Das Rätsel der Fake-Profile: Wie groß ist Facebook wirklich?

Millionen gefälschter Facebook-Profile verzerren die wahre Größe des sozialen Netzwerks. Anleger fragen sich: Warum unternimmt Facebook nichts, um hier Klarheit zu schaffen?

Ihren XING-Kontakten zeigen

Anfang Oktober dieses Jahres verzeichnete Facebook 1,01 Milliarden monatlich aktive Nutzer, so genannte Monthly Active Users (MAUs) (hier). Juni 2011 waren es in Deutschland 20 Millionen Menschen. Eine Zahl, mit der Facebook bei seinen Kunden wirbt. Immerhin sind das die Nutzer, von denen Facebook sagt, dass sie die Unternehmen mit ihrer Werbung auf Facebook erreichen können. Immer mehr Unternehmen auch in Deutschland setzen auf Facebook und versuchen dort, mit eigens dafür angestellten Mitarbeitern oder engagierten Firmen Kunden zu binden beziehungsweise neue zu gewinnen. Die drei Firmen mit den weltweit meisten Facebook-Fans im September 2012 waren YouTube (62,62 Millionen), Coca Cola (50,51 Millionen) und die Schuhmarke Converse All Star (33,02 Millionen), so das Statistische Bundesamt.

Doch die große Zahl der von Facebook angegebenen über eine Milliarde monatlich aktiven Nutzer (Monthly Active Users – MAUs) weist einige Probleme auf. Als monatlich aktiver Nutzer werden nämlich die Facebook-User bezeichnet, die sich mindestens einmal im Monat auf ihrem Facebook-Account einloggen. Dafür müssen sie aber in keinster Weise aktiv sein. Kein Klick, keine Chatnachricht ist erforderlich, um als aktiv zu gelten. In Anbetracht der Tatsache, dass viele über ihr Smartphone den ganzen Tag bei Facebook angemeldet sind, ohne auch nur einmal tatsächlich auf die Seite zu schauen, eine sehr ungenaue Angabe für potentielle Werbekunden. Zumal Facebook selbst angibt, dass von der eine Milliarde monatlich, aktiver Nutzer etwa 604 Millionen dieser Nutzer über ihr Smartphones bei Facebook waren (Stand 30. September 2012 – hier).

Transparenz war noch nie die Stärke von Facebook. Anleger stellen die Frage, ob hinter dem Unwissen über gefälschte Profile eine Strategie stehen könnte.

Transparenz war noch nie die Stärke von Facebook. Anleger stellen die Frage, ob hinter dem Unwissen über gefälschte Profile eine Strategie stehen könnte.

Doch nicht nur die Smartphone-Nutzung verzerrt die eigentlichen erreichten monatlich aktiven Nutzer. Wie viele Karteileichen, also gefälschte Profile, unter dieser Milliarde Nutzer sind, dazu macht das Unternehmen nur vage Angaben. In seinem aktualisierten Zulassungsantrag schätzt Facebook Ende Juni, dass 4,8 Prozent der bis dato 955 Millionen Facebook-Konten, also 45,8 Millionenen, so genannte Doppel-Konten sind; Konten, die User neben ihrem Hauptkonto führen (zum Zulassungsantrag – hier). Darüber hinaus gebe es aber auch persönliche Nutzerprofile, die eigentlich von Unternehmen genutzt, aber nicht wie verlangt als Facebook-Seiten angelegt worden sind. Dies seien Schätzung Facebooks zufolge etwa 2,4 Prozent (22,9 Millionen) der als monatlich aktiv gzählten Nutzer-Profile. Die dritte Gruppe im Bunde der Fake-Profile sind die „unerwünschten Konten“. Facebook glaubt, diese würden etwa 1,5 Prozent (14,3 Millionen) der MAUs ausmachen. „Unerwünschte Konten“ sind diejenigen, die speziell zum Zwecke angelegt wurden, die Bestimmungen des Facebooks zu umgehen. Somit geht Facebook davon aus, dass von den Ende Juni gezählten 955 Millionen monatlich aktiven Nutzern, 8,7 Prozent gefälschte Nutzer-Profile sind. Das entsprach damals 83 Millionen Nutzern. Doch dies sind nur die veröffentlichten Schätzungen Facebooks. Die US-Investorin Janet Tavakoli geht davon aus, dass die Dunkelziffer noch deutlich höher ist (hier). Sie spricht von einem „schnell wachsenden Betrug“. Facebook könne gar nicht herausfinden, „ wie viele Profile Nachahmer, Betrüger sind oder welch andere Arten von Betrug laufen“, kritisiert Tavaloki.

Zwei Wege nutzt Facebook, um diese gefälschten Profile zu verhindern. Einerseits verweist das Unternehmen beim Erstellen eines Profils darauf, dass „Facebook-Nutzer (…) ihre wahren Namen und Daten“ angeben und dabei beispielsweise folgende Verpflichtungen eingehen: „Du wirst keine falschen persönlichen Informationen auf Facebook bereitstellen oder ohne Erlaubnis ein Profil für jemand anderen erstellen“, „Du wirst nur ein einziges persönliches Konto anlegen“ und „Wenn wir dein Konto sperren, wirst du ohne unsere Erlaubnis kein anderes erstellen“ (Richtlinien – hier). Letztlich ist dies jedoch eine freiwillige Verpflichtung der User – mehr als sperren kann Facebook die dagegen verstoßenden Profile nicht. Ein weiteres Mittel, diese Karteileichen zu umgehen, ist ein entsprechendes Team von mehr als 300 Mitarbeitern bei Facebook, das sich unter anderem mit diesem Thema befasst, erfuhren die Deutschen Wirtschafts Nachrichten aus Facebook-Kreisen. Diese Mitarbeiter befassen sich mit Nachrichten von Facebook- Nutzern, die ein gefälschtes Profil oder eine Seite mit verbotenen Inhalten melden. Darüber hinaus macht sich das Team aber auch eigenständig auf die Suche nach diesen Fake-Profilen. Doch angesichts der Leichtigkeit und fehlenden rechtlichen Konsequenzen bei Verstößen ist dies nicht ausreichend. Und vor allem nicht, wenn Facebook mit diesen Daten zu den monatlichen aktiven Nutzern Werbekunden gewinnt.

 

Kommentare

Dieser Artikel hat 8 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

 Zeichen übrig

    • Yannis Maarten sagt:

      Wenn die Überzahl der echten FB Nutzer wüsste, was man mit ihren persönlichen
      Daten anstellt bzw. anstellen kann oder noch anstellen wird –
      dann würden sich bei ihnen die Nackenhaare schlagartig aufstellen -

      so wie bei einem Blessbock der gerade von einem Gepard als Beute anvisiert wird.

      FB das Eldorado für wildernde Raubkatzen…

      Y M

    • EuroTanic sagt:

      @Thomas F.
      Da sind sie mit FB und avaaz ja gleich zwei der grössten System- und Fakekraken aufgesessen LOL

    • mandelkern sagt:

      Mein Mitgefühl mit den grossen facebook-Anlegern (wer wird das wohl sein und warum?) hält sich stark in Grenzen.
      Es gibt tausende von Startups, deren Gründer tatsächlich realen Mehrwert schaffen und Innovation vorantreiben, sie haben Probleme, auch nur einen Kredit zu erhalten.
      Facebook-Investitionen sind eine gigantische Fehl-Allokation von Kapital, das anderswo nützlicher eingesetzt werden könnte.

      “Rechtliche Konsequenzen”, weil jemand bei Facebook nicht seinen bürgerlichen Namen angibt und damit auf jede Privatsphäre verzichtet? Nur damit Mr. Zuckerberg eine höhere Dividende einstreicht und seine Werbeeinnahmen steigert?
      Pseudonyme sind bislang jedem gestattet, man kann sie sogar in seinen Pass eintragen lassen, und rechtskräftig damit unterzeichnen.
      Das möge auch künftig so bleiben!
      Facebook-Sondergesetze würden uns gerade noch fehlen.

    • nikohle sagt:

      warum solte das Management da Klarheit schaffen? Und das auch noch für die Anleger? Ist doch naiv!
      Je mehr Nutzer, desto wertvoller!

    • Zeitzeuge sagt:

      Liebe Facebook-Nutzer,
      viel schlimmer ist die Gesinnungsschnüffelei, die per Facebook betrieben wird. Wer klug ist, verabschiedet sich. Facebook ist insgesamt nutzlos, Zeitverschwendung, weil die Mehrzahl der Nutzer destruktiv veranlagt sind. Für die Dinge und Themen, die ins Netz gehören, gibt es genug andere Möglichkeiten. Aus meiner Sicht gibt es auch keine Grund, Menschen, wie Zuckerberg & Co. die Taschen zu füllen – eine ethische Frage, die auch an anderen Stelle zu bedenken und zu entscheiden ist. Schafsköpfe haben keine Beziehung zu geistig-sittlichen Werten. Aber es soll immer noch ein paar Menschen geben, die sich um Angemessenheit, Gerechtigkeit, faire Leistung und deren Vergütung Gedanken machen und ihr eigenes Handeln entssprechend einrichten.

      • Thomas F. sagt:

        Facebook bietet sehr schöne Spiele an. Das ist auch so gut wie der einzige Grund, es zu nutzen. Außerdem kann man noch Leute auf wichtige Kampagnen wie z.B. von http://www.avaaz.org/de/ aufmerksam machen. Würden meine Bekannten alle zu G+ wechseln, würde ich FB auch den Rücken kehren. Aber eine echte Alternative gibt es noch nicht, um viele Menschen zu erreichen.

    • argus germanicus sagt:

      OK, war nicht so schwer darauf zu kommen … “Facebook” sollte in Zukunft vielleicht besser Fakebook genannt werden, weil näher an der Wahrheit ;-)