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US-Investorin: „Mehr als die Hälfte der Facebook-Profile könnten gefälscht sein“

Die US-Investorin Janet Tavakoli glaubt, dass ein signifikanter Anteil der Facebook-Profile gefälscht sein könnten. Als sie selbst eine solche Fälschung ihre eigenen Profils entdeckte, forderte Facebook von ihr noch mehr Daten - während der Fälscher unbehelligt blieb.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie werfen Facebook vor, falsche Angaben über die Anzahl seiner Profile zu machen. Was macht Sie misstrauisch?

Die US-Investorin Janet Tavakoli glaubt, dass Facebook zu wenig gegen gefälschte Profile unternimmt und dadurch Anleger und die Werbewirtschaft getäuscht werden.

Die US-Investorin Janet Tavakoli glaubt, dass Facebook zu wenig gegen gefälschte Profile unternimmt und dadurch Anleger und die Werbewirtschaft getäuscht werden.

Janet Tavakoli: Meine unwissenschaftliche Stichprobe legt nahe, dass Facebooks Zahlen weit daneben sind. Der Unterschied ist so groß, dass eine unabhängige Instanz eine strenge Stichprobe machen sollte. Ursprünglich kam mein Interesse daher, dass Google Alerts im Juli 2011 ein falsches Facebook-Profil von mir entdeckte. Ich bin leicht zu finden, und meine Identität ist leicht anzulegen. Aber anstatt mich im Internet zu suchen – und mein Unternehmen kann man einfach überprüfen – machte Facebook es mir sehr schwer. Ich musste ihnen einen Scan meines Passes geben (mit geschwärzten Zahlen).

Das fand ich schrecklich. Das sind heikle Informationen, die es jemandem leicht machen würden, meine Identität zu fälschen, auch mit falschen Zahlen. Es würde auf der Straße als Identifikation akzeptiert werden. Facebook hat sich auch nicht für das falsche Profil entschuldigt. Ich fühlte mich wie ein Anschlagsopfer. Wenn ich nicht mitgemacht hätte, könnte mein falsches Profil missbraucht werden. Als ich nachgab, hatte ich kein Vertrauen, dass Facebook meine persönlichen Informationen sicher verwahren würde. Immerhin schien es einfach, für einen Betrug mein Facebook-Profil zu verwenden.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was denken Sie, wie viele Fake-Accounts es gibt?

Janet Tavakoli: Ohne eine korrekte Befragung ist es unmöglich, eine gute Schätzung abzugeben. Aber meine unwissenschaftliche Stichprobe von 50 Leuten und spätere anekdotische Beweise legen nahe, dass die Zahl der aktiven Fake-Profile mehr als 50 Prozent sein könnte (vielleicht sogar mehr). Auf jeden Fall scheinen es weit mehr zu sein, als die 5 bis 6 Prozent, die in Facebooks Werbeschrift erwähnt werden, und weit mehr als die 8,7 Prozent, die Facebook am 30. Juni 2012 berichtete (bei damals höherer Benutzerzahl). Daraus ergeben sich verstörende Fragen über die von Facebook behaupteten Zahlen, und es stellt sich die Frage, wie effektiv Werbung bei Facebook ist. Doppelprofile, Profile von Babys, Haustieren und Phantasiepersonen sind interessant genug, aber Identitätsdiebstahl hebt das Problem auf ein höheres Niveau.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie groß schätzen Sie, ist der Unterschied zwischen der Anzahl der wirklichen Nutzer und der offiziellen Zahl?

Janet Tavakoli: Meiner Einschätzung nach ist der Unterschied zu groß, um mit einem Lächeln zur Tagesordnung übergehen zu können.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Warum sollte Facebook falsche Zahlen bekannt geben?

Janet Tavakoli: Facebook hat in all seinen Dokumenten über seine Zahlen Ausschlussklauseln, die sagen, es glaube, die Zahlen seien so und so. Dann erklärt Facebook, dass die Schätzungen Schwächen haben könnten. Das sichert es gegen eine Menge Fehler ab. Hohe Zahlen legen nahe, dass Facebook eine Menge Leute erreichen kann, und das ist wertvoll für Anzeigenkunden. Man beachte, wie die US-Finanzpresse atemlos die hohen Facebook-Zahlen wiederholt hat, ohne Facebook infrage zu stellen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Haben Sie Beweise für einen Datentransfer zu Werbekunden?

Janet Tavakoli: Wenn Sie fragen, ob Facebook persönliche Informationen an Werbekunden weitergibt, dann ist klar, dass Facebook das bestreitet. Mein Standpunkt aber ist, dass Facebooks Daten genutzt werden, um Werbung zielgerichtet einzusetzen. Das ist etwas anderes, als eine Weitergabe von Daten. Aber persönliche Daten haben einen Wert. Wenn ein Fake-Profil von dir unter einem anderen Namen erstellt wird, selbst wenn dies nicht von Facebook selbst gemacht wird, dann wird dein demographischer Hintergrund genutzt und Facebook zielt mit einer Werbung auf deine Demographie.

Facebook scheint Daten nicht sicher verwahren zu können. Suriya Prakash, ein Forscher im Sicherheitsbereich, fand heraus, dass die Handynummern von Benutzern für einen geschickten Betrüger leicht zugänglich waren. Die standardmäßigen Sicherheitseinstellungen von Facebooks mobiler Version erlauben es „jedem“, einen Benutzer mithilfe der E-Mail-Adresse oder der Handynummer, die der Nutzer angegeben hat, zu finden. Facebook sagte, dies sei ein „Feature“ und kein Fehler. Am 8. Oktober hat Facebook diese Funktion blockiert. Es war ein weiterer peinlicher Datenleck-Vorfall für Facebook, und niemand weiß, wie viele Nummern und Namen bereits aus dem System herausgezogen worden sind.

Nachahmer und Fake-Profile tauchen regelmäßig bei Facebook auf. Und Facebook scheint die Sache nicht im Griff zu haben, wie das Sicherheitsloch gezeigt hat, das das Auffinden von Telefonnummern möglich machte. Facebook scheint dieses Loch inzwischen gestopft zu haben.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie werfen Facebook vor, Informationen zu sammeln, wie bei Ihrem Pass. Warum denken Sie das?

Janet Tavakoli: Als der Sprecher von Facebook mich kontaktierte, forderte er merkwürdigerweise von mir, ich solle klarstellen, dass Facebooks die Information beim Identitätsnachweis grundsätzlich weder verkauft noch sammelt. Aber er schrieb mir: „mit Bezug auf die Bereitstellung Ihres Passes …“. Aber ich habe ihm nie gesagt, dass ich meinen Pass eingescannt habe. In einem früheren Kommentar sagte ich lediglich, dass FB mich dazu aufgefordert hat, eine von der Regierung ausgefertigte Foto-Identifikation zu scannen, wie eine Fahrerlaubnis oder einen Pass. Wäre es nicht normaler, eine Fahrerlaubnis einzuscannen, da doch viel mehr Amerikaner eine Fahrerlaubnis haben, als einen Pass? Aber wie es eben passiert, habe ich meinen Pass eingescannt (und die Zahlen geschwärzt). Aber woher wusste das der Facebook-Sprecher, wenn Facebook diese Information nicht speichert, wie er schrieb?

Sie wissen wahrscheinlich schon, dass der österreichische Jurastudent Max Schrems Facebook vor Gericht zieht und das Unternehmen beschuldigt, Informationen ohne seine vorherige Zustimmung gesammelt zu haben, gelöschte Informationen gespeichert zu haben und europäisches Recht zum Schutz der Privatsphäre gebrochen zu haben. Max Schrems zufolge hat sein Datenpaket, als er es von Facebook anforderte, gelöschte Informationen enthalten, die Facebook gespeichert hatte.

