Spanien will keine Troika, verschiebt Bailout auf November

Spanien will keine Troika im Land und überlegt, eine Anfrage an die EU für einen Bailout erst nach den wichtigen Wahlen in Galizien am 21. Oktober zu stellen. Bis dahin werden weiter Schulden gemacht.

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Spanien will die Men in Black nicht im Land haben und verzögert daher die Bailout-Anfrage an die EZB. (Foto: cartelespeliculas)

Spanien will die Men in Black nicht im Land haben und verzögert daher die Bailout-Anfrage an die EZB. (Foto: cartelespeliculas)

Spaniens Premier Mariano Rajoy will offenbar keinen Bailout beantragen. Wie die Zeitung El Economista berichtet, fürchtet Rajoy um den Sieg bei den Wahlen in Galizien. Diese Wahl findet am 21. Oktober statt. Die Spanier wollen die Troika-Sparkommissare (Men in Black – hier) nicht im Land haben, weil sie in Griechenland gesehen haben, dass die etablierten Parteien aufgerieben werden, wenn sie sich unter die operative Kuratel von Brüssel begeben (mehr hier). Auch wenn Goldman Sachs noch vor wenigen Tagen sicher war, dass Spanien am 14. September das Gesuch abgeben wird (hier), die Spanier scheinen offenbar eine andere Taktik zu verfolgen: Nach den jüngsten Draghi-Ankündigungen sind die Zinssätze für Spanien-Bonds deutlich gesunken. Mit den aktuellen Zinssätzen von 5 Prozent können die Spanier relativ ungefährdet weiter Schulden machen. Allerdings wird damit die Last der Refinanzierung in den kommenden Jahren noch drückender. Vor allem angesichts der anhaltenden Kapitalflucht ist das eine hochriskante Strategie (hier); sie ist jedoch verständlich, weil die Spanier erkannt haben, dass die Fehlkonstruktion des Euro sie aktuell in eine Depression zwingen würde (mehr zum Hintergrund – hier).

Die Spanier spekulieren aber auch darauf, dass die EZB ohnehin schon 200 Milliarden Euro aus den Südstaaten gekauft hat: Vermutlich wollen die Spanier bis zum letztmöglichen Zeitpunkt warten, damit sie harte Sparauflagen unter großem Druck verhandeln können – was es ihnen am Ende wieder leichter machen könnte, sich am Ende nicht mehr an die Sparauflagen zu halten.

Die EZB hat mit der Ankündigung ohnehin eher eine Anleitung zum Selbstmord vorgelegt: Sie sei, schreibt die FT, wie jemand, der sich die Pistole an den Kopf hält und droht abzudrücken. Wenn einmal Bonds gekauft werden, gibt es kein Zurück mehr für die EZB ohne schwere Verluste und die Gefahr der eigenen Pleite. Das haben die Spanier als erste erkannt – und lehnen sich nun entspannt zurück. Man habe keine Eile, heißt es aus Madrid (hier). Den Technokraten in Brüssel dürfte dagegen dämmern, dass sie mit dieser Variante nicht gerechnet hatten: Stell Dir vor es ist Bailout und keiner geht hin!


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