende der Banque Benedict Hentsch & Cie SA schätzt, dass bis zu ein Drittel der 3 Billionen Dollar Privatvermögens in der Schweiz nicht gemeldet ist und somit riskiert von den Steuerbehörden entdeckt zu werden.

Zeno Staub von der Vontobel Holding AG geht davon aus, dass rund 100 Schweizer Banken im Zuge dessen verschwinden werden. In den nächsten fünf Jahren werde fast jede dritte Bank verschwinden oder mit anderen Firmen fusionieren. Sie werden daran scheitern, mittels die Gebühren die steigenden regulatorischen Kosten und die schwierigen Marktbedingungen auszugleichen. Ähnlich sieht es Francois Reyl von der in Genf ansässigen Reyl-Gruppe: „Es wird kein Big Bang sein, aber es wird eine Erosion geben“. Die Banken, „ die sich nicht anpassen, werden einen langsamen Tod sterben“.

Im vergangenen Jahr fiel auch die Zahl der ausländischen Banken in der Schweiz von 154 auf 145, so der Verband der Auslandsbanken in der Schweiz. 312 Banken gab es der Schweizerischen Bankenvereinigung zufolge Ende 2011 in der Schweiz. Die neuen Steuerabkommen und die abfließenden ausländischen Geldern werden, so Nicolas Pictet von Pictet & Cie, zu einem Verlust von bis zu 30 Prozent der Arbeitsplätze im Bereich der Schweizer Vermögensverwaltung verloren gehen.

Die Schweizer Banken hoffen nun, die kommenden Abflüsse aus den traditionellen Offshore-Märkten mit dem Aufbau von Netzwerke in ganz Asien und dem Mittleren Osten sowie Lateinamerika auszugleichen. Aber es sei reines Wunschdenken, anzunehmen, dass die Industrie tatsächlich die ganzen Abflüsse damit kompensieren könne, erklärt Beat Bernet, Professor für Bankwirtschaft an der Universität St. Gallen der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Die Banken sollten endlich der Situation ins Auge sehen, dass die Rentabilität schrumpfen wird und sie ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen, um die geringeren Gewinnmargen zu bewältigen.

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