Bedenken Sie: Google Alerts fand ein falsches Profil von mir, von dessen Existenz ich sonst nicht erfahren hätte. Daraufhin zwang mich Facebooks ganzes Protokoll dazu, mich mit einem Formular und unpersönlichen E-Mails zu beschäftigen, während ich aufgefordert wurde, heikle persönliche Informationen auszuhändigen. Es ist, als würde man Punks, die sich gerade mit Schraubenziehern über den Lack deines Autos hermachen wollen, bitten, gegen Bezahlung den Lack deines Autos zu schützen, während du mal kurz einkaufen gehst. Derjenige, der das falsche Profil erstellt hat, gab Facebook hingegen keinen Identitätsnachweis. Ich sollte ergänzen, dass ich leicht zu finden und zu überprüfen bin, da ich ein Unternehmen und einen Webauftritt habe, und mein Unternehmen ist im Staatsregister leicht zu finden. Aber hat Facebook das respektiert? Nein. Noch einmal, das ganze Szenario traf mich wie ein Anschlag. Indem Facebook das Sicherheitsloch nicht stopfte, lädt es die Bürden und Risiken dem Betrugsopfer auf seiner Internetseite auf.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Würden Sie sagen, dass das FB-Geschäftsmodell zu einem wesentlichen Teil auf Datenverkauf beruht? In seiner Antwort auf Ihre Anschuldigungen hat der FB-Sprecher gesagt, sie verkaufen keine persönlichen Daten. Vielleicht verkaufen sie sie nicht, sondern geben sie als Tauschware an Werbekunden weiter?

Janet Tavakoli: Meine Position ist, dass Facebook Daten verkauft, indem es die Daten benutzt, um Werbung gezielt einzusetzen. Ein Werbekunde bezahlt Facebook und erwartet, dass es interne Daten benutzt, um die richtige Demographie anzusprechen. Selbst wenn der Werbekunde die tatsächlichen Daten nicht zu sehen bekommt, zahlt er für den Zugang zu den Daten durch Facebooks gezielte Verwendung.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie könnte Facebook die von Ihnen kritisierten Praktiken stoppen?

Janet Tavakoli: Das ist Facebooks Problem. Wenn es das nicht lösen kann und außer Kontrolle verbleibt, dann sollte es das zugeben. Aber ich muss sagen, dass amerikanische Behörden die Menschen enttäuschen, wenn die Allgemeinheit in Bezug auf persönliche Informationen derart erpresst wird.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sollte man Facebook verlassen, um möglichst sicher zu sein, oder gibt es andere Möglichkeiten, seine Privatsphäre zu schützen, wenn man sein Account behält?

Janet Tavakoli: Vielleicht sollten Sie das mit europäischen Behörden besprechen. Selbst wenn Sie ihren Account löschen, welche Sicherheiten haben Sie, dass Ihre gelöschten Informationen nicht gespeichert bleibt? Herr Schrems hat einige wichtige Probleme ans Licht gebracht.

Janet Tavakoli ist Präsidentin von Tavakoli Structured Finance, Inc. Sie kämpft seit langem gegen unseriöse und betrügerische Praktiken bei US-Unternehmen und hat auch Wetten („I’m long puts on Facebook“) gegen Facebook laufen (mehr hier beim WSJ), weil sie das Unternehmen für „heiße Luft“ hält.

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Europas Banken erwarten mit Sorge Ergebnisse von Stress-Test
Europas Banken erwarten mit Sorge Ergebnisse von Stress-Test
Viele europäische Banken erwarten mit Sorge die Ergebnisse des aktuellen Stress-Tests. Es wird erwartet, dass einige Banken neues Kapital auftreiben werden müssen. Tatsache ist: Die europäischen Banken haben seit der Finanzkrise deutlich an Boden gegenüber ihren Konkurrenten aus den USA…
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EZB-Chef Mario Draghi und sein portugiesischer Vize Vitor Constancio, Anfang Dezember in Frankfurt. (Foto: dpa)

EZB-Chef Mario Draghi und sein portugiesischer Vize Vitor Constancio, Anfang Dezember in Frankfurt. (Foto: dpa)

Die US-Banken haben die Finanzkrise hinter sich gelassen, während die Europäer noch immer Altlasten mit sich herumschleppen. Wie gravierend die Unterschiede inzwischen sind, hat das Analysehaus Tricumen ausgerechnet: 2007 fuhren die acht größten europäischen Banken mit dem Handel von Anleihen, Devisen und Rohstoffen noch Einnahmen von 48 Milliarden Dollar ein, die fünf größten US-Banken kamen auf 38 Milliarden. Im vergangenen Jahr schafften die Europäer noch 26 Milliarden Dollar, die US-Häuser dagegen 43 Milliarden. Ähnlich ist der Trend im Beratungsgeschäft. „Ich gehe davon aus, dass die europäischen Banken weiter Marktanteile an die Amerikaner verlieren“, sagt Tricumen-Analyst Darko Kapoor.

