KfW-Bankengruppe: 214 Millionen Verlust mit Schifffahrts-Fonds

Die staatliche Förderbank KfW hat im vergangenen Jahr 107 Millionen Euro an Krediten aus der Schifffahrt-Industrie abschreiben müssen. Für dieses Jahr erwartet die KfW noch einmal eine Abschreibung in derselben Höhe. Dank Mario Draghis billiger Zinsen war es trotzdem ein gutes Jahr für die KfW.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Der Chef der KfW-Bankengruppe, Ulrich Schröder, strahlte bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt/Main: Die staatliche Förderbank hat im Jahr 2012 mehr Gewinn gemacht als die sexy Deutsche Bank.

Der Löwenanteil der Gewinne kommt aus erfolgreichen Zinsspekulationen. Dank Mario Draghis billigem Geld konnte die KfW in vielen Bereichen punkten: Das ist zwar keine besonders kreative Geschäftstätigkeit, allerdings war die KfW offenbar verantwortungsbewusst und hat zumindest im Berichts-Jahr keine bösen Überraschungen erlebt. Die KfW betont, dass sie Derivate ausschließlich zur Absicherung einsetzt – auch Goldman Sachs würde niemals sagen, dass Derivate zum Testosteron-Gambling eingesetzt werden.

Das Volumen der faulen Kredite steigt unterdessen. Vor allem in der Schifffahrt hat es herbe Verluste gegeben. Die Bank teilte mit:

Im Segment „Maritime Industrie“ der Export- und Projektfinanzierung hat es überdurchschnittliche Wertberichtigungen gegeben.

Konkret sagte die KfW den Deutschen Wirtschafts Nachrichten auf Nachfrage zur Höhe der Abschreibungen von Investments in die berüchtigten Schifffahrtsfonds:

„Im Jahr 2012 hatte die KfW im Bereich der maritimen Industrie eine Risikovorsorge von 384 Millionen Euro gebucht. 107 Millionen wurden aus dem Portfolio aufgelöst. Damit bleiben netto noch 277 Millionen Euro in der Bilanz. Im Jahr 2013 geht die KfW davon aus, dass es im Portfolio keine neue Kreditgeschäfte geben wird und noch einmal 107 Millionen Euro abgeschrieben werden müssen.

Insgesamt stieg das Volumen der faulen Kredite:

Aus der Risikovorsorge im Kreditgeschäft ergaben sich moderate Ergebnisbelastungen in Höhe von 155 Mio. EUR, nachdem daraus im Vorjahr noch eine Ergebnisverbesserung um 185 Mio. EUR resultierte.

Die KfW geht offenbar davon aus, dass die Lage nicht viel besser wird. Vorstandschef Ulrich Schröder sagte:

„Der auch in diesem Jahr sehr gute Konzerngewinn der KfW liegt deutlich oberhalb des nachhaltigen Ertragspotenzials und lässt sich nicht in die Zukunft fortschreiben. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung, den strengeren regulatorischen Anforderungen und den Zusatzkosten für die Modernisierung der KfW stellt die mit diesem Ergebnis verbesserte Kapitalbasis die Förderfähigkeit der KfW nachhaltig sicher.“

Immerhin: Zumindest auf der ersten Blick erscheint die KfW sehr solide zu sein:

Die Gesamtkapitalquote unter Berücksichtigung des Konzernergebnisses liegt bei 20,6 %, die Kernkapitalquote bei 18,2 %. Unter Basel III beträgt die Kernkapitalquote aktuell 15,1 % (12,7%).

Sollte manch einer nun denken, er folgt dem Rat der EU und sucht isch eine sichere Banke (ist ab jetzt empfohlen – hier): Die KfW kommt als sicherer Hafen für verunsicherte Sparer leider nicht in Frage. Denn man man bei der KfW kein Konto eröffnen, auch Unternehmens-Kredite müssen immer über eine private Bank beantragt werden.

Das ist clever von der KfW: So hält sie sich wenigstens die überschuldeten Privatkunden vom Hals.

Die Privatbanken eifern ihr in dieser Hinsicht bereits nach: Erst am Montag hatte die stark unter Druck geratene Deutsche Bank bekanntgegeben, ihr Privatkundengeschäft in den Niederlanden zu verkaufen. In Deutschland hatte die Deutsche Bank vor einigen Monaten versucht, ihre Geschäfts-Kunden von den Filialen in einen Telefon-Service umzuleiten (hier). Der Versuch scheiterte am Widerstand vor allem der kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die DB beendete das Experiment und kehrte zum klassischen Service durch Filial-Berater zurück.

Die Deutsche Bank schiebt gewaltige Derivanten-Risiken vor sich her und kämpft an verschiedenen juristischen Fronten. Zum Konzern gehören neben der Deutschen Bank auch die Postbank.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick