Merkel: Große Autos bringen mehr Innovation als kleine

Im Streit um strengere CO2-Regeln für Fahrzeuge gibt die Bundeskanzlerin dem Druck der Auto-Lobby nach. Sie sichert den Unternehmen ihre Unterstützung zu. Damit stellt sie sich gegen ihre eigene Politik der Klimagas-Reduktion.

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Die Automobilindustrie gibt die Richtung vor, Angela Merkel fährt bereitwillig mit. (Foto: NTB)

Die Automobilindustrie gibt die Richtung vor, Angela Merkel fährt bereitwillig mit. (Foto: NTB)

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt die deutsche Auto-Industrie gegen Brüssel.

Bei einer Rede auf einer Konferenz für Elektromobilität, bei der eigentlich das Mantra der Energiewende beschworen wird, stellte sie sich auf die Seite der Autobauer und gegen strengere CO2-Regelungen. Ein Entwurf der EU-Kommission sieht vor, dass PKWs ab 2020 nur noch 95 Gramm Kohlendioxid je Kilometer ausstoßen dürfen. Bis 2025 soll eine weitere Reduktion auf 68 bis 78 Gramm folgen. Das entspricht einem Spritverbrauch von ca. drei Litern auf 100 Kilometern.

Die Autobauer bezeichnen die Auflagen als unerfüllbar. Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Autoindustrie (VDA), hatte in einem Brief an die Bundeskanzlerin um Hilfe gebeten (hier). Wissmann diente als Bundesverkehrsminister in der Regierung Kohl.

Merkel verteidigt die Modellpolitik der deutschen Auto-Industrie: Gerade große Autos seien die Träger von Innovationen, außerdem sei Deutschland stark von der Branche abhängig.

Auszug aus der Rede von Merkel:

„Die Europäische Union versucht, Rahmenbedingungen zu setzen. (…) Wir haben ambitionierte Ziele. Deutschland ist immer bereit, diese Ziele umzusetzen. Aber es muss natürlich auch realistisch sein. Deshalb kommt dem Wort „Super Credits“ eine super Bedeutung zu. Die europäische Stärke wird darin bestehen, Autos aller Typen zu bauen. Es werden kleine Autos dabei sein. Es werden aber auch größere Autos dabei sein.

Ich habe mich viel mit der Frage beschäftigt, wie die Dinge zusammenhängen. Wenn man einmal überlegt, wo die Innovationstreiber herkommen, dann kommen Sie zu großen Teilen eben auch aus der Entwicklung größerer Autos, die dann Eingang in kleinere Autos finden. Insofern sollten wir uns diese Wertschöpfungskette in Europa nicht kaputt machen lassen. Jetzt rede ich nicht weiter. Der Kommissar ist bestens informiert. Wir werden unsere Interessen gemeinsam vertreten, meine Damen und Herren.“

Die Auto-Konzerne fordern nichts weniger als eine komplette Absage der Reform. Ein Verzicht auf die Grenzwertfestlegung für 2025 sei ebenso notwendig wie eine stärkere Anrechenbarkeit besonders effizienter Modelle auf den Flottendurchschnitt eines Herstellers. Mit diesen sogenannten „Supercredits“ wollen die Hersteller erwirken, dass Elektroautos den CO2-Schnitt der Flotte senken und die schweren Geländewagen weiter verkauft werden dürfen.

Die Automobilhersteller stehen dem Elektro-Auto skeptisch gegenüber. Ihre Modell-Politik ist auf die Massenproduktion ausgerichtet. Für größere Autos suchen die deutschen Autohersteller die Absatzmärkte in Nah-Ost und Asien.

Das führt dazu, dass Kunden, die Elektro-Autos wollen, ihren Bedarf abseits der großen Unternehmen decken: Die Deutsche Post etwa baut mit einem Hersteller aus Aachen eigene Modelle für die Zustell-Dienste. Sie hatte sich bei großen Marken eine Abfuhr eingehandelt (mehr dazu hier).

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