Volkswagen ruft 385.000 Fahrzeuge in China zurück

Schwere Schlappe für Volkswagen: Der Konzern muss 384.181 Fahrzeuge in die Werkstatt zurückrufen. Grund: Probleme mit dem Getriebe. Der Rückruf ist eine Blamage gegenüber der chinesischen Regierung, die VW wegen der technischen Mängel öffentlich bereits attackiert hatte.

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Der Volkswagen-Konzern und sein chinesischer Joint-Venture-Partner rufen 384.181 Fahrzeuge in China zurück. Es handelt sich unter anderem um die Modelle Golf, Bora und Magotan.

Im chinesischen Staatsfernsehen CCTV waren am Freitag technische Mängel an VW-Modellen öffentlich angeprangert worden. Die staatliche Behörde für Qualitätssicherung forderte daraufhin den Konzern auf, die Modelle zurückzurufen. Letzte Woche sagte der Konzern er wolle die Produktion in China fast verdoppeln.

Schon jetzt ist China der größte Absatzmarkt der Volkswagen AG. Von mehr als neun Millionen weltweit verkauften Autos gingen vergangenes Jahr 2,8 Millionen nach China. Letzten Donnerstag sagte das Unternehmen, es wolle die Produktion in China nahezu verdoppeln. Bis 2018 wolle VW die Kapazität haben, vier Millionen Autos jährlich zu produzieren, schrieb der Onlinedienst China Daily. Da der Automarkt in Europa massiv einbricht (mehr hier), konzentriert man sich jetzt verstärkt auf andere Märkte.

Umso schlimmer, dass VW nun Automodelle in China zurückrufen muss. Schuld sind Prob-leme mit Direktschaltgetrieben (DSG). Laut der chinesischen Global Times sind 500.000 Autos mit diesem Getriebe in China verkauft worden. Schon im Mai 2012 hatten sich Kunden über Defekte an ihren Autos mit DSG geklagt, berichtete China Daily. Damals erweiterte VW die Garantien auf das Getriebesystem.

Den Stein ins Rollen brachte die Sendung 3.15 im Chinesischen Staatsfernsehen. Die Sendung wird jedes Jahr am 15. März, dem Tag des Verbraucherschutzes ausgestrahlt, daher auch der Name. Darin wurde über die Mängel berichtet, die ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellten und noch immer nicht behoben waren. Das chinesische Amt für Qualitätssicherung reagierte prompt und forderte gleich am nächsten Tag VW auf, alle defekten Autos zurückzurufen.

Der Konzern gab daraufhin die Rückrufaktion bekannt, sagte jedoch, dass der Rückruf „freiwillig“ erfolge und nicht auf Druck der Behörden. VW sagte er werde „mit allen Behörden zusammenarbeiten“, zitierte die Global Times den Konzern.

Dass Volkswagen das Problem bis jetzt nicht in den Griff bekommen haben soll, verwundert. Schließlich ist China nicht nur der wichtigste Fahrzeugmarkt der Welt, sondern auch wichtigster Absatzmarkt für VW, und der Konzern kann es sich nicht leisten, seine chinesischen Kunden zu vernachlässigen.

Abgesehen vom Rückruf mitsamt dem kostenintensiven Austausch der defekten Teile werde natürlich der Absatz von Modellen mit DSG einbrechen, zitiert die Global Times Experten. So könnte ein derart schwerwiegender technischer Defekt dem Weltkonzern VW in ernsthafte Schwierigkeiten stürzen.

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