Die Deutsche Bank warnt regelmäßig vor diesem Szenario. Europa brauche eine globale Bank, damit Unternehmen diesseits des Atlantiks bei Kapitalmarktgeschäften nicht zu abhängig von US-Banken seien, lautet das Mantra.

Viele Bankmanager werden am 29. Juli keinen entspannten Start in die Sommerferien haben. Statt auf dem Balkon oder am Strand müssen sie den Freitagabend im Büro verbringen und die Ergebnisse des europaweiten Banken-Stresstests auswerten. Die EU-Bankenbehörde EBA will die Resultate an diesem Tag erst um 22 Uhr veröffentlichen, wenn alle wichtigen Börsen geschlossen haben. Auf diese Weise gewährt sie Investoren genügend Zeit, die Ergebnisse bis zur Öffnung der Märkte am Montag zu verdauen. Manche Beobachter fühlen sich an Zeiten der Finanzkrise erinnert, als an Wochenenden regelmäßig Rettungspläne für marode Finanzinstitute gebastelt wurden.

Vergleichbare Aktionen erwarten die meisten Banker und Experten dieses Mal zwar nicht, aber die Stimmung ist vor der Verkündung der Zahlen durchaus angespannt. Neben der Deutschen Bank, die mit ihrer Kernkapitalquote von 10,7 Prozent vielen Konkurrenten hinterherhinkt, stehen vor allem italienische Geldhäuser unter Druck. Sie schieben faule Kredite von 360 Milliarden Euro vor sich her und werden beim Stresstest deshalb nach Einschätzung von Experten besonders schlecht abschneiden. EZB-Chef Mario Draghi hat eine rasche Lösung der Probleme angemahnt.

Am Markt gibt es deshalb Spekulationen, die Politik könne die Stresstest-Resultate als Rechtfertigung nutzen, um italienische Geldhäuser zu stützen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erklärte kürzlich, man solle zunächst die Stresstest-Ergebnisse abwarten, um die Probleme der Banken besser bewerten zu können. Viele Experten halten das jedoch für Augenwischerei. „Das Problem der faulen Kredite in Italien ist seit langem bekannt“, sagt ein Bankvorstand. „Ich erwarte nicht, dass die Behörden aus dem Stresstest grundlegend neue Erkenntnisse gewinnen.“

Schon beim vorangegangenen Fitnesscheck 2014 entpuppten sich die Geldhäuser zwischen Neapel und Mailand als größte Sorgenkinder – passiert ist seitdem wenig. „Wenn die Therapie nicht erfolgt, ist das etwas, das man nicht dem Stresstest anlasten darf“, betont Michael Kemmer, der Hauptgeschäftsführer des deutschen Bankenverbands. Staatshilfen für italienische Banken sind aus seiner Sicht allerdings nur „in eng begrenzten Ausnahmefällen“ denkbar. Bei den neun teilnehmenden Instituten aus Deutschland erwartet Kemmer nach dem Stresstest keine „tiefgreifenden Verwerfungen“. Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny sagte der Nachrichtenagentur APA am Freitag, er wolle die Lage der Geldhäuser nicht überdramatisieren. Das sei „ein lösbares Problem, etwa mit dem bewährten Modell einer Bad Bank“.

Die EBA prüft, wie sich die Zahlen der Geldhäuser in einer Krise entwickeln würden. Anders als 2014 gibt es beim diesjährigen Test keine Mindestkapitalquote, die Banken nach dem sogenannten Stress-Szenario mindestens erreichen müssen – sie können somit auch nicht durchfallen. Die EZB will die Resultate aber berücksichtigen, wenn sie gegen Jahresende individuelle Mindestkapitalquoten für Institute festlegt. Die Stresstest-Ergebnisse sind für Banken also eine Art Zwischenzeugnis.

