Sparmaßnahme: Paris soll nachts im Dunkeln bleiben

Das französische Umweltministerium will, dass Geschäfte und Büros ab Juli nachts ihre Beleuchtung ausschalten. Strom und Geld sollen so gespart werden. Die Bezeichnung Paris als ‚Stadt des Lichts’ ist damit bald passé. Gegner fürchten einen Schaden für den Tourismus und die Unternehmen.

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Die Zeit der Sparanstrengungen wird sich aller Voraussicht nach auch bald im nächtlichen Straßenbild französischer Städte und Dörfer zeigen. Der Minister des französischen Ministeriums für Energie und Umwelt hat den Vorschlag eingebracht, die Innen- und Außen-Beleuchtung von Geschäften, Büros und öffentlichen Gebäuden abzuschalten. Ab Juli soll es dann nachts zwischen ein Uhr und sieben Uhr dunkel werden. Damit solle sowohl Energie als auch Geld gespart werden. Damit folgt die Regierung um Hollande einem Plan, den auch Sarkozy ins Auge gefasst hatte.

Die Geschäftsinhaber und Unternehmen wehren sich. Zuletzt mussten sie ein Verbot für Neueröffnungen an Sonntagen und Shopping in der Nacht hinnehmen. Der Vorschlag der Regierung laufe auf einem „schmalen Grat zwischen Nüchternheit und Strenge“, kritisiert Sofy Mulle, die Vizepräsidentin des Rats der französischen Handelskammer bei Bloomberg. Es gebe doch sicherlich auch umweltfreundliche Alternativen, die „weniger Einfluss auf unsere Gesellschaft und Wirtschaft haben“, ergänzt sie.

„Auch Lichter von Gebäuden und Geschäften sind Teil der öffentlichen Beleuchtung und bieten Sicherheit“, erklärt Claude Boulle, Leiter des Handelsverbandes. Auch, wenn nicht Millionen Menschen mitten in der Nacht einen Spaziergang machen, „so bedeutet doch für diejenigen, die es tun, die Beleuchtung eine Sicherheit.“ Diese Aktion werde auch den Reiz für Paris als Top-Shopping- und Reiseziel verringern. Was bliebe von der Bezeichung „Stadt des Lichts“, wenn die Lichter ausgingen. „Wir werden zu einem Museum, das nach dem Sonnenuntergang einschläft“, ergänzt Boulle. Besonders in der Weihnachtszeit sind die großen Pariser Kaufhäuser wie die Galerie Lafayette und Printemps auch nachts beliebte Anlaufpunkte. Viele Touristen kommen extra spät am Abend, um die kunstvollen Schaufenster zu bewundern.

Auch Angebote wie Nachtspaziergänge durch Paris, wie sie Tourismusbüros anbieten, würden mit der neuen Regelung ihre Anziehungskraft verlieren. Und der Tourismus ist alles andere als nebensächlich für die französische Wirtschaft. Schließlich macht diese Branche 6,5 Prozent des jährlichen BIPs des Landes aus – 900.000 Menschen arbeiten in diesem Bereich. 2011 kamen 8,5 Millionen ausländische Besucher nach Paris und verbrachten mindestens eine Nacht in einem Hotel. Dabei ließen sie im Schnitt 146 Euro pro Tag in der französischen Hauptstadt, so die Tourismusbehörde. Mit 81,4 Millionen ausländischen Besuchern im vergangenen Jahr ist Frankreich weltweit das am meisten besuchte Land.

Das Ministerium argumentiert jedoch, dass bereits die Beleuchtung von 304 Denkmälern, Kirchen und Brücken nachts ausgeschaltet wurde und dies keine negativen Folgen hatte. Der französische Verband zum Schutze des Himmels und der nächtlichen Umgebung gibt an, dass die Nachtbeleuchtung so viel Energie verschlinge wie ein Atomkraftwerk mit 1.300 Megawatt in einer Nacht produziere. Die Industrie verweist jedoch darauf, dass die nächtliche Beleuchtung lediglich zehn Prozent des gesamten Energiebedarfs Frankreichs pro Tag ausmache.

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