Der politische Aschermittwoch: Randgruppen unter sich

Ganz gleich ob Steinbrück, Seehofer, Brüderle oder Trittin – Der Politische Aschermittwoch hat seine Schärfe verloren. Flache Witze, Floskeln zum Mitgrölen, Fähnchen und Bier – eine nüchterne Bilanz.

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Fast 20 Minuten musste der Zuschauer über die Live-Streams der CSU und SPD den unterschiedlichen Blasmusikern zuhören, um im Anschluss daran eine zehnminütige Danksagung an verschiedene Persönlichkeiten über sich ergehen zu lassen. Kein Wunder, dass Bierbänke und Alkohol seit Jahren im Zentrum des Politischen Aschermittwochs stehen.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück konzentrierte sich bei seiner Rede vor allem auf die Zerstrittenheit der Koalition (Foto: Screenshot/DWN).

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück konzentrierte sich bei seiner Rede vor allem auf die Zerstrittenheit der Koalition (Foto: Screenshot/DWN).

Während sich die Kanzlerin erst am Mittwochabend in im mecklenburgischen Demmin die Ehre gibt, legten CSU, FDP, Grüne und die SPD schon am Morgen vor. Das Themenspektrum war weit gefasst – so wie es sich eben ergibt, um seinen politischen Gegnern mal hier mal da einen kleinen Seitenhieb zu verpassen. Mit den Worten‚ ‘Wählt mich und haut euch noch ein Bier rein‘ ging Peer Steinbrück (SPD) ins Rennen. Der erste nennenswerte Hieb bezog sich denn auf die CSU-Veranstaltung, zu der Steinbrück zufolge nur 6.000 Anhänger gekommen seien. Steinbrück prahlte, dass bei der SPD immerhin 10.000 anwesend seien und folgerte. Im Vergleich zur SPD sei die CSU eine „radikale Randgruppe“. Zudem sei die Koalition „so beliebt wie eine Blinddarmentzündung und Wurzelbehandlung auf einmal, das tut sich keiner freiwillig an“. Im Endeffekt sei die  FDP  „der Vampir, der die Union immer blasser“ mache.

Die SPD hingegen sage, was Sache ist und packe die Probleme an, so Steinbrück. Seine Aussagen als Kanzlerkandidat klängen zwar anders als seine früheren Aussagen, aber „ich bin mir sicher, dass ihr keinen Dampfplauderer wollt“. In Merkels „Kinderzimmer ist es gerade ziemlich leer, da brauche ich mich nicht zu Muttis Liebling machen“.

Ministerpräsident Bayerns und Vorsitzender der CSU, Horst Seehofer, konzentrierte sich beim Aschermittwoch vor allem auf Peer Steinbrück und das Land Bayern (Foto: Screenshot/DWN).

Ministerpräsident Bayerns und Vorsitzender der CSU, Horst Seehofer, konzentrierte sich beim Aschermittwoch vor allem auf Peer Steinbrück und das Land Bayern (Foto: Screenshot/DWN).

Horst Seehofer (CSU) konnte verglichen mit den Sticheleien Steinbrücks auch keine wahrlich rhetorischen Spitzfindigkeiten beim Politischen Aschermittwoch an den Mann oder die Frau bringen. Er bezeichnete den SPD-Kanzlerkandidat als den „Schuldenkönig der Bundesrepublik“, dessen Lebensmotto „Jedem das Seine und mir das Meiste“ wäre. Insofern, so Seehofer, empfehle er Steinbrück: „Besser den Mund zuzuhalten, als die Hand aufzuhalten“. Doch der Ausflug zur bundespolitischen Ebene hielt nicht allzu lang an. Immerhin ist die CSU ja auf ihre Wähler in Bayern angewiesen. Und wie Seehofer und Stoiber am Ende sagten: „Bayern, des samma mir“. Bayern sei die Vorstufe zum Paradies. Seehofer verteidigte noch einmal die Klage Bayern gegen den Länderfinanzausgleich. „Denn wir Bayern sind nicht blöd. Wir haben die Schnauze voll, dass wir alle anderen mitfinanzieren“. Wenn Bayern schon die Hälfte des Länderfinanzausgleichs zahle, „dann gehört uns auch die Hälfte der Bundesrepublik Deutschland“, so Seehofer.

Rainer Brüderle (FDP) ist bei seiner Wortmeldung zum Politischen Aschermittwoch nicht mehr eingefallen, als die Finanzen des Kanzlerkandidaten noch einmal aufzutauen. Steinbrück müsse man nur ein Stichwort wie Geld, Kohle oder Asche liefern und schon sei dieser zu allem bereit. „Er findet das Kanzlergehalt zu niedrig? Keine Sorge, die Wähler ersparen dir das Armenhaus im Kanzleramt“, so Brüderle. Der Kanzlerkandidat der SPD sei letztlich nicht mehr als ein „Möchtegern Sparkassendirektor“ und die Grünen „predigen Müsli und fressen Kaviar. Hier mischt sich Öko mit Schickeria“. Die FDP hingegen sei vom Himmel geschickt worden und habe die Union besser gemacht.

Der Grünen Spitzenkandidat Trittin wetterte  vor allem gegen Angela Merkel und Rainer Brüderle. So nahm er Bezug auf die in die Kritik geratene Rüstungspolitik der Regierung und sagte: „Der beste Freund von Angela ist König Abdullah.“ Zudem müsse der asoziale Zynismus in Deutschland beendet werden und weiter: „Wir versuchen alle, vor allem nach Aschermittwoch, unseren inneren Schweinehund zu überwinden“, so Trittin. „Die FDP macht ihn zum Spitzenkandidaten.“

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