Codewort HARP: US-Banken verdienen prächtig an Hausbesitzern in Not

Die US-Regierung gewährt in Bedrängnis geratenen Hypotheken-Schuldnern über das HARP-Programm günstige Kredite. Weil diese aber über die ursprünglich kreditgebende Bank abgewickelt werden müssen, nehmen die US-Institute satte Gebühren von den Schuldnern - und machen so aus der Krise eine neue Erlösquelle.

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Die großen Anbieter von Immobilien-Hypotheken in den USA machen erhebliche Profite mit einem Regierungsprogramm, das eigentlich Hausbesitzer entlasten sollte. Wells Fargo, JP Morgan und die Bank of America verdienen über Bearbeitungsgebühren an relativ risikolosen Krediten kräftig mit. Außerdem treibt mangelnder Wettbewerb die Zinsen für die Sonderkredite in die Höhe.

Viele Häuser in den USA haben aufgrund der Immobilienblase massiv an Wert verloren. Damit hat sich die Laufzeit der Hypotheken verlängert. Außerdem sind die üblichen Zinssätze für Kredite aktuell so niedrig wie nie. Die Hausbesitzer stecken aber meist noch in alten Verträgen, die viel höhere Zinsen vorsehen. Um diese negative Entwicklung auszugleichen, ermöglicht die US-Regierung Hausbesitzern, die ihre Raten stets pünktlich bezahlt haben, einen Sonderkredit zu niedrigeren Zinsen. Ohne das sogenannte HARP-Progamm würden sie über ein Drittel mehr bezahlen.

Doch die Hausbesitzer müssen Kredite im HARP-Programm über ihren ursprünglichen Kreditgeber abwickeln. Diese Bindung verhindert jeden Wettbewerb und führt dazu, dass die Zinsen, welche die drei wichtigsten Banken in diesem Bereich verlangen, überhöht sind.

„Obwohl es ermutigend ist, dass Hausbesitzer denen das Wasser bis zum Hals steht, den Vorteil aktuell niedriger Zinsen bekommen, werden nach wie vor massive Gewinne auf ihre Kosten gemacht. Auch wenn das Fehlen von Wettbewerb ein Hauptauslöser dafür ist, sind es vor allem die Geschäftspraktiken der systemrelevanten Banken, die die zusätzliche Wut der Öffentlichkeit schüren“, schreibt David Schawel, ein US-Kreditfachmann im Finanzblog Zerohedge.

Wells Fargo, JP Morgan und die Bank of America bieten im HARP-Programm Kredite zu etwa vier Prozent Zinsen mit einer Laufzeit von 30 Jahren an. Sie können sich dabei darauf verlassen, dass sie es mit zuverlässigen Gläubiger zu tun haben, weil dies Voraussetzung für HARP ist. Die drei Banken geben die Hypotheken wiederum an die großen Institute Fannie Mae und Freddie Mac weiter. Weil das Ausfallrisiko der HARP-Kredite gering ist, müssen sie lediglich 3,5 Prozent Zinsen an die nächstgrößeren Institute bezahlen. So machen die Kreditanbieter sichere Gewinne von bis zu 0,8 Prozent.

Eine Neuauflage des HARP-Programms soll für mehr Wettbewerb sorgen und unterbinden, dass die Kreditinstitute auf Kosten der Steuerzahler Gewinne mit den privilegierten Krediten machen können.

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