Deutsche Autobauer wollen Staatshilfe für Öko-Auto

Die heimischen Autokonzerne fürchten die in der EU geplanten strengeren Auflagen für den CO2-Ausstoß. In einem Brief an die Bundeskanzlerin betteln sie nun um politische Schutzmaßnahmen. Nur so lässt sich ihr Geschäftsmodell auf Dauer halten.

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Audi, BMW und Daimler fürchten, mit ihren größeren und schwereren Karossen aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Denn der Trend innerhalb der EU zeigt in eine andere Richtung. Bis 2025 soll der durchschnittliche Benzinverbrauch auf drei Liter halbiert werden.

Der Entwurf der EU-Kommission für eine entsprechende Verordnung stammt aus dem Juli 2012. Der zuständige Umweltausschuss des Europäischen Parlaments (EP) hat ihn in leicht verschärfter Form bereits abgesegnet. Bis zum Jahr 2020 soll der Kohlendioxid-Ausstoß bei Neuwagen auf 95 Gramm je Kilometer sinken, bis 2025 dann auf 68 bis 78 Gramm. Das entspricht einem Verbrauch von ca. drei Litern auf 100 Kilometern. Heute schlucken die Karossen noch mindestens das Doppelte.

Weil sich nun EP und Ministerrat auf eine endgültige Regelungs-Version einigen müssen, appelliert die Industrie an die Bundesregierung. Die Autobauer bezeichnen die Auflagen als unerfüllbar. Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Autoindustrie (VDA), hat in einem Brief an die Bundeskanzlerin um Hilfe gebeten, berichtet die FAZ. Wissmann war zusammen mit Merkel Kabinettsmitglied in der Regierung Kohl. „Liebe Angela“ beginnt der Interessenvertreter. Es müsse davor gewarnt werden, dass „wir unser leistungsfähiges und starkes Premiumsegment, das fast 60 Prozent der Arbeitsplätze unserer Automobilhersteller in Deutschland ausmacht, nicht über willkürlich gesetzte Grenzwerte buchstäblich kaputt regulieren lassen dürfen“.

Die deutschen Autohersteller sind von der neuen Regelung besonders betroffen, weil sie größere und deshalb auch schwerere Autos verkaufen als die Konkurrenz. Die Klein- und Mittelklasse-Wagen von Fiat, Peugeot und Co verbrauchen in der Regel weniger und erfüllen deshalb die strengeren Auflagen für den mit dem Spritverbrauch steigenden Ausstoß von Kohlendioxid leichter. Zum Schutz des „Premiumsegments“ der deutschen Hersteller ist sich Wissmann deshalb auch nicht zu schade, mit der „Vielfalt innerhalb der europäischen Automobilindustrie“ zu argumentieren. Auch die Erhaltung von Arbeitsplätzen als politisches Druckmittel ist eine altbekannte Strategie. Die Innovationsfähigkeit der Hersteller bei den Luxus-Karossen hält sich dagegen offensichtlich in Grenzen.

Die Auto-Konzerne fordern nichts weniger als eine komplette Absage der Reform. Ein Verzicht auf die Grenzwertfestlegung für 2025 sei ebenso notwendig wie eine stärkere Anrechenbarkeit besonders effizienter Modelle auf den Flottendurchschnitt eines Herstellers. Mit diesen sogenannten „Supercredits“ wollen die Hersteller erwirken, dass Elektroautos den CO2-Schnitt der Flotte senken und die schweren Geländewagen weiter verkauft werden dürfen.

Das Bittgesuch des VDA ist ein Armutszeugnis für die deutsche Auto-Industrie, die sonst gerne mit ihrer Fortschrittlichkeit und Leistungsfähigkeit wirbt.


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