Investoren wollen dabei genau darauf schauen, wie Banken im Stress-Szenario im Vergleich zu ihren Konkurrenten abschneiden. „Es wird Rankings geben – und der Markt bildet sich dann eine Meinung“, sagt ein hochrangiger Bankenaufseher. Die Geldhäuser müssten deshalb genau erklären, wie ihre Ergebnisse zustande gekommen seien. „Da gibt es sehr methodengetriebene, technische Einflüsse.“ Da die deutschen Institute die schärferen Basel-III-Kapitalregeln schrittweise einführen, wird ihre harte Kapitalquote in den nächsten Jahren zum Beispiel tendenziell sinken – völlig unabhängig vom Stress-Szenario. „Dieser Effekt ist bei den deutschen Banken in Summe nicht ganz unbeträchtlich – und muss erläutert werden.“

Viele Institute hoffen, dass Investoren nach dem Stresstest wieder Vertrauen in den Sektor fassen. Seit dem Brexit-Votum sind Bank-Aktien europaweit eingebrochen. Sollten Investoren oder Aufsichtsbehörden nach dem Test von Banken eine Stärkung ihrer Kapitalpolster fordern, stünde der Finanzsektor dagegen vor großen Problemen. „Banken können wegen der niedrigen Zinsen das Kapital nicht so schnell aufbauen, wie sie müssten“, räumt ein hochrangiger Manager ein. „So schnell kann man die Kosten gar nicht abbauen, um das wettzumachen.“

Innenminister Bayern: Sprengstoff-Anschlag in Gemeinde Ansbach
Innenminister Bayern: Sprengstoff-Anschlag in Gemeinde Ansbach
In Ansbach ist bei einer Explosion vor einer Weinstube ein Mensch getötet und zehn verletzt worden. Das bayrische Innenministerium hält einen Anschlag für möglich.
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Bundesinnenminister Thomas de Mazière mit dem bayrischen Innenminister Joachim Herrmann am Samstag in München. (Foto: dpa)

Bundesinnenminister Thomas de Mazière mit dem bayrischen Innenminister Joachim Herrmann am Samstag in München. (Foto: dpa)

Im bayerischen Ansbach hat es am Sonntagabend möglicherweise einen Sprengstoffanschlag gegeben. Eine Explosion, bei der nach Polizeiangaben ein Mensch starb und zehn verletzt wurden, sei möglicherweise vorsätzlich herbeigeführt worden, sagte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. „Nach jetzigem stand ist es kein Unfall.“

Die Nürnberger Nachrichten melden: „Die Explosion in der Ansbacher Innenstadt war keine Gasexplosion, sondern wurde durch einen Sprengkörper ausgelöst. Dies sagte Ansbachs Bürgermeisterin Carda Seidel bei einer Pressekonferenz. Offenbar hat sich die Explosion in oder vor Eugens Weinstube in der Pfarrstraße ereignet.“ Es sei noch unklar, ob es mehrere Explosionen gegeben hat. Auch sei unklar, ob es sich um einen Anschlag gehandelt habe.

Bei der Explosion ist mindestens ein Mensch getötet worden, zehn Menschen wurden teilweise schwer verletzt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ist aus Berlin abgereist und auf dem Weg nach Nürnberg. Über der Stadt kreisten nach der Explosion mehrere Hubschrauber. Die Spurensicherung ist vor Ort. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei ist im Einsatz. Aus Nürnberg wurden die Freiwilligen Feuerwehren aus Katzwang und Almoshof zur Unterstützung einberufen, berichten die Nürnberger Nachrichten.

Die Hintergründe sind noch unbekannt. Reporter24 berichtet: „Ein Security-Mitarbeiter vom Festival berichtet, dass ein Mann mit Rucksack am Eingang abgewiesen wurde. Anschließend sei er zu dem Lokal gelaufen, kurz bevor es zur Explosion kam.“

Ein Open-Air-Konzert in der Nähe wurde abgebrochen, rund 2.500 Besucher verließen den Veranstaltungsort. Die Räumung verlief ohne Zwischenfälle und geordnet.

