Troika zerstritten: Griechen-Rettern droht Verlust von 200 Milliarden Euro

In der offiziellen Griechenland-Rettungstruppe eskaliert offenbar der Streit über die möglichen Verluste: 200 Milliarden Euro an Krediten sind bereits verpulvert - der IWF will, dass die Steuerzahler in Europa über die EU und die EZB einen signifikanten Teil ihrer Forderungen abschreiben.

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Wolfgang Schäuble hat Verständnis für den harten Kurs von Christine Lagarde, Jean Claude Juncker sieht zu. (Foto: Consilium)

Wolfgang Schäuble hat Verständnis für den harten Kurs von Christine Lagarde, Jean Claude Juncker sieht zu. (Foto: Consilium)

In der Griechenland-Rettung tut sich eine neue Front auf: Zwischen den Mitgliedern der Troika ist es nach Berichten der Agentur Reuters zu schweren Spannungen gekommen. Der IWF hat bereits angekündigt, kein weiteres Geld nach Athen zu schicken (hier). Nun drohen die Vertreter von Christine Lagarde offenbar sogar damit, aus der Rettungsmission auszusteigen. Der IWF will, dass die EU und die EZB einen Schuldenschnitt akzeptieren, auf deutsch: Dass sie einen signifikanten Teil ihrer Kredite in den Wind schreiben. Zugleich sagt der IWF, dass Griechenland länger brauchen werde, um ein Sparprogramm umzusetzen, und dass das Land mehr Geld benötige. Der IWF argumentiert, dass das vereinbarte Sparprogramm wegen der langen Wahlkampfpause und der völlig überraschenden Rezession nicht umgesetzt werden kann (der IWF hat zu den unrealistischen Erwartungen durch falsche Prognosen erheblich beigetragen – mehr dazu hier).

Insgesamt schuldet Griechenland den Rettern 204 Milliarden Euro. Etwa 20 Milliarden entfallen auf den IWF, der sein Geld auf jeden Fall wiedersehen will. Die EZB hat etwa 50 Milliarden Euro an griechischen Verbindlichkeiten in ihren Büchern.

Die Europäer spielen in dem Poker auf Zeit: Man wolle sehen, was in Spanien und in Italien passiert, unter Umständen solle man überhaupt bis nach den Bundestagswahlen im Herbst 2013 warten. Bis dahin solle es verschiedene Umschuldungsprogramme geben, mit denen auch Deutschland einverstanden sei – wenn es in Athen Reform-Fortschritte gibt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußerte vor Pressevertretern ein gewisses Verständnis mit der harten Haltung des IWF.

Mit Verständnis allein wird es jedoch nicht getan sein: Der IWF ist mit der Taktik der Europäer ganz und gar nicht einverstanden: Der IWF will jetzt einen Schuldenschnitt, weil Griechenland unter der Schuldenlast zusammenbrechen werde. Offenbar machen vor allem Russland, China, Saudi Arabien und Japan Druck, dass die Europäer jetzt erkennen, dass für sie bald Zahltag ist.

Beobachter rechnen damit, dass die ganze Rettung in sich zusammenfallen werde. Ben May von Capital Economics sagte Reuters: „Der Graben ist tief. Ich glaube nicht, dass der Bailout wie geplant bis zum Ende läuft. Er kann jederzeit in sich zusammenfallen.“

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