Kreislauf des Todes: Das große Geschäft mit dem Hunger

Die Deutsche Bank hält an Spekulationen mit Nahrungsmitteln fest, die ihrer Ansicht nach nicht für die massiven Preisanstiege der letzten Jahre verantwortlich sind. Verbraucherschützer warnen vor Hungerskatastrophen, die durch die fortgesetze Spekulation ausgelöst werden können. Auch das fortgesetzte Gelddrucken durch die Zentralbanken treibt die Nahrungspreise.

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Der Nahrungsmittel-Index unterliegt starken Schwankungen, was vor allem in den armen Ländern zu großen Engpässen führen kann. Verbraucherschützer geben den Spekulanten die Schuld. (Grafik: Jashuah, Daten: FAO)

Der Nahrungsmittel-Index unterliegt starken Schwankungen, was vor allem in den armen Ländern zu großen Engpässen führen kann. Verbraucherschützer geben den Spekulanten die Schuld. (Grafik: Jashuah, Daten: FAO)

Die Deutsche Bank wird an der Spekulation mit Nahrungsmitteln festhalten, sagte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen im Rahmen der Lebensmittelmesse „Grüne Woche“ in Berlin. Verbraucherschützer hatten wiederholt die Spekulation mit der von den großen Zentralbanken zur Verfügung gestellten Liquidität für die massiv steigenden Lebensmittelpreise verantwortlich gemacht. Dies veranlasste die Deutsche Bank 2012 dazu, einen Ausstieg aus ihren entsprechenden Geschäften zu prüfen.

Doch entsprechende Untersuchungen hätten keinen Zusammenhang zwischen der Spekulation mit Lebensmitteln und dem Hunger in der Welt ergeben, erklärte Fitschen die Position der Deutschen Bank. Das Gegenteil sei der Fall. Agrar-Derivate hätten eine wichtige Funktion im weltweiten Handel. Sie böten etwa Nahrungsmittelproduzenten die Möglichkeit, sich gegen fallende Preise abzusichern. Deshalb habe sein Institut entschieden, „im Interesse der Kunden“ weiterhin Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anzubieten, so Fitschen.

Auch Nestlé-Chef Peter Brabeck-Letmathe sieht in der Spekulation nicht die Ursache für steigende Preise, sondern in einer verfehlten Politik etwa beim Biosprit (mehr hier). Er räumte jedoch ein, dass Spekulationen zu höherer Volatilität führen könnten, die es aber ohnehin gebe. Denn vor allem realwirtschaftliche Faktoren wie Dürren und Kriege sind für die Preisschwankungen verantwortlich. Und der langfristige Preisanstieg bei den Nahrungsmitteln hat seine Ursache einerseits im fortgesetzten Gelddrucken der großen Zentralbanken (mehr hier) und andererseits in den Agrar-Subventionen der westlichen Länder (mehr hier).

Die Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch versucht seit langem, die Deutsche Bank zu einem Rückzug aus den Spekulationen mit Nahrungsmitteln zu bewegen. Unter dem Slogan „Hände weg vom Acker, Mann!“ hatte sie eine Unterschriftenaktion gegen Josef Ackermann, den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank gestartet (mehr hier).

Die Entscheidung des Instituts, an der Lebensmittel-Spekulation festzuhalten, bezeichnete Foodwatch-Gründer Thilo Bode als „in hohem Maße unverantwortlich“, zitiert ihn Reuters. Die von der Deutschen Bank vertriebenen Finanzprodukte führten „zu spekulativen Preisblasen“ und könnten somit auch weiterhin „Hungerkatastrophen auslösen“, so Bode. Auch der Investor Jeremy Grantham warnte im letzten Jahr vor zunehmendem Hunger auf der Welt, da die Düngemittel und die zur Verfügung stehende Ackerfläche an ihre Grenze gelangt seien (mehr hier).


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