Nach EZB-Ankündigung: Spanien fürchtet nun Einmarsch der „Men in Black“

Nach der EZB-Ankündigung, es werde keine Bond-Käufe ohne Sparprogramme geben, rudert Spanien zurück: Man werde nun in Ruhe prüfen, ob man EU-Hilfe braucht. Es bestehe überhaupt kein Grund zur Eile.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Schon wenige Stunden nach der Bekanntgabe der Bedingungen für den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB hat sich Spanien ganz schnell auf eine neue Position zurückgezogen: Hatte Premier Mariano Rajoy noch vor wenigen Tagen gesagt, dass das Land eigentlich pleite sei (hier), wollen die Spanier nun nichts mehr von einer aktuellen Krise wissen. Ein Offizieller sagte der FT, es bestehe kein Grund zur Eile. Man wolle nun prüfen, welche Bedingungen die EZB an den Kauf von Schrottpapieren knüpfe. Schließlich lese man sich ja auch bei der Bank zuerst die Kreditbedingungen durch, bevor man unterschreibe. Die Spanier pochen nun offenbar doch nicht mehr auf ihr „Anrecht auf Rettung“ (wie sie das noch am Mittwoch getan hatten – hier).

Was die Spanier besonders verschreckt, ist ein Passus in der EZB-Mitteilung, dass die EZB gerne den IWF an Bord haben wolle, wenn den Staaten Sparprogramme verordnet werden. Der IWF tritt bereits in Griechenland, Irland und Portugal gemeinsam mit der EU und der EZB auf. Diese sogenannte „Troika“ fürchten die stolzen Spanier wie der Teufel das Weihwasser. Auch Mario Monti hatte nach dem – inzwischen wirkungslos verpufften Milliarden-Segen im Vorjahr – stolz verkündet, dass nach Italien niemals eine Troika kommen werde.

Dies dürfte jedoch ein frommer Wunsch bleiben: Die „Men in Black“ werden überall dort einmarschieren, wo gerettet werden muss. Der IWF hat die EZB-Entscheidung ausdrücklich begrüßt – was soviel ist wie ein internen Marschbefehl.

Spanien wird indes vor allem von Frankreich gedrängt, den Bailout auch mit den EZB-Bedingungen anzunehmen. Die Franzosen spüren nämlich schon den Fallwind der Dominosteine um sie herum. Goldman Sachs hat Termin für den Antrag der Spanier auf einen Bailout mit dem 14. September festgelegt (hier).

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***

media-fastclick media-fastclick