Italien: Schüsse bei Amtseinführung der Regierung

In Rom ist es vor dem Amtssitz des Regierungschefs zu einem gewaltsamen Zwischenfall gekommen: Ein Mann feuerte Schüsse in die Menge, ein Polizist wurde schwer verletzt. Bürgermeister Alemanno warnt vor einem vergifteten politischen Klima - obwohl die Aktion offenkundig von einem geistig verwirrten Mann durchgeführt wurde.

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Vor dem Amtssitz des neuen italienischen Ministerpräsidenten Enrico Letta sind am Sonntag mehrere Schüsse gefallen. Einer davon traf einen Polizisten im Nacken, Lebensgefahr bestehe jedoch nicht mehr. Ein schwangere Frau wurde von einem Streifschuss getroffen.

Der Attentäter solle einem Bericht des Corriere della Sera ein geistig verwirrter Man aus Kalabrien sein. Er soll mit den Worten „Schießt auf mich, schießt auf mich!“, auf den Platz vor dem Gebäude gestürmt sein. Danach soll er eine Pistole gezogen und das Feuer eröffnet haben.

Anschließend habe er versucht zu fliehen, sei aber überwältigt und dabei leicht verletzt worden.

Der römische Bürgermeister Gianni Alemanno schließt einen terroristischen Hintergrund aus. Allerdings sagte Alemanno, dass die massiven politischen Auseinandersetzungen der jüngsten Vergangenheit die Atmosphäre im Land vergiftet hätten.

Eine solche Bemerkung muss aufhorchen lassen: Denn wenn der Mann geistig verwirrt war – was hat das mit den politischen Auseinandersetzungen zu tun? Offenkundig ist die Stimmung in Italien sehr gereizt. Schon vor der Regierungsbildung war es in Rom zu Massendemonstrationen gekommen (hier). Vor allem die Anhäger von Beppe Grillo tragen eine massive Protestbewegung. Das verwundert nicht, denn im Parlament werden sie vollständig ausgegrenzt und wollen auch keine Zusammenarbeit, um sich nicht von den alten Netzwerke der Eliten korrumpieren zu lassen.

Dass Alemanno hier auch nur im Entferntesten einen Zusammenhang zur politischen Opposition herstellt, nährt Befürchtungen, dass es im Zuge der Schuldenkrise überall weltweit zu Restriktionen der Bürgerrechte kommen wird.

Auch das Attentat von Boston ist noch weit davon entfernt, aufgeklärt zu sein: Einer der Verdächtigen wurde so schwer verletzt, dass er nicht mehr sprechen kann. Er war bei seiner Verhaftung angeschossen worden – obwohl er unverletzt war (hier). Bei der Festnahme war der Großraum Boston in bürgerkriegsähnlicher Manier abgeriegelt worden. Die Bürger durften die Häuser stundenlang nicht verlassen (hier). Das FBI forderte alle Amerikaner zur Jagd auf Staatsfeinde auf – was einen unschuldigen Studenten traf, der vor einigen Tagen tot in einem Fluss aufgefunden worden war (hier).

Am Sonntag wird in Rom das neue Kabinett eingeführt. Es ist eine Koalition der Sozialisten mit Berlusconi, gestützt durch die Partei des Ex-Premiers Mario Monti (mehr zu dieser Regierung, die keine Erneuerung bringen dürfte – hier).

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