Chip an Bord: Bürger sollen beim Autofahren überwacht werden

Der Versicherer AIG und Vodafone wollen die Bürger im Detail beim Autofahren überwachen. Chip-Geräte sollen Daten über Fahrstil, Ort oder Uhrzeit vom Auto direkt zum Versicherer senden. Datenschützer sind alarmiert. Eine Weitergabe der Daten an staatliche Behörden ist eine der Anwendungs-möglichkeiten der neuen Technologie.

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Der US-Versicherungsriese AIG möchte zusammen mit dem Handynetzbetreiber Vodafone neue Versicherungstarife anbieten. Die Berechnungsbasis der neuen Tarife soll das Fahrverhalten der Kunden sein. Chip-Geräte im Auto sollen Daten aufzeichnen und über das Handynetz direkt an den Versicherer senden. „In drei Monaten wollen wir damit weltweit außerhalb von Nordamerika Versicherungen anbieten“, sagte ein Vodafone-Sprecher dem Handelsblatt.

Der Grund für diesen Vorstoß dürfte eine Berechnung britischer Versicherer sein. Diese stellten fest, dass finanzielle Entschädigungen eines Versicherers um 30 Prozent sinken können, wenn solche Überwachungssysteme eingesetzt werden. Unter Beobachtung würden die Fahrer vorsichtiger fahren. Als Belohnung für die Datenübermittlung sollen die Versicherungsbeiträge der Autofahrer sinken.

Tatsächlich bietet eine solche Technologie der Industrie und den Behörden ganz neue Möglichkeiten des Zugriffs auf die Bürger: Faktisch wird mit diesen Chips unter dem Vorwand der Kostensenkung für den Kunden ein flächendeckender Bewegungsmelder installiert. Damit kann jeder einzelne geortet werden, auch sind alle seine Bewegungen kontrollierbar. Erst kürzlich hatte die Firma PanAmp auf dem Europäischen Polizeikongress in Berlin eine Technologie vorstellt, mit welcher alle WLAN-Zugriffe überwacht werden können (hier).

Datenschützer kritisieren die Überwachung durch die Chip-Geräte. Autofahrer müssten über die erhobenen Daten genau informiert werden, sagte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar dem Handelsblatt. Im Datenschutzrecht gelte der Grundsatz der Datensparsamkeit. „Fraglich ist daher, ob nur Daten erhoben werden, die tatsächlich erforderlich sind“, hieß es in einem Statement aus der Pressestelle des Bundesdatenschutzbeauftragten. Es sei auch zu hinterfragen, wie lange diese Daten gespeichert und wie sie vor unbefugtem Zugriff Dritter gesichert werden.

Deutsche Versicherer stehen der neuen Technik ebenfalls skeptisch gegenüber. Die Firmen Huk Coburg und Axa wollten zunächst noch abwarten, ob das neue System wirklich eine bessere Bewertung des Fahrerrisikos erlaubt. Gegenwärtig bestimmen Faktoren wie Wohnort, Alter oder Fahrzeugtyp die Höhe des Versicherungsbeitrags.

Für die Bürger, denen ja auch schrittweise das Bargeld abgenommen werden soll (hier), bedeutet die Initiative einen weiteren Schritt zum gläsernen Menschen – für den sich vor allem der Staat interessiert. Schon heute sind Internet-Konzerne wie Google oder Facebook verpflichtet, den Behörden Nutzerdaten preiszugeben, wenn diese den Wunsch dazu äußern. Richterliche Beschlüsse oder ein begründeter Verdacht in der Steinzeit der Juristerei sind heutzutage völlig aus der Mode gekommen.

Stattdessen arbeiten Konzerne und Behörden Hand in Hand, um stets Zugriff auf die Bürger zu haben. AIG war im Zuge der Finanzkrise vom US-Steuerzahler gerettet worden. Der größte Versicherer der Welt profitierte danach von der Geldflut, die von der Fed gedruckt wurde. Mit diesem Spielgeld wurden die Kredite der Regierung zurückgezahlt.


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