Frankfurt: „Institut für vergleichende Irrelevanz“ geräumt

Das Frankfurter Kulturzentrum „Institut für vergleichende Irrelevanz“ wurde am Montag mit massivem Polizei-Einsatz geräumt. Die Universität hatte zuvor das Gebäude an eine Immobilienfirma verkauft. Hunderte Protestierende wurden festgenommen. Weitere Proteste werden erwartet.

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Das soziokulturelle Zentrum einer Besetzer-Szene aus Studenten und linken Aktivisten im Frankfurter Westend existiert nicht mehr. Ein großes Polizeiaufgebot hat am Montag einem Sitzstreik der Hausbesetzer ein Ende bereitet. Mindestens 100 Demonstrierende wurden festgenommen. Einem Bericht des HR zufolge gab es mehrere Verletzte.

Um eine erneute Besetzung zu verhindern, wird das Gebäude von der Polizei überwacht. Fenster werden zugenagelt, Türen zugemauert. Im Erdgeschoss des Gebäudes soll künftig eine Kita entstehen. Eine Schülernachhilfe sowie ein Architekturbüro sind ebenso geplant, sagte Christian Wolf, Vorstand der Franconofurt AG, den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Das ehemalige IVI in Frankfurt a.M.: Unter dem Motto „Theorie, Praxis, Party“ hat sich hier ein Kulturzentrum entwickelt. (Foto: Facebook/IVI)

Das ehemalige IVI in Frankfurt a.M.: Unter dem Motto „Theorie, Praxis, Party“ hat sich hier ein Kulturzentrum entwickelt. (Foto: Facebook/IVI)

In einer Pressemitteilung des IvI heißt es, es hätte für die Räumung „eine politische Lösung geben müssen und keine polizeiliche. Von den Kosten, die dieser Polizeieinsatz verursacht, hätten mindestens 2 Jahre die Miete und die Arbeit des Institutes in einem Ersatzobjekt finanziert werden können“, wird die IvI-Aktivistin Sarah Schneider zitiert.

Das sogenannte „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (IvI) entstand, nachdem das ehemalige Institut für England- und Amerikastudien von der Goethe-Universität in Frankfurt geschlossen wurde. Daraufhin besetzten Studenten aus Protest gegen die mangelnde Qualität der Lehre das Gebäude der Universität und gründeten das IvI. Über zehn Jahre lang wurde die Besetzung von der Uni toleriert.

Das Gebäude war Kulturzentrum für Kongresse, Lesekreise, Partys, Festivals und Ausstellungen. Experimentelle Filme wurden im Rahmen des IvI erstellt (siehe Video).

Dann verkaufte die Universität das Gebäude an die Aktiengesellschaft Franconofurt, eine Immobilienfirma, die sich auf Mehrfamilienhäuser spezialisiert. Die Universität kassierte für den Verkauf über eine Million Euro.

Nach einer erfolgreichen Räumungsklage der Franconofurt im Februar wurden die Studenten aufgefordert, das Gebäude freiwillig zu verlassen. Dieser Aufforderung kamen sie nicht nach. Daher wurde das Gebäude am Montag geräumt. Um 16 Uhr findet eine Demonstration gegen die Räumung des Instituts statt. Auch die Polizei hat ihre Präsenz an der  Galluswarte angekündigt.

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