Kehrtwende: Schweizer Nationalbank weicht Euro-Kurs auf

Die Schweizerische Nationalbank hat mehr als die Hälfte ihrer Devisenreserven in Euro abgestoßen und schichtet ihr Währungsportfolio überwiegend auf amerikanische Dollar um. Das Devisengeschäft hat in den ersten neun Monaten einen Gewinn von mehr als 16,9 Milliarden Franken gemacht.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Aktuell: Streit spitzt sich zu: Frankreich droht mit Veto gegen EU-Budget

Die Anhäufung von Devisenerträgen aus Währungen wird in der Schweiz zunehmend ohne den Euro vorgenommen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) konzentriert sich nunmehr überwiegend auf den US-Dollar. Am Ende des dritten Quartals erhöhten sich die Devisengeschäfte mit dem Dollar um sechs Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal. Devisenreserven in Euro wurden um 12 Prozent zurückgefahren. Das Vertrauen der Schweiz in den Euro ist infolge der Unsicherheit auf den europäischen Finanzmärkten erschüttert. Aber auch die Devisenreserven in anderen Währungen wurden eingeschränkt. Das britische Pfund (von 7% auf 3%), der Yen (von 9% auf 8%) und der kanadische Dollar (von 4% auf 3%) wurden allesamt im Portfolio der Schweizer Devisen gekürzt.

Insgesamt verzeichnet die Schweiz nach neun Monaten einen Gesamtgewinn aus Devisengeschäften in Höhe von fast 17 Milliarden Franken. Das sind über 11 Milliarden Franken mehr, als im Vorjahr durch Aufwertungsgewinne eingefahren wurden. Eine Begründung für diese deutliche Erhöhung der Devisenerträge liegt einem Bericht der BAZ zufolge in den Interventionen gegen die Überbewertung des Schweizer Franken.

Der Euro spielt bald keine Rolle mehr bei Devisenreserven und Frankenwertschriften, Daten für das 3. Quartal (2.Quartal) in der Schweiz (Grafik: SNB)

Der Euro spielt bald keine Rolle mehr bei Devisenreserven und Frankenwertschriften, Daten für das 3. Quartal (2.Quartal) in der Schweiz (Grafik: SNB)

Dieser hat gegenüber dem Euro derzeit einen Wert von etwa 1,21. Die Schweiz hatte in der Vergangenheit Eurodevisen in großen Mengen angekauft, um die eigene Währung zu stabilisieren. Die Euro-Anlagen haben seit Juni jedoch um mehr als 8,5 Milliarden Euro abgenommen. Erst seit der Ankündigung der EZB zum Kauf von Staatsanleihen hat sich der Euro auf einen stabilen Wert eingependelt und das Devisengeschäft beruhigt. Der Ertrag bei Fremdwährungen außerhalb des Euro-Raums ist jedoch deutlich höher. Daher konzentriert sich die SNB jetzt vermehrt auf den US-Dollar. Die Gewinne der SNB, jeweils etwa eine Milliarde Franken pro Jahr, gehen an den Bund und an die Kantone.

Weitere Themen:

Krise erreicht Lufthansa: Massiver Jobabbau droht
Griechenland: Rezession verschärft sich massiv
Finanz-Probleme: Banken vergeben weniger Kredite an Unternehmen

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick