Betrug an Zypern: EU half Euro-Banken, ihr Geld vor Abgabe zu retten

Deutsche und französische Banken haben auf mysteriöse Weise seit 2010 Milliarden aus dem Land abgezogen. Offenbar war der Zugriff der EU auf die Konten von langer Hand geplant. Nun zahlen die kleinen Leute in Zypern. Bundeskanzlerin Merkel sagt, die Verursacher müssen zur Verantwortung gezogen werden. Eine frivole Behauptung.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Die schwarze Linie kennzeichnet die Höhe der Einlagen der vornehmlich deutschen und französischen Banken, die blaue die der zypriotischen. Beide zogen noch einmal bis Anfang März Geld aus dem Finanzsystem Zyperns ab. Die Einlagen der zypriotischen Privatpersonen und Unternehmen (rot), die Einlagen aus Russen (gelb) und  die der Banken außerhalb der Eurozone (grün) hingegen blieben gleich oder nahmen sogar noch zu (Grafik: mdbriefing.com).

Die schwarze Linie kennzeichnet die Höhe der Einlagen der vornehmlich deutschen und französischen Banken, die blaue die der zypriotischen. Beide zogen noch einmal bis Anfang März Geld aus dem Finanzsystem Zyperns ab. Die Einlagen der zypriotischen Privatpersonen und Unternehmen (rot), die Einlagen aus Russen (gelb) und die der Banken außerhalb der Eurozone (grün) hingegen blieben gleich oder nahmen sogar noch zu (Grafik: mdbriefing.com).

Während und nach dem ersten Schuldenschnitt in Griechenland hatte die zypriotische Regierung stetig darauf hingewiesen, dass dieser Haircut die nationalen Banken des Landes in Gefahr bringe. Die zypriotischen Banken waren massiv in Griechenland engagiert. Allein die zypriotischen Banken, die nun restrukturiert werden, hielten zu diesem Zeitpunkt griechische Staatsanleihen im Wert von 12 Milliarden Euro. Nach beiden Haircuts in Griechenland hatte sich das auf etwa eine Milliarde Euro Anfang 2012 reduziert, wie der Charles Hugh Smith auf dem Blog www.oftwominds.com erklärt.

20 Milliarden Euro potentielle Verluste

Bereits Anfang 2012 hätten dementsprechend die beiden Banken (Laiki und Bank of Cyprus) in Zypern über ein Rettungspaket oder ähnliches restrukturiert werden müssen. Immerhin hatten sie einen enormen Verlust von 11 Milliarden Euro in ihren Bilanzen. Doch interessanter Weise geschah nichts. Hätte die EU so schnell reagiert wie etwa in Griechenland, hätte dies zu massiven Problemen in anderen Finanzsystemen der Eurozone geführt. Anfang 2012 hatten Banken der Eurozone, vornehmlich deutsche und französische, Einlagen in Höhe von etwa 20 Milliarden Euro auf Banken in Zypern.

Eigentlich hätte die EU bereits 2012 einen Bailout mit Zypern oder eine Bankenrestrukturierung vereinbaren können, da durch die heftigen Verluste das Bankensystem des Landes quasi schon im Sterben lag.

Doch dies hätte bedeutet, dass auch beispielsweise die deutschen und französischen Banken massive Verluste hätten hinnehmen müssen. Schließlich wären auch sie von der Zwangsabgabe betroffen gewesen.

Daher hat die Troika den Bailout so lange verschleppt, bis er zum Bail-In wurde.

In Griechenlands war es viel schneller gegangen – denn auch hier hatten sich die Banken rechtzeitig zurückgezogen: Die Milliarden Hilfsgelder, die vor dem Schuldenschnitt gezahlt wurden, gingen zu 80 Prozent an die Banken. Bei den einfachen Leuten in Griechenland kamen die Brosamen an, die ihnen die Finanz-Industrie großzügigerweise überließ.

In Zypern konnten die Einlagen der hauptsächlich deutschen und französischen Banken innerhalb eines Jahres um 50 Prozent auf etwa 10 Milliarden Euro gesenkt werden. Wie die Grafik zeigt, waren diese hauptsächlich deutschen und die französischen Banken zusammen mit den zypriotischen Banken die einzigen Geldinstitute, die ihre Einlagen bis Anfang 2013 tatsächlich verringerten.

Im Vergleich zu 2010 konnten die europäischen Banken sogar 50 Milliarden Euro aus Zypern abziehen, bevor der Haircut kam.

Auf die Frage, warum jedoch die überwiegend deutschen und französischen Banken noch immer zehn Milliarden Euro Anfang 2013 in Zypern hatten und nicht alles abgezogen haben, antwortet der Chef von Market Daily Briefing: Einerseits wurden nicht bei allen zypriotischen Banken Zwangsabgaben abgeführt, die verbleibenden Einlagen könnten also auf Konten anderer Banken des Landes liegen. Und andererseits sind nicht alle Banken in der Eurozone gleich gut mit der Politik vernetzt. Ein paar könnten also keinen Hinweis erhalten haben.

Banken wollten höhere Zinsen

Die Zinserträge in Zypern waren deutlich höher, allerdings musste das Geld ein Jahr ruhen (Grafik: mdbriefing.com).

Die Zinserträge in Zypern waren deutlich höher, allerdings musste das Geld ein Jahr ruhen (Grafik: mdbriefing.com).

Die Banken aus Frankreich und Deutschland konnten auf ihren Heimatmärkten wegen der extrem niedrigen Zinsen (durch die EZB herbeigeführt!) kaum Gewinne mit der Vergabe von Krediten in ihren eigenen Ländern erwirtschaften. Legten die Banken aber, statt Kredite zu vergeben, ihr Geld auf Spareinlagen oder als Festgeld – jeweils mit einer Laufzeit von einem Jahr – bei zypriotischen Banken an, konnten Sie Zinssätze zwischen 2,8 und 4,9 Prozent erreichen (in Deutschland wären es 0,55 Prozent gewesen). Allerdings mussten sie ihr Geld auch tatsächlich mindestens ein Jahr lang auf den Konten der zypriotischen Banken belassen, um diese Zinsen zu erhalten und keine Verluste  zu machen. Dank der EU-Politiker, die die Lösung der Zypern-Krise offenbar auf Anraten von EZB-Chef Mario Draghi um mehr als ein Jahr hinauszögerten, hatten sie diese Zeit.

Daher stellt sich die Zypern-Rettung als eine ziemlich miese Insider-Geschichte dar: Die europäischen Banken haben zunächst von den guten Zinsen auf Zypern profitiert. Das Geld zum Spielen bekamen sie von Mario Draghi – zum Null-Zins! Als es heiß wurde, hat die Troika den deutschen und französischen Banken so lange den Rücken freigehalten, bis diese ihr Geld aus Zypern gerettet haben.

Für den verbliebenen symbolischen Wetteinsatz von 10 Milliarden Euro kommt jetzt wieder die EZB auf.

Die Gesamtrechnung wirde jedoch den Ärzten, Lehrerinnen, Unternehmern, Rentnern, Beamten und Schülern Zyperns auf den Tisch geknallt.

Es ist vor diesem Hintergrund empörend und frivol, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich hinstellt und sagt: Die Zwangsabgabe in Zypern sei „ein guter Schritt“, weil die „Verursacher der Krise auch zur Verantwortung gezogen werden müssen“ (hier).

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick