Schuldenfalle: Chicago schließt massenweise Schulen

Chicago ist pleite. Der Bürgermeister, Rahm Emanuel, ergreift harte Maßnahmen. Die Folge: ein beinharter Sparkurs. Als erste Maßnahme werden 54 Schulen geschlossen.

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Die Schuldenmisere des amerikanischen Staatshaushalts spiegelt sich auch in einzelnen Städten des Landes wider. Detroit ist zahlungsunfähig und mehrere kalifornische Gemeinden haben im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet (hier). Auch um Obamas Heimatstadt Chicago steht es nicht gut. Der Schulbezirk Chicago, der drittgrößte öffentliche Bezirk des Landes, muss ebenfalls sparen.

Der Bürgermeister der Stadt ist ein enger Vertrauter von Obama: Rahm Emanuel hatte in Washington noch für die angeblich besseren Zeiten geworben, die unter Obama anbrechen sollten. Bildung war eines der Haupt-Themen des Wechsels. Damit ist es in der Praxis vorbei – und zwar radikal.

54 Schulen der Stadt und 61 Schulgebäude sollen mit dem Beginn des nächsten Schuljahres geschlossen werden – darunter 53 Grundschulen. Am 22. Mai wird der Schulvorstand über die geplanten Schließungen abstimmen. Das jährliche Defizit des Bezirks liegt bei einer Milliarde Euro. Die Auslastung der öffentlichen Schulen in Chicago ist in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent gesunken, so die CNBC. Der Schulbezirk selbst gibt an, dass 140 seiner Schulen halb leer sind. Grund hierfür ist vor allem die sinkende Zahl der Bevölkerung in den Armenvierteln der Stadt.

Die Gegner der Schließungspläne kritisieren, dass der Bezirk aber vor allem in den Problembezirken immer stärker spart. 88 Prozent der von Sparmaßnahmen betroffenen Schüler waren Afro-Amerikaner, die Lehrergewerkschaft National Education Association. Dies würde die Nachbarschaften der Minderheiten destabilisieren. Auch die Schließungen der Schulen werden Geld kosten, so der Karen Lewis von der Lehrergewerkschaft in Chicago. Die verlassenen Schulen würden eine weitere Katastrophe nach sich ziehen.

Die leeren Gebäude bieten der Bandenkriminalität einen idealen Nährboden. Darüber hinaus seien die Kinder aus den betroffenen Vierteln noch stärker dieser Kriminalität ausgesetzt, wenn sie die Grenzen ihrer Nachbarschaft überschreiten müssen, um in ihre Schule zu gelangen.

Doch nicht nur Chicago, auch andere städtische Schulbezirke in den USA haben mit dem Problem sinkender Schülerzahlen zu kämpfen. In den vergangenen zehn Jahren wurden in 70 großen bzw. mittelgroßen Städten Schulen geschlossen – durchschnittlich 11 pro Bezirk, so die Lehrergewerkschaft. Eine nicht unerheblich Rolle spielt jedoch auch die gefährliche Finanzierung, die die Schulen in den USA betreiben (hier).

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