Feudalismus: Investment-Banker werden US-Diplomaten

Um für die USA Botschafter in einem attraktiven Land werden zu können, muss man reich sein. Denn der Staat ist pleite und kann sich die aufwändigen Repräsentations-Kosten nicht mehr leisten. Immer mehr Investment-Banker gelangen auf diesem Wege in die Politik - und finanzieren die US-Außenpolitik auf diskrete Weise.

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Peer Steinbrück hat neulich mit seiner Forderung nach einem höheren Gehalt für den Bundeskanzler einen wunden Punkt getroffen. Jenseits der Neiddebatte zeigt sich nämlich: weil die Staaten des Westens im Kern alle pleite sind, können sie sich die Aufrechterhaltung der öffentlichen Geschäfte kaum noch leisten. Daher findet eine stille Privatisierung statt. Wir sich am Beispiel der USA zeigt, führt dies zu einer ganz neuen Art der feudalistischen Eliten-Bildung.

Wenn man in den USA einen lukrativen Botschaftsposten erhalten will, ist es äußerst hilfreich, einflussreichen Politikern viel Geld zukommen zu lassen. Präsident Barack Obama etwa zieht derzeit in Erwägung, Anna Wintour, die Chefredakteurin des Magazins Vogue, als Botschafterin ins Vereinigte Königreich zu schicken, berichtet Business Week. Sie hatte Obamas Wahlkampf nicht nur mit 500.000 Dollar unterstützt, sondern außerdem die Modelinie „Runway to win“ (Laufsteg zum Sieg) ins Leben gerufen, mit deren Hilfe 40 Millionen Dollar für Obamas Wahlkampf eingesammelt wurden.

Während zwei Drittel der US-Botschafter eine Karriere im diplomatischen Dienst durchgemacht haben, wird etwa ein Drittel der amerikanischen Botschafter aufgrund diskreter Bestechung politischer Dienste ausgewählt. Meist handelt es sich dabei wie im Fall von Anna Wintour um großzügige Wahlkampfunterstützung.

Um Botschafter in einem reichen Land zu werden, muss man sehr wohlhabend sein. Denn einerseits benötigt man viel Geld, um über Wahlkampfhilfen und ähnliches überhaupt an den Job zu kommen. Und andererseits hat man als Botschafter beträchtliche laufende Kosten, da die staatlichen Mittel allein nicht genügen, um die hohen Kosten der regelmäßigen Partys und Abendessen zu decken. Denn von einem Botschafter wird erwartet, dass er für die entsprechenden Kosten von zum Teil mehr als einer Million Dollar pro Jahr aufkommt.

Deshalb werden in beliebten Ländern wie Frankreich oder Italien meist wohlhabende Spender Botschafter und keine Karriere-Diplomaten. Louis Susman, der aktuelle US-Botschafter im Vereinigten Königreich, war früher Investment-Banker. „Politische Botschafter haben mehr Ressourcen und können etwas großzügiger für Unterhaltung sorgen“, zitiert Business Week Mel Sembler, Botschafter in Australien unter George H.W. Bush und in Italien unter George W. Bush. „Wir haben mehr ausgegeben, als unser Haushalt hergab, weil wir auf diese Weise für Unterhaltung sorgen“, so Sembler.

Auch der US-Botschafter in Berlin hat eine entsprechende Vergangenheit: Passend zur Euro-Krise kommt er von Goldman Sachs (hier).

Im Austausch für reichliche Spendengelder und die großzügige Botschaftsunterhaltung haben die USA aber auch einiges zu bieten. Zum einen gibt es den prestigeträchtigen Botschaftertitel. Zum anderen leben die Botschafter vor allem in Europa in wahren Palästen, wie im Londoner Winfield House. Es verfügt über 5 Hektar Privatgärten, so viel hat in England sonst nur der Buckingham Palast.

Amerikanische Botschaften bieten ihren Hausherren auch den Genuss teurer Kunstwerke, die andere höchstens im Museum sehen können. Dieses moderne Gemälde von Mark Rothko etwa hängt im Winfield House in London. (Foto: Screenshot 31.12.2012)

Amerikanische Botschaften bieten ihren Hausherren auch den Genuss teurer Kunstwerke, die andere höchstens im Museum sehen können. Dieses moderne Gemälde von Mark Rothko etwa hängt im Winfield House in London. (Foto: Screenshot 31.12.2012)

Und dem amerikanischen Botschafter in Italien steht ein Weinkeller mit 5.000 Flaschen Wein in der Villa Taverna in Rom zur Verfügung, berichtet Business Week. Außerdem werden in den amerikanischen Botschaften über ein spezielles Programm des US-Außenministeriums Kunstwerke aus den großen amerikanischen Museen ausgestellt.

Vogue-Chefin Anna Wintours Konkurrent bei der Ernennung zum Botschafter im Vereinigten Königreich ist Barack Obamas langjähriger Unterstützer und Mitarbeiter Matthew Barzun. Doch Wintour soll auch an der Botschaft in Paris Interesse bekundet haben. Dort müsste sie sich gegen den milliardenschweren Hedge-Fund-Manager Marc Lasry durchsetzen, der den amerikanischen Präsidenten allein im Jahr 2012 mit mehr als 200.000 Dollar unterstützt hat.


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