Eurokrise: Auch Merkel geht auf Distanz zu Weidmann

Angela Merkel betonte auf ihrer Pressekonferenz, der Chef der Bundesbank sei unabhängig, daher wolle sie seine Aussagen zu den EZB-Interventionen nicht kommentieren. Am Wochenende hatte der Bundesfinanzminister Weidmann wegen seiner Opposition im EZB-Rat scharf angegriffen.

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Nachdem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble an Jens Weidmanns Opposition im EZB-Rat heftige Kritik geäußert hatte, distanzierte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel heute ebenfalls von Weidmann. Der Bundesbankchef war der einzige der im EZB Rat gegen einen unbeschränkten Ankauf von Staatsanleihen stimmte.

Der Abstimmung war eine längere Debatte vorangegangen in der sich Weidmann einige Male offen gegen die Interventionen der EZB stellte: „Ich bin nicht sicher, ob es dem Vertrauen in die Bundesbank zuträglich ist, wenn diese Debatte semi-öffentlich ausgetragen wird“, kritisierte Schäuble die Haltung des Bundesbankers in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Bei ihrer Jahrespressekonferenz ging Merkel nicht stärker auf den Konflikt zwischen Weidmann und Schäuble ein. Weidmann sei genauso wie die EZB unabhängig, daher wolle sie Weidmanns Aussagen nicht kommentieren: „Jens Weidmann ist davon umgetrieben, dass wir die Schuldenkrise wirklich nachhaltig lösen“, sagte sie.

Damit zeigt sich einmal mehr die Veränderung in der deutschen Geldpolitik: Orientierte sich die Politik früher weitgehend an den Empfehlungen der Bundesbank, wird ihr jetzt noch im Idealfall das Recht der Meinungsäußerung zugestanden.

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