Schwarzer Ritter: Öl-Gigant Gazprom will Zypern übernehmen

Gazprom hat Zypern ein Ersatz-Rettungspaket angeboten. Der Öl-Gigant will die zypriotischen Banken restrukturieren. Im Gegenzug dafür soll Zypern Gazprom die Explorations-Rechte für das Erdgas geben. Der zypriotische Präsident soll das Angebot jedoch abgelehnt haben.

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Russland will die Flamme in Zypern am Brennen halten – und legt über Gazprom ein Gegenangebot zur EU vor. (Grafik: Wikipedia)

Russland will die Flamme in Zypern am Brennen halten – und legt über Gazprom ein Gegenangebot zur EU vor. (Grafik: Wikipedia)

Russland plant seine eigene Zypern-Rettung. Wie zypriotische Medien berichten, hat der russische Energie-Riese Gazprom dem zypriotischen Präsidenten Nicos Anastasiades bereits am Sonntag ein Angebot gemacht. Der Vorschlag sieht vor, dass Gazprom die Banken Zyperns restrukturiert und im Gegenzug dafür die Explorationsrechte für das Erdgas des Landes erhält, so Sigma TV. Damit will Rußland die EU-Zwangs-Abgabe zu Fall bringen, die die russischen Oligarchen treffen würde. Sie haben viel Bares auf Zypern gebunkert. Verglichen mit anderen Schuldenschnitten wären die Russen mit 9,9 Prozent Enteignung ganz gut bedient. Nachdem nun aber die Zyprioten die Reichen stärker zur Kasse bitte will, könnte das russiche Interesse an einer Intervention steigen.

Angesichts der Auswirkungen, die die von der EU gewollte Zwangsabgabe für Bankkunden in Zypern auf russische Bürger hat (hier), ist dies nicht allzu verwunderlich. Gazprom ist das weltgrößte Erdgasförderunternehmen, die Mehrheit der Aktien des Konzerns befindet sich in den Händen des russischen Staates. Russlands Spitze hat sich am Montag bereits skeptisch zu der Zwangsabgabe geäußert. Der Sprecher Putins bezeichnete die Abgabe als unfair, unprofessionell und gefährlich.

Am Mittwoch wird der zypriotische Präsident in Moskau erwartet. Zyperns Präsident soll jedoch das Angebot von Gazprom bereits abgelehnt haben. „Der Präsident wird diesen Plan nicht diskutieren, weil er eine Lösung mit der EU will“, zitiert Newsit eine anonyme Quelle aus dem Umfeld des Präsidenten.

Daraufhin drohte Anatoly Aksakov, der Leiter der Vereinigung der regionalen Banken Russlands und Mitglied des Vorstands der Central Bank of Russia Interfax, dem Präsidenten. Zyperns Bankensystem sei nicht  bei Zustimmung zu einer Zwangsabgabe nicht mehr vertrauenswürdig. Aksakov empfahl daher  den russischen Bürgern ihre Einlagen aus Zypern abzuziehen. Das wiederum könnte nämlich das zypriotische Bankensystem massiv ins Wanken geraten lassen. Die Ratingagentur Moody’s schätzte vergangenes Jahr, dass ca. 19 Milliarden Dollar aus russischen Geschäften in Zypern eingelagert sind und weitere 12 Milliarden, die in Zypern von russischen Banken gehalten werden (mehr hier).

Unterdessen sollen am Montag Flugzeuge aus Russland und der Ukraine am Flughafen von Larnaka eingetroffen sein. Zypriotische Medien berichten von russischen Oligarchen, die auf Verhandlungen hinsichtlich der Zwangsabge drängen bzw. ihr Geld abziehen wollen.

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