Stiftung Warentest will „kritisches Konsumverhalten“ fördern

Die Stiftung Warentest bezieht zu ihren Aktivitäten an deutschen Schulen Stellung. Man verfolge damit keine finanziellen Ziele.

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Die DWN hatten über die Aktivitätn der Stiftung Warentest an Deutschen Schulen berichtet (hier). Die Stiftung widerspricht nun in einer Stellungnahme dem Vorwurf, sie wolle die Kinder zu staatlich kontrollierten Konsumenten machen.

Gerne geben wir der Stiftung Warentest Gelegenheit zu einer ausführlichen Stellungnahme.

Die Positionen der Stiftung im Wortlaut:

1. Sie schreiben: „Mit Schulprojekten will die Stiftung Warentests die Schüler an ihre Publikationen binden.“

Das ist so nicht richtig. Aufgabe der Stiftung Warentest ist laut ihrer Satzung „die Förderung von Verbraucherschutz“ (§2). Mit den Schulprojekten „test macht Schule“ und „Finanztest macht Schule“ will die Stiftung Warentest genau diesem Satzungsauftrag nachkommen. Das Besondere hier ist, dass wir mit den Schulprojekten Verbraucherschutz in einer bestimmten Altersgruppe fördern (bei Schülern ab Klassenstufe 9). Das ist ein Alter, in dem sich Schüler bereits bewusst mit den Konsequenzen ihres Konsumverhaltens auseinandersetzen können.

2. „Und am liebsten wäre es der Stiftung Warentest, wenn sich am Ende des Jahres einige Schüler dazu entscheiden, ein Abo für die Zeitschrift abzuschließen – oder sogar die Schule selbst.“

Das ist nicht richtig. Die Stiftung Warentest verfolgt keine finanziellen Interessen mit ihren Schulprojekten. Die Schulprojekte haben nicht das Ziel, Abonnenten zu gewinnen, sondern einzig und allein, kritisches Konsumverhalten zu fördern. Dass die Zeitschriftenprojekte keine „verkappten Marketingaktionen“ sind, zeigt sich schon daran, dass die Stiftung die Schüler weder mit Namen noch mit Adressen kennt und auch kein Interesse hat, Adressdaten der Schüler zu erhalten. Dieses Verhalten steht übrigens im Gegensatz zu manch anderem Zeitungs- oder Zeitschriftenprojekt. Bei manch einem Zeitungsverlag wird am Ende des Schulprojekts angeboten, die Zeitung noch während der Schulferien kostenfrei an die Privatadresse weiterzuliefern – um so an Adressen für Mailings oder andere Werbeaktionen zu kommen. Oder es wird eine Bestellkarte für ein Abonnement beigelegt, das die Schüler psychologisch unter „Zugzwang“ setzt, ein Abo abzuschließen, nachdem sie über eine längere Zeit die Zeitung kostenfrei erhalten haben.

3. „… kann man sie (die Stiftung Warentest) doch in gewisser Weise als das gedruckte Pendant zum Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk sehen.“

Das ist nicht richtig: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Stiftung Warentest sind nicht vergleichbar, nicht nur wegen ihrer Aufgabenstellung, sondern unter anderem auch wegen ihrer Organisationsform und der Finanzierung. Die Stiftung Warentest ist als Stiftung bürgerlichen Rechts eine unabhängige Institution (Stiftung), die ausschließlich ihrem Satzungsauftrag verpflichtet ist. Eine politische Einflussnahme auf ihre Tätigkeit ist ausgeschlossen. Und was die Finanzierung betrifft: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk finanziert sich zum größten Teil über Gebühren sowie zu einem kleineren Teil über Werbeeinnahmen. Die Stiftung Warentest finanziert sich zu rund 90 Prozent über die Verkaufserlöse ihrer (übrigens werbefreien) Zeitschriften test und Finanztest sowie des kostenpflichtigen Download-Bereichs auf ihrer Homepage. Nur rund 10 Prozent ihres Etats erhält die Stiftung Warentest aus dem Verbraucherschutzministerium (eine Ausgleichszahlung für die Werbefreiheit ihrer Publikationen, Mittel für Weiterbildungstests sowie Zinserträge aus dem stiftungseigenen Stiftungskapital).

4. „Denn im Grunde ist es ein Anachronismus, dass der Staat auch Produkt-Bewertungen finanziert. Dafür müsste sich nun wirklich ein Markt finden lassen.“

Wie Sie in Ihrem Artikel bereits ausgeführt haben, finanziert sich die Stiftung Warentest zum allergrößten Teil (nämlich zu rund 90 Prozent) selbst. Und zwar durch die Verkaufserlöse ihrer Zeitschriften, in denen sie die Ergebnisse ihrer Tests veröffentlicht. Das heißt – im Gegensatz zu Ihrer Darstellung: es gibt tatsächlich einen Markt für objektive und unabhängige Ergebnisse von Produkt- und Dienstleistungstests. Das zeigen die Verkaufszahlen u. a. der Zeitschriften test (ca. 477.000 Ex. pro Monat), Finanztest (238.000 Ex. pro Monat) sowie der kostenpflichtigen Downloadzahlen von Testergebnissen von der Homepage der Stiftung Warentest. Warum Sie in Ihrem Artikel diese Tatsache in ihr Gegenteil verdrehen, bleibt uns allerdings schleierhaft. Die Ausgleichszahlungen aus dem Verbraucherschutzministerium dienen vor allem dazu, den Einnahmeverlust auszugleichen, den die Stiftung Warentest durch die komplette Werbefreiheit in ihren Publikationen hat. Und nur diese Werbefreiheit ermöglicht es, die Produkt- und Dienstleistungstests absolut unabhängig, neutral und objektiv auszuführen. Übrigens: Normale Zeitschriften finanzieren sich zu rund 50 – 70% aus Werbeeinnahmen. Eine zehnprozentige Ausgleichszahlung scheint im Gegensatz dazu recht moderat. Oder anders formuliert: Während sich normale Zeitschriften nur zu 30 – 50 Prozent aus den Verkaufserlösen finanzieren und zu 50 – 70 Prozent aus Werbeeinnahmen, schafft es die Stiftung Warentest mit ihren Publikationen, sich zu 90 Prozent aus den Verkaufserlösen zu finanzieren.

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