Libor-Skandal: Geheim-Gremium verhindert Aufklärung

Ein Gremium des britischen Bankenverbandes entscheidet über grundsätzliche Angelegenheiten des Libor. Weil geheimgehalten wird wer die Mitglieder des Gremiums sind und was dort besprochen wird, fordern die Ermittler im Libor-Skandal mehr Transparenz.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Aktuell: Deutsche Banken wollen nationale Bankenaufsicht auflösen

Entscheidungen über den Libor-Zinssatz trifft ein geheimes Gremium, das Devisen und Geldmarkt Komitee des britischen Bankenverbandes, in London. Sechs Mal im Jahr treffen sich Vertreter der größten Banken weltweit, um Entscheidungen über das Zinssystem zu treffen, an dem Finanzgeschäfte im Wert von 300 Billionen Dollar gemessen werden.

Wer genau an diesen Treffen teilnimmt, wird vom britischen Bankenverband streng geheim gehalten. Es werden keine Protokolle der Sitzungen veröffentlicht und es gibt auch keinen Ansprechpartner. Dies berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg.

Diese Geheimhaltung behindert nun die Ermittlungen nach dem Manipulationsskandal: „Es gibt einen offensichtlichen Mangel an Transparenz. Die Kontrolle durch das Devisen und Geldmarkt Komitee scheint nicht ausreichend offen und transparent, um den erforderlichen Grad an Verantwortung den Unternehmen und Märkten gegenüber und damit die Integrität des Libor sicherzustellen“, schreibt Martin Wheatley, der Aufsichtsbeamte der mit der Aufklärung des Libor-Skandals beauftragt ist, in einem Zwischenbericht.

Der Bankenverband will verhindern, dass Lobbyisten Einfluss auf die Entscheidungen über den Libor nehmen. Damit rechtfertigt der Verband die Intransparenz bei den Treffen des Devisen und Geldmarkt Komitees.

Weil es aber in der Vergangenheit verabsäumt hat, den Libor zu reformieren, lassen die Aufsichtsbehörden dieses Argument nicht gelten. Sie fordern eine bessere Zusammenarbeit bei den Ermittlungen und künftig eine stärkere Einbindung der Aufsichtsorgane in die Entscheidungsfindung über den Interbanken-Zinssatz.

Weitere Themen:
Bank of Japan: China befindet sich in der „Gefahrenzone“
Steuern: Schröder und Fischer haben Mittelstand am meisten belastet
EZB: 40 zusätzliche Stellen im Kampf gegen die Krise

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung. Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung! Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick