Italien: Berlusconi flüchtet vor Justiz ins Krankenhaus

Silvio Berlusconi ist am Freitag mit einer Augenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert. Die Justiz schickte ein eigenes Experten-Team – und erklärte den Cavalliere für verhandlungsfähig. Berlusconi möchte Neuwahlen in Italien. Er fühlt sich als Dissident verfolgt.

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Silvio Berlusconi ist am Freitag wegen einer Augenentzündung in ein Mailänder Krankenhaus eingeliefert worden. Die italienische Justiz fürchtet eine Finte und schickte ihm die Amtsärzte ans Krankenbett. Diese stellten fest, dass Berlusconi sehr wohl verhandlungsfähig ist. Seine Anwälte hatten das Gericht wissen lassen, dass sie gerne den Verhandlungsbeginn der beiden Verfahren wegen Steuerbetrugs und Sex mit einer Minderjährigen verschoben wissen wollen.

Berlusconi hat die Parteiführung für Montag zusammengerufen, um über die Strategie im Patt in der italienischen Innenpolitik zu entscheiden. Deborah Bergamini sagte italienischen Medien, dass für die Partie „wohl vorgezogene Neuwahlen im Juni die beste Lösung“ wären.

Der Partei-Sprecher von Berlusconi, Daniele Cepezzone sagte, es sei nicht hinzunehmen, dass sein Chef „wie ein politischer Dissident in einem undemokratischen Regime“ behandelt werde. Es ist durchaus denkbar, dass Berlusconi für Neuwahlen genau auf jene Taktik setzt: Er könnte versuchen, sich als Märtyrer des Systems zu positionieren – eine durchaus originelle Idee für jemanden, der über Jahre das System nach seinem Geschmack zurechtgebogen hat.

Die Märkte sind jetzt schon skeptisch über den möglichen Stillstand. Fitch hatte Italien am Freitag herabgestuft (hier), die Investment-Firma Mizuho senkte ihren Prognose für Italien und erwartet, dass die Wirtschaft im Jahr 2013 um 1,5 Prozent schrumpfen werde. Schon jetzt verharrt Italien seit sieben Monaten in der Rezession.

Finanzminister Vittorio Grilli ist dennoch zuversichtlich, dass die Auktion der Italo-Bonds in der kommenden Woche gut läuft. Italien will 15 Milliarden Euro aufnehmen. Die EZB hatte in den vergangenen Wochen die italienischen banken mit ausreichend Liquidität versorgt, weshalb der Wunsch Grillis wohl in Erfüllung gehen dürfte (hier)

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