Auto-Blase in China: Volvo muss Verkaufszahlen korrigieren

Chinesische Autohändler berichteten dem schwedischen Autokonzern Volvo 2011 zu hohe Verkaufszahlen, um Bonuszahlungen zu kassieren. 2012 senkten sie ihre Angaben, um keinen Verdacht zu erregen. Jetzt muss Volvo seine Absatz-Zahlen korrigieren.

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Die Autokrise in Europa macht auch Volvo zu schaffen. Obwohl der Hersteller in China mehr Autos verkaufte als angenommen, will man Stellen kürzen und Kosten sparen.

Die Autokrise in Europa macht auch Volvo zu schaffen. Obwohl der Hersteller in China mehr Autos verkaufte als angenommen, will man Stellen kürzen und Kosten sparen.

Eine interne Untersuchung beim Autokonzern Volvo hatte den Schwindel in China aufgedeckt. Zunächst hatte Volvo 2012 noch einen Verlust von 11 Prozent beim Einzelhandel in China angegeben. Die Verkaufszahlen sanken von 47.140 Autos in 2011 auf 41.989 Autos in 2012. Die enttäuschenden Zahlen aus China hatten letztes Jahr zur Entlassung des Volvo-Geschäftsführer Stefan Jacoby geführt.

Diese Angaben beruhten jedoch auf falschen Zahlen chinesischer Autohändler. Diese wollten sich für 2011 Bonuszahlungen sichern. Daher buchten sie Autos, die 2012 verkauft wurden, ins Vorjahr um. 2012 senkten sie daraufhin ihre Angaben wieder, um die falschen Buchungen auszugleichen. In Wahrheit konnte Volvo 2012 sogar mehr Autos verkaufen als im Vorjahr.

Im Konzern will man dennoch nicht von Betrug sprechen. „Es geht nicht um Betrügen. Die Händler agierten innerhalb der Regeln des Bonusprogramms“, sagte Volvos Pressesprecher Per-Åke Fröberg dem WSJ.

Der Autokonzern hat nicht vor, die falschen Zahlen nachträglich zu korrigieren. „Jetzt eine Übung in Buchhaltung durchzuführen, um festzustellen wie viele Autos tatsächlich verkauft wurden, bringt keine Klarheit, sondern eher mehr Verwirrung“, so Fröberg. Monatliche Vergleiche der Verkaufszahlen in China werden daher bis zum Sommer nicht akkurat sein. Die falschen Angaben sollen Volvos Gewinn nicht beeinflussen, da der Konzern seinen Profit nicht über den Einzelhandel, sondern über Massenlieferungen verbucht.

Auf dem weltgrößten Automarkt seien fehlerhafte Bonussysteme üblich, sagt Stephen Dyer von der Beratungsfirma A.T. Kearney in Shanghai. „Das ist typisch für China. Hier basiert die Autoindustrie ausschließlich auf dem Verkauf vom Hersteller an die Händler, nicht auf der Nachfrage der Kunden.“ Die Hersteller liefern massenhaft Autos an die Händler. Diese versuchen wiederum, die Fahrzeuge mit „verrückten Anreizen“ loszuwerden, und beschädigen dadurch oft die Marke, so Dyer.

China ist der einzige große Automarkt weltweit, bei dem keine Zahlen des Einzelhandels verfügbar sind. Stattdessen werden nur Zahlen von Produktion und Großhandel veröffentlicht. Daten zu Fahrzeugregistrierungen betrachte man in China als Staatsgeheimnis. „In den USA werden diese Daten online veröffentlicht“, sagt Dyer. Auch in Europa und Japan werden Neuzulassungen gezählt und veröffentlicht. Allerdings tricksen die Autohersteller auch hier, um die Statistik zu schönen (mehr hier).

Trotz der nachträglich verbesserten Zahlen für 2012, sieht man bei Volvo die Zukunft eher pessimistisch. Die Absatzkrise in Europa und der zunehmende Konkurrenzdruck machen dem Konzern zu schaffen. Im Februar kündigte der Autohersteller an 1.000 Stellen zu streichen und 237 Millionen Dollar an Kosten einzusparen. 2012 verkaufte Volvo mit 422.000 Autos weltweit sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Auch dieses Jahr erwartet man einen Rückgang bei den Verkäufen.

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