Papst-Wahl: Vatikan-Insider kündigen neue Enthüllungen an

Vor dem am Dienstag beginnenden Konklave zur Wahl des Nachfolgers Benedikt XVI. haben Insider aus dem Vatikan angekündigt, weitere Missstände aufzudecken. Der Kammerdiener des Papstes sei nicht der einzige Spitzel, es handle sich um eine Gruppe von mehr als 20 Personen. Vor der Wahl eines neuen Papstes sei es notwendig, im Vatikan aufzuräumen.

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Die Zeitung Repubblica hat ein Interview veröffentlicht, in dem sich ein anonymer Informant als Komplize des verurteilten päpstlichen Kammerdieners Gabriele zu erkennen gibt. Der Mann soll ein Priester aus dem Vatikan sein, der behauptet: Gabriele habe nicht als Einzeltäter gehandelt. Es gäbe im Vatikan eine Gruppe von 20 Frauen und Männern, die die Missstände aufdecken wollten und weitere Enthüllungen an die Öffentlichkeit bringen wollen.

Gabriele hatte Geheimdokumente vom Schreibtisch Papst Benedikt XVI. entwendet und dem Journalisten Gianluigi Nuzzi zugespielt (Interview mit Nuzzi – hier). Nuzzi geht, wie andere Vatikan-Kenner auch, davon aus, dass Gabriele nur das Werkzeug einer größeren Gruppe gewesen sein kann.

Der Informant sagte der Repubblica, die Gruppe sei noch im Besitz von weiteren Geheimdokumenten, die sie an die Öffentlichkeit bringen wollen.

Bei den Skandalen im Vatikan geht es neben knallhart geführten Machtkämpfen auch um die wirtschaftliche Lage der Kirche. Sie dürften ein entscheidender Grund gewesen sein, der Joseph Ratzinger zu dem ungewöhnlichen Schritt der Resignation veranlasst hatte (hier).

Vor allem die Vatikan-Bank IOR steht im Mittelpunkt. Die Gruppe um Tarcisio Bertone, der Kardinal-Staatssekretär und aktuellen geschäftsführenden Papst, will verhindern, dass die Bank transparent wird. Als einer der Gründe wird die Unterstützung der verfolgten Kirchen, etwa in China, angegeben. Die katholische Kirche hatte über die Vatikan-Bank maßgeblich zum Sturz des Kommunismus in Ost-Europa beigetragen. Oppositions-Gruppen in allen Ländern, aber vor allem Polen, waren durch das IOR finanziert worden.

Die EU drängt jedoch auf Transparenz: Dem Vatikan wird vorgeworfen, mit der Vatikan-Bank eine gigantische Waschmaschine zur Geldwäsche von Mafia, Steuerhinterziehern und ausländischen Kriminellen etabliert zu haben.

Die Gruppe um den Kammerdiener Gabriele hasst Bertone, allerdings eher aus internen Gründen. Bertone gilt als knallhart und rücksichtslos. Bisher hat er alle Versuche, das IOR den EU-Regeln zu unterwerfen, unterbunden (mehr hier).

Vor dem Beginn des Konklaves wurden die Kardinäle über die Lage der Finanzen im Vatikan informiert. Streng geheim natürlich. Die ganze Wahrheit werden auch sie nicht zu hören bekommen haben.

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