Deals à la Goldman: Monti will italienische Unternehmen an Katar verkaufen

Nachdem er mit seinen Sparplänen nicht wiklich weit gekommen ist, wird Mario Monti als staatlicher Investment-Banker aktiv. Er will dem Golf-Emirat einige italienische Industrie-Perlen auf dem Silbertablett servieren. Die Methode erinnert fatal an die Privatisierungen in Italien unter Mario Draghi in den 90er Jahren.

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Mario Monti versteht sich traditionellerweise gut mit den Scheichs: Hier mit Sheich Sabah Al Ahmad Al Sabah aus Kuwait. (Foto: Governo Italiano)

Mario Monti versteht sich traditionellerweise gut mit den Scheichs: Hier mit Sheich Sabah Al Ahmad Al Sabah aus Kuwait. (Foto: Governo Italiano)

Die eine Seite hat einen hohen Schuldenberg angehäuft, während die andere Seite durch Öleinnahmen liquide Mittel im Überfluss hat. Vor diesem Hintergrund haben Italien und Katar beschlossen, den staatlichen Fonds Qatar Holding zu gründen, der bis zu einer Milliarde Euro in italienische Unternehmen investieren soll. Das Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen „IQ Made in Italy Projekt“ soll vor allem in Firmen aus den Branchen Nahrungsmittel, Mode und Luxusgüter investieren.

Die Investitions-Vereinbarung wurde von oberster Stelle eingefädelt. So unterzeichnete der italienische Ministerpräsident Mario Monti am Montag ein entsprechendes Abkommen in Doha. Katar will vier bis fünf Investitionsmöglichkeiten prüfen und sich darüber hinaus  durch ein Joint Venture in kleine und mittelständische Unternehmen einkaufen. Hier könnte Katar eine halbe Milliarde Euro investieren – ein vergleichsweise bescheidener Betrag, den die Kataris jedoch über die italienischen Unternehmen hebeln werden. Wenn das gut funktioniert, dürften weitere Deals folgen. Ein derartiger Ausverkauf der italienischen Wirtschaft ist ein gutes Geschäft für die Investment-Banken. Sie können sich so Anteile an attraktiven Unternehmen sichern und die Gewinne kassieren.

Monti bewährt sich bei solchen Geschäften als Dealmaker, wie er es bei Goldman Sachs gelernt hat. Das Wesen solcher Geschäfte ist das „Dealing & Wheeling“ – also der möglichst schnelle und profitable Handel, bei dem Unternehmen meist durch mehrere Hände gehen.

Ein anderer Meister solcher Deals war der eben gescheiterte amerikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Romney hat es geschafft, in Italien zur persona non grata zu werden: Er hatte während des Internet-Booms mit seinem Finnazinvestor Bain Capital vom italienischen Staat die Telefonbuchgesellschaft „Pagine Gialle“  (Gelbe Seiten) für 300 Millionen gekauft, sie dann kosmetisch aufgehübscht und schließlich für 3 Milliarden an das italienische Staatsunternehmen Telekom Italia verkauft. Danach waren die Pagine Gialle pleite. Heute sind sie weniger wert als zum Zeitpunkt des Kaufs durch Romney. Die Zeche hat der italienische Steuerzahler bezahlt. Moderiert wurde der Deal von einem anderen Goldman: Mario Draghi war damals als Notenbanker in diese Art von Privatisierungen involviert.

Man könnte Mario Monti nun vorwerfen: Diese Deals sind nicht im Interesse des italienischen Volks, weil die Unternehmen meist ausgesaugt auf der Strecke bleiben. Steuern fallen auch keine an, weil solche Deals (wie damals von Bain) über Luxemburg oder andere Steuerparadiese abgewickelt werden. Man könnte Monti also vorwerfen, dass er für diese Art von Deals nicht gewählt wurde. Allein, der Vorwurf führt ins Leere: Monti wurde ja tatsächlich nicht gewählt – ist also niemandem Rechenschaft schuldig. Daher nutzt er das voraussichtliche Ende seiner Amtszeit noch für ein paar Fingerübungen in seinem erlernten Beruf. Damit für ihn auch die Weisheit gilt: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören.

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