Kapitalflucht: Türkei fürchtet Wirtschaftskrieg gegen Erdogan
Kapitalflucht: Türkei fürchtet Wirtschaftskrieg gegen Erdogan
In der Türkei erwarten verschiedene Medien einen Wirtschaftskrieg des Westens gegen die Türkei. Öl ins Feuer goß der Vorsitzende der Grünen, Özdemir: Er fordert EU-Sanktionen. Die Vertreter der US-Handelskammer in der Türkei sind dagegen nicht so pessimistisch.
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Recep Tayyip Erdogan mit seinem Premier Binali Yildirim (li.) und Generalstabschef Hulusi Akar. (Foto: dpa)

Recep Tayyip Erdogan mit seinem Premier Binali Yildirim (li.) und Generalstabschef Hulusi Akar. (Foto: dpa)

Türkische Medien berichten, dass nach dem misslungenen Putschversuch der „Westen“ darauf erpicht sei, Erdogan mit einer vorsätzlich ausgelösten wirtschaftlichen Krise zu stürzen. So titelt die Zeitung Günes „Der zweite Putschplan des Westens ist die Verursachung einer wirtschaftlichen Krise“. So hatte Barbara Wesel von der Deutschen Welle zwei Tage nach dem Putsch geschrieben: „Politische Instrumente bieten sich nicht mehr an, den Sultan vom Bosporus zu stoppen – sondern nur wirtschaftliche. Das beginnt mit einem Kollaps beim Tourismus, gefolgt von einer Abwanderung der Investoren und großen Unternehmen.“ Die regierungsnahe Zeitung Star bestätigt die Feststellung der Türkei-Gegner, wonach die türkische Regierung und Erdogan nicht mit politischen Mitteln gestürzt werden können. Die türkische Opposition sei zwar gegen den Putschversuch gewesen, doch sie erhoffe sich eine Wirtschaftskrise, um Erdogan loszuwerden. Das ist ihre letzte Hoffnung, so das Blatt.

Tatsächlich kommt es aktuell zu einer Kapitalflucht aus der Türkei. Zuvor hatte die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) die Kreditwürdigkeit der Türkei wegen der politischen Turbulenzen auf „BB“ von „BB+“ heruntergestuft– und damit tiefer in den spekulativen Bereich. Die Banken Morgan Stanley, Societe Generale, BNP Paribas und Citigroup deuteten an, sich zurückziehen zu wollen. Patrick Mange, Fondsmanager bei BNP Paribas Investment Partners, sieht türkische Anlagen kritisch.

Am Sonntag hat der grüne Politiker Cem Özdemir als erster europäischer Politiker Sanktionen gegen die „Machthaber“ in der Türkei angeregt. 

Vizepremier Nurettin Canikli sagte am Donnerstag, dass S&P und die Putschisten demselben Zweck dienen würden. Die Milliyet zitiert Canikli: „Schauen sie, man wartet üblicherweise ein bis eineinhalb Monate ab, um die Auswirkungen des Putschversuchs auf die makroökonomischen Indikatoren zu beobachten und einzustufen. Die Entscheidung von S&P ist weder objektiv noch rational. Es ist unmöglich, mit einer rationalen Logik innerhalb dieser kurzen Zeit eine derart scharfe Entscheidung zu fällen. Sie müssen die Auswirkungen auf den Kapitalmarkt, aus den Haushalt und auf alle anderen Bereiche messen. Das ist innerhalb von drei Tagen schlichtweg unmöglich.“

Erdogan sagte, dass die Entscheidung der Ratingagentur eine politische sei. „Diese Ratingagenturen warten auf derartige Gelegenheiten. Doch sie werden uns nicht stoppen und die Notenbank wird die Liquidität sicherstellen“, zitiert Finans Gündem Erdogan.

Währenddessen ist der türkische Finanzminister darum bemüht, die Investoren zu beruhigen.

