Entsetzen in Brüssel: Zypern lehnt Zwangs-Hilfe ab

Das Parlament in Nikosia hat wie erwartet den EU-Deal abgelehnt. In Brüssel herrschte am Abend völlige Ratlosigkeit. Es gab allerdings gleich die ersten Schuldzuweisungen nach Nikosia. Die EZB hatte nur eine Floskel als Antwort, die die Märkte nur ein paar Minuten beeindruckte.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Reingefallen: Selbst die dummen Computer-Algorithmen, die heute das sind, was man früher dei Börse nannte, merken nach wenigen Monaten, dass niemand in Europa eine Antwort auf das Zypern-Debakel hat - nicht einmal die EZB. (Grafik: zerohedge)

Reingefallen: Selbst die dummen Computer-Algorithmen, die heute das sind, was man früher dei Börse nannte, merken nach wenigen Monaten, dass niemand in Europa eine Antwort auf das Zypern-Debakel hat – nicht einmal die EZB. (Grafik: zerohedge)

Mit 36 Gegenstimmen und 19 Enthaltungen hat das Parlament in Zypern den Deal mit der EU zur Rettung des Euro in Zypern abgelehnt.

Das Ergebnis wurde in Brüssel mit Entsetzen entgegengenommen. Bei vielen Bürokraten herrschte Ratlosigkeit: Man wisse nicht, welche Folgen die Entscheidung haben würde.

Allerdings war man in Brüssel acuh schnell mit dem Griff unter die Gürtellinie zur Stelle. Die FT zitiert einen nicht namentlich genannten EU-Mann, der sagte: Es sei nun klar, dass das Parlament selbst wirtschaftliche Interessen an ausländischen Anlegern habe und daher lieber seine eigenen Leute ins Feuer geschickt hätte. Damit ist gemeint, dass angeblich die Zyprioten vorgeschlagen haben, die Zwangs-Abgabe auf alle Bank-Konten auszudehnen, um der Rache der russischen Mafia zu entgehen.

Zunächst sprang die EZB in die Bresche: Sie bescherte den ganz cleveren Algorithmen einen kurzfristigen Profit, indem sie verkündete, dass sie „innerhalb der bestehenden Regeln den zypriotischen Banken Liquidität zur Verfügung stellen werde“. Leider ist es aber so, dass die Banken innerhalb der Regeln nicht mehr genug Geld bekommen können, um den Crash zu vermeiden. Das EZB-Statement war daher nichts anderes als der hilflose Versuch, auch in der bisher schwärzesten Stunde der Gemeinschaftswährung den Märkten noch Sand in die Augen zu streuen.

Der Euro erholte sich kurz. Als dann die dämlichen Maschinen merkten, dass sie auf Mario Draghi reingefallen waren, sackte der Euro sofort wieder ab.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***


media-fastclick media-fastclick