China-Debakel nährt Zweifel an der Qualität der deutschen Autos

VW musste 384.000 Autos in China wegen Getriebeproblemen zurückrufen. Auch andere deutsche Autohersteller stehen in der Kritik. Branchenexperten vermuten hinter dem aggressiven Auftreten der chinesischen Führung politisches Kalkül.

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Audi, BMW und Mercedes-Benz sollen in ihren Autos Dämmstoffe mit Bitumen eingesetzt haben, die bei heißem Wetter giftige Dämpfe in den Innenraum abgeben könnten. Das kritisierte der chinesische Staatssender CCTV in einem Beitrag. Audi machte daraufhin eigene Tests. Dabei „wurden keine gesundheitsgefährdenden Emissionen festgestellt“, zitiert Spiegel Online den Audi-Sprecher Martin Kühl in Peking. Auch die anderen Hersteller wiesen die Vorwürfe zurück. BMW und Mercedes versicherten, den Bericht ernst zu nehmen und die Vorwürfe zu überprüfen. Mitte März hatte das chinesische Staatsfernsehen bereits die Getriebeprobleme bei VW kritisiert. Die staatliche Qualitätsaufsicht prüfte den Fall und VW musste über 380.000 Autos zurückrufen.

Chinas Regierung hat Hände im Spiel

Volkswagen in der Prime Time vor einem Millionenpublikum bloßzustellen, hätte ohne den Segen hoher Beamter nicht passieren können, sagt Michael Dunne, Experte für die chinesische Autoindustrie im WSJ. „Das sind dieselben Beamten die täglich, in ihren von VW hergestellten Audi-Limousinen, zur Arbeit pendeln.“ Die neue Führung in Peking signalisiere mit dieser Aktion, dass man auch hoch respektierten Firmen auf die Finger klopfen kann.

Die Rückrufaktion wird jedenfalls teuer für VW. 600 Millionen Dollar soll allein die Auswechslung der betroffenen Teile kosten, so Reuters. Außerdem ist das Image des Konzerns auf dem chinesischen Markt wohl dauerhaft beschädigt. Der Fernsehbericht war ein „Alptraum für Volkswagen“, sagte ein VW-Manager dem WSJ.

Dunne vermutet, dass die Chinesische Führung mit ihrem aggressiven Auftreten einerseits die heimische Autoindustrie schützen will. Marktanteile und Profit Chinesischer Marken sind drei Jahre in Folge gefallen. Der Autohersteller BYD, an dem auch der US-Milliardär Warren Buffet beteiligt ist, kündigte aufgrund der schwachen Nachfrage einen Gewinnrückgang von 98 Prozent an. Audi, BMW und Mercedes hingegen, teilen sich drei Viertel des Premiummarktes in China.

Auch Solar-Industrie unter Druck

Andererseits könnte es den Chinesen auch darum gehen, ihre Verhandlungsposition neu zu bestimmen. China und die EU streiten gegenwärtig über Importregelungen für billige chinesische Solarpanels. Deutschland, der führende Hersteller von Solarpanels in Europa, sieht sich durch die Billigkonkurrenz aus China bedroht. Der Angriff auf die Deutschen Autohersteller zeige, dass China sich gegenüber Deutschland stark genug fühlt, um in die Offensive zu gehen, so Dunne.

Deutschland und China sind wirtschaftliche Schwergewichte. 2011 tauschten die beiden Länder Waren im Wert von 190 Milliarden Dollar aus. 2015 sollen es 280 Milliarden Dollar sein. Ausländische Konzerne wie VW müssten nach der Attacke nicht um ihr Privileg fürchten, Geschäfte in China zu machen, sagt Dunne. Allerdings müssten die Firmen verstehen, dass Peking nun neue Verhaltensregeln aufstellt.

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