„Es wird eine maximale Feinfühligkeit für die wirtschaftliche Freiheit geben“, zitiert Bloomberg Simsek. Zudem werde die Türkei Maßnahmen treffen, um private Investitionen zu fördern. The Economist berichtet in diesem Zusammenhang, dass das Scheitern des Putschversuchs sich bisher positiv auf die türkische Wirtschaft ausgewirkt habe. „Das ist kein Sieg für die türkische Demorkatie. Statt die demokratischen Institutionen zu stärken, wird Herr Erdogan seine realen und als Feind wahrgenommenen Feinde säubern und seine eigene Herrschaft etablieren. Putsche können viele Formen haben.“

Die Türkisch-Amerikanische Handelskammer (TABA-AmCham) gibt sich von allen Organisationen und Personen am optimistischsten. Der Chef der TABA-AmCham, Bora Gurcay, sagt, dass US-Firmen im aktuellen Jahr Direktinvestitionen in der Türkei tätigen wollen, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu. Nach Angaben von Gurcay, der auch Chef von Motorola Solutions Turkey ist, sollen vier prominente US-Firmen in den kommenden Monaten große Investitionen in der Türkei durchführen. „Als die Leute das erste Mal von den Ereignissen gehört haben, brach eine Panik bei den ausländischen Firmen aus (…) Aber nachdem das türkische Volk den Putschversuch gestoppt und die Demokratie verteidigt hat, indem sie auf die Straßen gingen, entstand der Eindruck, wonach sich dauerhafte Investitionen in dem Land lohnen“, so Gurcay.

Im vergangenen Jahr befand sich die Türkei auf der Liste der beliebtesten Destinationen für ausländische Investoren auf Platz 20. Es gab ausländische Direktinvestitionen (FDI) von 16,5 Milliarden Dollar, berichtet die Welthandelskonferenz (UNCTAD). Die Renditen für zwei- fünf- und zehnjährige Staatsanleihen hätten aufgrund des Putschversuchs und der Entscheidung der Ratingagentur steigen müssen. Doch dem ist nicht so. Bei allen Staatsanleihen gab es prozentuale Renditenrückgänge. Der Anleihenmarkt hat offenbar nach wie vor ein großes Vertrauen in die türkische Wirtschaft.

Streit mit Türkei: Europa könnte von Öl-Regionen abgeschnitten werden
Streit mit Türkei: Europa könnte von Öl-Regionen abgeschnitten werden
Die aktuelle Entfremdung zwischen der EU und der Türkei wird auch energiepolitische Folgen haben. Die EU wird schrittweise aus den ölreichen Regionen in der Nachbarschaft der Türkei isoliert. Mit der Türkei als EU-Mitglied hätte Europa seine Energiezufuhr autonom bestimmen können.
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Erdogan und Juncker am 5. Oktober 2015 in Brüssel. Juncker will verhindern, dass die EU vom Öl isoliert wird. (Foto: dpa)

Erdogan und Juncker am 5. Oktober 2015 in Brüssel. (Foto: dpa)

Aufgrund der Entfremdung zwischen der Europa und der Türkei wird es für  die EU zunehmend schwieriger, zu den wichtigsten Energieressourcen der Welt einen autonomen Zugang zu bekommen und ihre Energiezufuhr zu kontrollieren. Die Türkei will als Schnittstelle zwischen den EU-Absatzmärkten und den energiereichen Regionen in Zentralasien, im Kaukasus und im Nahen Osten agieren. Wenn die Türkei ein Mitglied der EU wäre, hätte die EU einen direkten Zugang zu jenen Energieressourcen, was entscheidend für die Energieunabhängigkeit der EU wäre. Europäische Energiekonzerne könnten dann den EU-Markt autonom versorgen und einen enormen Einfluss auf die Ölpreisbildung ausüben.

Allerdings gibt es zahlreiche Hinweise dafür, dass sich die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei nicht verbessern, sondern verschlechtern werden. Eine politische Einigung zwischen Ankara und Brüssel ist nicht in Aussicht. Türkische Geopolitiker bewerten die aktuellen Entwicklungen zwischen der EU und der Türkei aus einer globalen Perspektive.

Der türkische Oberst a.D. und Geopolitiker, Nejat Tarakçı, berichtet in einer Analyse der Denkfabrik TASAM: „Nach dem Zerfall der UDSSR gab es zwischen der EU und den USA eine Kooperation, um das entstandene Machtvakuum in Europa auszufüllen. Diese Kooperation wurde nach dem Jugoslawienkrieg und dem Ersten Golfkrieg (1991) aufgelöst, weil die Amerikaner Europa aus den Energie-Regionen verdrängte und gleichzeitig in anderen Bereichen eine Teilung der finanziellen Last verlangte. Die USA traten mit Japan und Deutschland auf der globalen Ebene in eine wirtschaftliche und politische Konkurrenz. Die Strategie Deutschlands, gemeinsam mit Frankreich die EU als balancierenden Gegenpol aufzubauen, ist aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Manövrierfähigkeit der USA ins Leere gelaufen (…). Das Ziel der USA, seine militärische Stärke zu nutzen, um in den ölreichen Regionen ein Monopol aufzubauen, hat dazu geführt, dass die EU und die USA zwangsläufig zu Konkurrenten wurden.“

Audi will Bau von Elektro-Autos beschleunigen
Audi will Bau von Elektro-Autos beschleunigen
Audi will den Bau von neuen Elektro-Modellen forcieren. Das Unternehmen blickt vor allem auf China als neuem Absatzmarkt.
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Audi will in China nicht mehr bloß Spritfresser verkaufen. (Foto: dpa)

Audi will in China nicht mehr bloß Spritfresser verkaufen. (Foto: dpa)

Audi will den Anteil an Elektrofahrzeugen in den kommenden Jahren massiv ausbauen. In einem Interview der Heilbronner Stimme erklärte der Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler: „In den nächsten drei bis vier Jahren werden wir diverse Plug-In-Hybride anbieten. Bis 2020 drei reine E-Autos und bis 2025 einen Anteil von 25 bis 30 Prozent.“ Es werde auch in den unteren Segmenten etwas auf den Markt gebracht. Den Anfang macht nach seinen Worten 2018 ein Geländewagen, gefolgt von einem elektrifizierten Kompaktwagen. Später soll die gehobene Mittelklasse folgen.

Gerade für Märkte wie China sieht Stadler einen hohen Bedarf an E-Autos. Auch das Wasserstoffauto, das Spezialisten in Neckarsulm zur Serienreife entwickeln, soll kommen. Im Gegenzug will Audi sein Modellprogramm straffen. Stadler stellt zum Beispiel die dreitürigen Versionen von A1 und A3 infrage. „Da haben wir andere Ideen für interessantere Derivate“, sagte Stadler. Auch die hohe Variantenzahl bei Motoren, Getrieben, Lenkrädern, Sitzen und anderen Teilen stehe zur Disposition.

EU will europäische Kunden gegen VW unterstützen
EU will europäische Kunden gegen VW unterstützen
Die EU-Kommission will die geschädigten VW-Kunden in Europa beim Kämpf um Entschädigungen wegen des Diesel-Skandals unterstützen. VW-Chef Müller hatte erst vor kurzem erklärt, dass eine Entschädigung für alle europäischen Kunden für das Unternehmen zu einer ernsthaften Belastung würden.
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EU-Kommissarin Vera Jourova mit der US-Staatssekretärin Penny Pritzker in Brüssel. (Foto: dpa)

EU-Kommissarin Vera Jourova mit der US-Staatssekretärin Penny Pritzker in Brüssel. (Foto: dpa)

Die Europäische Kommission will einem Bericht zufolge den Ansprüchen europäischer Volkswagen-Kunden im Dieselskandal zur Durchsetzung verhelfen. Justizkommissarin Vera Jourova wolle die Bemühungen europäischer Verbraucherschützer koordinieren, entsprechende Leistungen durchzusetzen, berichtete die Zeitung Die Welt. Es müsse sichergestellt werden, dass die Verbraucher eine fair behandelt würden, zitiert die Zeitung aus einem Schreiben der Kommissarin. In dem Fall könnten verschiedene Teile des europäischen Verbraucherrechts angewandt werden.

Im Skandal um massenhaft manipulierte Diesel-Abgaswerte lehnt Volkswagen Entschädigungszahlungen für europäische Kunden ab. In den USA hat sich VW dagegen zu Milliardenzahlungen verpflichtet. Bei der Kommission war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. VW wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Zuletzt hatte VW-Chef Müller erklärt, dass Entschädigungen für die Kunden in Europa das Unternehmen in ernste Schwierigkeiten bringen könnten.

Die EZB hat vor kurzem mit dem Ankauf von Unternehmensanleihen von VW begonnen, um dem Konzern in der Krise zu helfen.

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