Goldschmied kämpft gegen die Zerstörung seines Papst-Rings

Der römische Goldschmied und Kunsthistoriker Claudio Franchi will verhindern, dass der von ihm geschaffene päpstliche Ring nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. zerstört wird. Dies geschieht traditionellerweise nach dem Tod eines Papstes – und entspricht einer falsch verstandenen Tradition. In jedem Fall war der Gold-Ring ein erstklassiges Investment.

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Der goldene Ring des Papstes: Der Goldschmied, der ihn verfertigt hat, protestiert gegen die geplante Vernichtung. (Foto: Claudio Franchi)

Der goldene Ring des Papstes: Der Goldschmied, der ihn verfertigt hat, protestiert gegen die geplante Vernichtung. (Foto: Claudio Franchi)

Zu den geheimnisvollen Traditionen des Vatikan gehört die Zerstörung des päpstlichen Rings nach dessen Tod. Auch im Fall des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. will die Kurie an dieser Tradition festhalten. Sie rührt daher, dass der Ring von den Päpsten bis 1842 als Siegelring verwendet wurde, um Dokumente offiziell zu bestätigen. Mitte des 19. Jahrhunderts geschieht dies jedoch nicht mehr durch einen Ring, sondern durch einen vergleichsweise profanen Stempel.

Der römische Goldschmied und Kunsthistoriker Claudio Franchi hat daher die Ankündigung der Kurie, auch den von ihm gefertigten Ring von Papst Benedikt XVI. zu zerstören, mit Entsetzen vernommen – und will diese aus seiner Sicht barbarische Maßnahme verhindern. Und er hofft, dass die Kardinäle seinem Wunsch folgen werden: Er glaube, dass die Kardinäle nach einer Lösung suchen, wie eine Zerstörung verhindert werden könne. Allerdings hatte der Pressesprecher des Vatikan, Pater Federico Lombardi bereits angekündigt, dass der Ring zerstört werden müsse, weil er ein Zeichen der päpstlichen Jurisdiktion sei.

Dank der Goldpreis-Entwicklung hat sich der Wert des Rings in wenigen Jahren verdreifacht. (Foto: Claudio Franchi)

Dank der Goldpreis-Entwicklung hat sich der Wert des Rings in wenigen Jahren verdreifacht. (Foto: Claudio Franchi)

Dem widerspricht Franchi: Der Ring sei vom Papst nie als Siegelring verwendet worden, sondern als Schmuckstück. Daher sei eine Zerstörung aus rechtlichen Gründen sinnlos, aus kunsthistorischen Gründen Unsinn. Außerdem seien auch im Mittelalter die Ringe nicht einfach zerbrochen oder eingeschmolzen worden. Franchi: „Man hat dort, wo das Siegel war, einfach ein X eingeritzt, so dass der Ring als Siegelring unbrauchbar wurde.“

Der Ring enthält 35 Gramm Gold und zeigt den Heiligen Petrus, wie er sein Netz auswirft. Kleiner Trost für Franchi: Sollte der Ring tatsächlich zerstört werden, gibt es noch einen zweiten, modernen mit demselben Motiv. Auch diesen hatte der Papst bei seiner Amsteinführung erworben. Er befindet sich im Vatikan und wird keinesfalls zerstört.

Der Wert des Rings liegt bei etwa 1.800 Dollar. Für den Papst war der Ring ein erstklassiges Investment: Dem reinen Goldpreis zufolge hat sich der Wert des Rings, den Joseph Ratzinger im Jahr 2005 gekauft hat, in den wenigen Jahren seiner Regentschaft verdreifacht.

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