Deutliche Mehrheit der Israelis lehnt Waffenstillstand mit der Hamas ab

Die Israelis trauen dem Frieden nicht: Eine TV-Blitzumfrage ergab, dass 70 Prozent den Waffenstillstand ablehnen. Nur sieben Prozent glauben, dass der Frieden lange währen wird. Die israelische Regierung befindet sich damit in einer schwierigen Lage für die kommenden Wochen.

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US-Außenministerin Hillary Clinton mit ihrem ägyptischen Kollegen Mohamed Kamel Amr bei der Verkündung des Waffenstillstands am 21. November abends. (Foto: Channel 2/Screen)

US-Außenministerin Hillary Clinton mit ihrem ägyptischen Kollegen Mohamed Kamel Amr bei der Verkündung des Waffenstillstands am 21. November abends. (Foto: Channel 2/Screen)

In einem Punkt haben die Raketen der Hamas in Israel ihre Wirkung nicht verfehlt: Die Israels ist durch den dauerhaften und unkontrollierten Beschuss deutlich verunsichert. Nachdem US-Außenministerin Hillary Clinton gemeinsam mit dem ägyptischen Außenminister Mohamed Kamel Amr am Mittwochabend den Waffenstillstand bekanntgegeben hatte, saß den Israelis der Schrecken noch in den Gliedern.

Der TV-Sender Channel 2 ermittelte in einer Umfrage, dass eine klare Mehrheit der Bürger den Waffenstillstand ablehnt: 70 Prozent halten nichts davon, 24 Prozent finden es richtig. Was die Haltbarkeit der Vereinbarung anlangt, ist man in Israel noch pessimistischer: Nur sieben Prozent glauben, die Waffen werden längere Zeit schweigen. 24 Prozent sagen, dass die Waffenruhe erst gar nicht wirksam werden wird. 64 Prozent glauben, dass der Friede nur eine kurze Weile halten werde. Auch über den militärischen Erfolg der eigenen Truppen äußern sich die Bürger ungewohnt verhalten: Nur 58 Prozent glauben, die Operation habe die Stärke Israels wiederhergestellt.

Die Umfrage ist natürlich nur eine Momentaufnahme, zeigt jedoch deutlich, wie sehr sich die Lage im Nahen Osten verändert hat. Gab es früher noch nach jedem noch so verlustreichen Krieg immer das Gefühl, das eigene Land erfolgreich verteidigt zu haben, so macht sich bei den Israelis eine deutliche Kriegsmüdigkeit bemerkbar. In Israel sind dieser Tage die meisten in einem Zustand der Orientierungslosigkeit: Jeder vernünftige Bürger will, dass die Palästinenser in Frieden leben können; auch ein eigener Staat Palästina ist keine Bedrohung mehr für Israel – im Gegenteil: Was den Israels wirklich Sorgen macht, ist die Tatsache, dass die verschiedenen politischen und militärischen Aktionen nicht mehr einzelnen Staaten zugeordnet werden können. Auch früher sah sich Israel einer Phalanx arabischer Gegner gegenüber. Heute jedoch weiß niemand mehr, wo der Feind sitzt. Der Nahe Osten versinkt in einem Nebel der Vedächtigungen und der Hinterhalte.

Für die Regierung Netanjahu kommen daher nun schwierige Wochen. Seine Mitteilung, er habe dem Waffenstillstand auf Bitte von US-Präsident Barack Obama zugestimmt, läßt tief blicken: Auch Netanjahus Drohgebärden geben seinem Volk keine Sicherheit. Er wird sich entscheiden müssen, ob er weiter auf Härte setzt oder doch irgendeinen Weg findet, den Israelis das Gefühl zu vermitteln, dass ihre Regierung ihre Sicherheit auch in unübersichtlichen Zeiten garantieren kann.

Auch im Gaza herrscht dieselbe Kriegsmüdigkeit – zumal die Zivilbevölkerung hier noch stärker von den israelischen Luftschlägen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Anders als in Israel werden jedoch auch noch nach dem sinnlosesten Waffengang ideologische Jubelgeänge angestimmt. Man kann den Eindruck gewinnen, als wäre die Hamas-Führung bereit, ihr gesamtes Volk als Geisel für ein kollektives Selbstmord-Kommando zu nehmen (Analyse der Situation im Gaza Streifen – hier).

Daher ist der israelische Pessimismus wohl nicht unbegründet. Und selbst wenn die kleine Minderheit recht behalten sollte und die Kämpfe tatsächlich für eine Weile aufhören: Von einem Frieden im Nahen Osten merkt man gegenwärtig so wenig wie schon lange nicht.

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