Ängstliche Deutsche: Jede zweite Unternehmens-Gründung scheitert

Die Hälfte aller Gründungsplanungen wird verworfen. Erfolgreiche Gründer sind meistens männlich und haben einen akademischen Abschluss. Gescheiterte Gründungen sind immer mit der Angst vor dem sozialen und finanziellen Abstieg begründet.

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Wer ein Unternehmen gründen will, der muss Kundenbeziehungen aufbauen und Aufträge einholen können. Diese beiden Schlüsselqualifikationen gehören zu den häufigsten Problemen, die sich den potenziellen Gründern in den Weg stellen. Das ergab eine Studie der KFW-Bankengruppe, die die „Hemmnisse im Gründungsprozess“ untersucht. Demnach werden etwa 50 Prozent aller Gründungsvorhaben während der Planung abgebrochen. Die Hemmschwelle scheint hoch. Eine Gründung verlangt nicht nur ein gutes Geschäftsmodell, sondern auch Mut zum Risiko.

Hemmnisse im Gründungsprozess. (Grafik: KFW-Bankengruppe)

Hemmnisse im Gründungsprozess. (Grafik: KFW-Bankengruppe)

Risikoaspekte seien ein wesentlicher Grund für den Abbruch eines Gründungsvorhabens. Die Angst vor der finanziellen Überschuldung und dem sozialen Abstieg ist bei neuen Projekten immer dabei. Ein Scheitern der Selbstständigkeit werde in Deutschland immer noch „stigmatisiert“. Außerdem gelte weiterhin „die Einschätzung, dass bessere Karrieremöglichkeiten in abhängiger Beschäftigung gegeben sind“, heißt es in der Studie.  Mit der Planung eines Unternehmens geht auch die Befürchtung einher, dass „keine geeigneten Teampartner oder keine geeigneten Mitarbeiter für die Gründung zur Verfügung“ stünden. Oft werden auch die eigenen kaufmännischen oder fachlichen Kenntnisse und Qualifikationen als ungenügend eingeschätzt.

Der dritthäufigste Grund ist eine gescheiterte Finanzierung des Vorhabens. Dabei spielen soziodemografische Faktoren eine besondere Rolle. Insbesondere Arbeitslose, Gründer mit einem niedrigen Bildungsabschluss oder mit Migrationshintergrund seien von dieser Hürde betroffen. Aber auch Jugendliche gehören zu dieser Risikogruppe sowie Gründer mit einem sogenannten „Notmotiv“. Durch dieses Gründungsmotiv wollen sich Privatpersonen meist vor drohender finanzieller Not schützen. Eine Scheingründung hilft ihnen dabei durch das Abgreifen von staatlichen Förderungen.

Insgesamt ist das Selbstvertrauen der Deutschen in die eigenen Gründungsfähigkeiten eher gering: Nur 30 Prozent der Befragten gaben an, sich vorstellen zu können, innerhalb der nächsten fünf Jahre den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. Nur etwa jeder Fünfte hat überhaupt Erfahrungen mit Gründungsprozessen (22%). Die Forscher der KFW befragten 50.000 zufällig ausgewählte Personen in Deutschland über mehrere Jahre hinweg.

Differenziert wurde zwischen Gründern, verhinderten Gründern und Gründungsplanern. Verhinderte Gründer sind Personen, die ihre Gründungspläne aus einem oder mehreren Gründen aufgegeben haben. Gründer haben ihre Pläne bereits realisiert. Gründunsplaner sind Personen, die sich nicht ernsthaft mit einer Selbstständigkeit auseinandersetzen oder die sich noch in der Planungsphase befinden. Einen Vergleich zu den Gründungshemmnissen in anderen Ländern bietet die Studie nicht.

Dass eine Firmengründung in Deutschland durchaus funktionieren kann, ist unbestritten. Der deutsche Mittelstand ist bei Ländern wie China von besonderem Interesse. Die Chinesen versuchen in großem Stil, Know-How und Technologien durch Aufkäufe ins Reich der Mitte zu transferieren (mehr hier). Auch aus steuerlicher Perspektive sind die Voraussetzungen für Gründer in Deutschland besser, als zum Beispiel in Frankreich (hier). Jede Volkswirtschaft braucht gesunde mittelständische Unternehmen. Durch eine Reform des Insolvenzrechts könnte die Hemmschwelle für Gründungspläne deutlich gesenkt werden (hier).

 

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