EU-Weihnachtsfeier: Für die Staatsdiener beginnen heute die Ferien

Der EU-Gipfel hat seine Reformprojekte verschoben. Das Treffen geriet zu einer erweiterten Weihnachtsfeier der EU-Funktionäre und Regierungschefs. Das Nicht-Ergebnis zeigt: Die politisch Verantwortlichen hoffen, dass sich alle Probleme von selbst lösen und machen jetzt erstmal Ferien.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Aktuell
Zentralbanken ändern Kurs und wollen höhere Inflation zulassen

Wenn schon keine Revolution, dann wenigstens etwas fürs Auge: Herman Van Rompuy und die dänische Ratspräsidentschaft Helle Thorning-Schmidt. (Foto: consilium)

Wenn schon keine Revolution, dann wenigstens etwas fürs Auge: Herman Van Rompuy und die dänische Ratspräsidentschaft Helle Thorning-Schmidt. (Foto: consilium)

Herman Van Rompuy hat sicher einige Nächte an seinen Visionen über die Vereinigten Staaten von Europa gebrütet. Er hat auch einige dramatische Sitzungen mit Jean-Claude Juncker von der Euro-Gruppe und dem von der Politik ganz und gar unabhängigen Mario Draghi (EZB) abgehalten, bei der das Vereinte Europa beschworen, beschrieben und berechnet wurde.

Beim Gipfel konnte der große Plan jedoch nicht umgesetzt werden, ja er verließ noch nicht mal den Aktenkoffer von Van Rompuy. Denn die Regierungschefs sind viel zu weit auseinander, um sich jetzt in ein solches Refoermvorhaben zu stürzen. Und die meisten Regierungschefs haben im Moment andere Sorgen, als Herrn Van Rompuy („vor vierzig Jahren hätte man mich in die Psychiatrie gesteckt!“ – hier) zuzuhören: Italien kämpft den Abwehrkampf gegen Berlusconi, Spanien ist pleite, Frankreich will seine Pleite noch vertuschen, die Niederlande straucheln, die Österreicher haben bis zu 1,7 Milliarden Euro im Casino verpulvert und Angela Merkel möchte im Herbst 2013 wiedergewählt werden.

Angela Merkel erklärte dem französische Präsidenten Francois Hollande, dass sie vor der Bundestagswahl keinen Crash in Paris wünsche. Hollande darauf: Mais violà! (Foto: consilium)

Angela Merkel erklärte dem französische Präsidenten Francois Hollande, dass sie vor der Bundestagswahl keinen Crash in Paris wünsche. Hollande darauf: Mais violà! (Foto: consilium)

Das alles ist sehr anstrengend, und daher wollte in Brüssel an diesem verlängerten Wochenende auch niemand mehr arbeiten. Nur Herman Van Rompuy versuchte, endlich die Revolution von oben auszurufen – doch keiner hörte ihm zu. Van Rompuy erinnerte an den legendären österreichischen Fußballspieler Walter Schachner, dem 1982 beim Skandalspiel von Gijón niemand gesagt hatte, dass die deutschen und österreichischen Spieler auf einen Nichtangriffspakt verständigt hatten. Keiner der 21 Spieler bewegte sich während des ganzen Spiels, nur Schachner rannte sich die Lunge aus dem Leib (Video vom Spiel hier).

Daher wurden alle Entscheidungne vertagt, weiterempfohlen, zur Prüfung übergeben, an die entsprechenden Gremien weitergeleitet (Original hier).

Herman Van Rompuy wertete die Weihnachtsfeier dennoch als vollen Erfolg: Er pries sich, weil er am Montag in Oslo war, um sich seinen Friedensnobelpreis abzuholen; er pries die EU für den Beschluss der Bankenunion (ein Rohrkrepierer – hier) und lobte nochmal sich selbst, weil er für sein Konzeptpapier, das keiner lesen wollte, nur sechs Monate benötigt habe. Rompuy wörtlich: „Wir haben geliefert und wir haben gezeigt, wie schnell und effizient wir arbeiten können!“ (Original hier).

Nun werden alle europäischen Staatsdiener in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub gehen. Selbt im preussischen Berlin kann man in bei Ministerien und Verbänden seit Anfang Dezember ein behagliches Gefühl verspüren, wenn einem die leitenden Beamten sagen: Wir lassen jetzt mal das Jahr ruhig ausklingen. Das machen sie auch und erledigen die letzten Weihnachtseinkäufe. Dann legt sich der feine Schnee über die Hauptstädte im Norden Europas, in Köln und weiter südlich regnet ist und alle Europäer erwarten das Jahr 2013, in dem nach Auffassung der Zentralbanken die Grenzwerte für die Inflation aufgebrochen und der Schuldenkrise ein schleichendes Ende bereitet werden soll (mehr dazu – hier).

Zufriedenheit bei der EU über die Erfolge im abgelaufenen Jahr bei Dalia Grybauskaite und Catherine Ashton. (Foto: Europäische Kommission)

Zufriedenheit bei der EU über die Erfolge im abgelaufenen Jahr bei Dalia Grybauskaite und Catherine Ashton. (Foto: Europäische Kommission)

Weitere Themen
»Rettungsroutine« zum Wort des Jahres 2012 gewählt
USA: Öffentliche Busse zeichnen heimlich Gespräche der Fahrgäste auf
US-Investorin: „Mehr als die Hälfte der Facebook-Profile könnten gefälscht sein“

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick