Frankfurter Rundschau: Türkischer Interessent ist Dumping-Verleger

Der türkische Jung-Verleger Burak Akbay will die FR kaufen und mit weniger Mitarbeiter weiterführen. In der Türkei ist er dafür bekannt, dass er Dumping-Löhne zahlt. Er tröstet die Journalisten jedoch mit dem Hinweis, dass sie dafür journalistische Freiheit bekommen.

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In Deutschland hat man den Namen Burak Akbay erst vor einigen Wochen im Zusammenhang mit dem Verkauf der insolventen Frankfurter Rundschau zum ersten Mal in einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen: Akbay hat dem Insolvenzverwalter ein Kaufangebot für die FR vorgelegt. Er will 80 Mitarbeiter übernehmen. Das erste Angebot des türkischen Verlegers hatte Insolvenzverwalter Frank Schmitt als „nicht tragbar“ zurückgewiesen.

Burak Akbay ist auch in der türkischen Medienlandschaft keine herausragende Figur. Sein Verlag gibt neben der Tageszeitung Sözcü auch die Sportzeitung Fotogol und die Satire-Zeitung Gırgır heraus. Zeitungen im Ausland betreibt er nicht. Jedoch soll die Sözcü im Verlauf des Jahres 2013 auch auf dem deutschen Markt erhältlich sein. Ein gewagtes Unterfangen, weil alle türkischen Zeitungen in Deutschland nur schwer Fuß fassen. Eben erst hat die Milliyet ihre Deutschland-Ausgabe dichtgemacht.

Nach Informationen der Deutsch Türkischen Nachrichten verfolgt Akbay ein radikales Dumping-Konzept. Er zahlt wesentlich weniger als andere Medien, Gewerkschaften kennt er nur vom Hörensagen.

Er selbst gefällt sich in der Rolle des Underdogs. In einem Interview mit der türkischen Journalistin Zeynep Kurtbay sagte er im Jahr 2010, dass die Vergütungen der Mitarbeiter bei seiner derzeitigen Zeitung Sözcü nicht zu vergleichen seien mit anderen Zeitungen wie zum Beispiel Habertürk. Diese fallen bei ihm geringer aus. Seine Angestellten und er seien wie eine Familie. Da seien niedrige Gehälter kein Problem. Das stimmt: Sein Unternehmen ist im Wesentlichen ein Familien-Betrieb. Wie in vielen anderen kleinen türkischen Unternehmen gelten bei Akbay patriarchische Gesetze. Er legt die Gehälter fest, und diese können schon auch mal variieren, je nach Wirtschaftslage oder Sympathie-Faktor. Das Patriarchat zieht sich auch durch das Management: Akbay folgt als Verleger seinem Vater Ertuğrul Akbay nach, einer skurrilen Gestalt, der vielen Türken in Erinnerung ist, weil er sich in der Öffentlichkeit andauernd mit seinem gesunden Lebensstil brüstete.

Von Ausbeutung will Akbay nichts hören. Er beschäftige 40 Angestellte. Das müsste doch für sich selbst sprechen.

Doch selbst türkische Mini-Stars wie der ehemalige Kolumnist der Hürriyet, Emin Çölaşan, werden schlecht bezahlt. Çölaşan bekomme bei ihm nur ein Drittel des Gehalts. Der Journalist dementierte nicht. Akbay hat für die Verhältnisse einen ideologischen Überbau: „Was wir unseren Mitarbeitern in erster Linie bieten, ist journalistische Freiheit und nicht Geld.“ Das müssten alle akzeptieren, er habe eben nicht mehr finanzielle Mittel. Immerhin: Die Freiheit haben die Redakteure, zumindest so lange die AKP am Ruder ist: Akbay bekämpft sie als strammer Kemalist nach Kräften.

Akbay hat auch eine triftige Begründung: „Wenn wir viel Geld hätten und Fernsehsender besitzen würden, dann könnten wir uns auch besser vermarkten und würden eine Auflagensteigerung von bis zu 500.000 Exemplare erreichen.“, meint Akbay. Die Sözcü könne sich in dieser Hinsicht nicht mit den großen Zeitungen messen.

Akbay wollte den Deutsch-Türkischen Nachrichten keine Stellungnahme abgeben. Mehrere Emails und Telefonanrufe blieben unbeantwortet. Zuletzt teilte seine Assistentin mit, der Verleger säße im Flugzeug und könne nicht sprechen.

Das Angebot für die FR sehen viele nur als PR-Gag. Nicht nur wegen seines zweifelhaften Hintergrunds hat Akbay kaum Chancen auf die Übernahme: Die FR hat dank des katastrophalen Missmanagements der Verlags auch den ganzen Kölner DuMont-Verlag in Bedrängnis gebracht. DuMont und sein Zeitungsvorstand Franz Sommerfeld sowie die sozialdemokratische Medien-Holding ddvg weigern sich selbst in der Schlussphase des unrühmlichen Kapitels, vereinbarte Übergangszahlungen zu leisten, wie die Gewerkschaft beklagt.

Es gilt als ausgemacht, dass die FR von der FAZ geschluckt wird. Ein solcher Deal ist für alle Beteiligten die bequemste Lösung, wenn man vielleicht von den Mitarbeitern absieht. Ähnlich lief es auch bei der FTD, die vom Handelsblatt geschluckt wurde.

Für den Insolvenzverwalter ist der schillernde Türke daher ein willkommener Joker im Poker: Er kann der FAZ einen etwas höheren Preis abringen, wenn er einen Wettbewerber präsentieren kann. Wenn der von weit weg kommt und daher nicht eingeschätzt werden kann, umso besser. Denn der Insolvenzverwalter braucht jeden Cent, um den Schaden bei der heruntergewirtschafteten FR zu begrenzen. Der deutsche Zeitungs-Markt hat nämlich mit einem nicht unerheblichen Dumping anderer Art zu tun: Die Leistungen etlicher Verlagsmanager bleiben deutlich unter den Standards, die man für diese Positionen erwartet.

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