Eurozone: Schweizer Nationalbank drückt Zinsen bei Staatsanleihen

Für die niedrigen Zinsen für Staatsanleihen von Kernländern der Eurozone ist nicht unbedingt das große Vertrauen der Märkte in die stabilen Staaten verantwortlich: Vor allem die Schweiz hat großes Interesse, den Euro zu stabilisieren. Daher manipuliert sie mit massiven Anleihekäufen die Zinsen.

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Die Schweizer Nationalbank (SNB) ist mit ihrem massiven Ankauf von Staatsanleihen mit dafür verantwortlich, dass die Kernstaaten der Eurozone aktuell so geringe Zinsen für ihre Anleihen bezahlen müssen. Wie die Ratingagentur Standard & Poor’s schätz, hat die SNB alleine bis Juli dieses Jahres Staatsanleihen von Deutschland, Frankreich, Österreich, den Niederlanden und Finnland im Wert von 80 Milliarden Euro gekauft. Dies berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg.

Vor allem Frankreich und Österreich haben von den Schweizer Anleihekäufen profitiert. Nachdem S&P den beiden Ländern Mitte Januar ihre Topbonität entzogen hatte, waren die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen deutlich gestiegen. Frankreich musste nach dem Downgrade 3,08 Prozent Zinsen für Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bieten. Durch die SNB-Interventionen sind die Zinsen Anfang August zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand von 2,002 Prozent gesunken. Nach wie vor hält der gesteigerte Ankauf der Schweizer die Zinsen auf 2,27 Prozent.

Bei österreichischen Staatsanleihen sieht es ähnlich aus: Hier sanken die Zinsen von 3,07 Prozent nach dem Downgrade durch S&P auf aktuell 2,12 Prozent. In einem aktuellen Bericht schätzt die Ratingagentur, dass die SNB im Jahr 2012 nicht weniger als 48 Prozent aller neu aufgenommener Staatsschulden der Kernländer der Eurozone übernommen hat. Im Vorjahr hat sich die Schweizer Nationalbank gerade einmal mit neun Prozent an den Anleihen der stabilen Euroländer beteiligt.

„Obwohl sich die SNB wahrscheinlich beteiligt hat, um die Zinsen für die Kernländer auf den Allzeit-Tiefstständen zu halten, ist ihr Rating nicht von der SNB-Politik abhängig“, schreiben die Analysten von S&P in ihrem Bericht.

Dass die Schweizer Nationalbank ihre Anleihekäufe trotz der verhältnismäßig geringen Renditen so stark ausgeweitet hat, ist hauptsächlich durch die enormen Fremdwährungsreserven der SNB zu erklären. Durch den Mindestwechselkurs des Franken gegenüber dem Euro sind die Eurobestände in der Bilanz der SNB explodiert: Die Fremdwährungsreserven der SNB entsprechend inzwischen bereits über 60 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der Schweiz. Zum Vergleich: Die Fremdwährungsreserven von China und Japan machen gerade einmal 40 und 20 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. So hält die SNB nun 406 Milliarden Franken an ausländischen Währungen. Beinahe zwei Drittel davon sind Euro.

Dass die Schweiz dieses Geld nun doch lieber in wenig rentable Staatsanleihen steckt, anstatt das Bargeld zu halten, ist wohl auch damit zu erklären, dass die Schweiz ein starkes Interesse hat, dass die Krise in der Eurozone unter Kontrolle gebracht wird: Denn die Eurokrise hat den Franken erst zu einer Fluchtwährung gemacht. Der dadurch steigende Frankenkurs schadet der exportorientierten Schweizer Wirtschaft massiv, was wiederum die SNB zur Einführung des Mindestwechselkurses bewegt hat. Nun könnte die durch die Schweizer Ankäufe ausgelöste Entspannung auf den Anleihemärkten zumindest ein wenig mehr Vertrauen in die Eurozone erzeugen und so auch den Franken etwas entlasten.

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